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Was wir in der Corona-Quarantäne über uns als Familie gelernt haben

Corona stellt Familien zweifellos vor neue Herausforderungen. Wenn der ganz gewöhnliche Alltag plötzlich restlos über den Haufen geworfen wird und das Familienleben gänzlich neu geordnet werden muss, ist das nicht unbedingt ein Kinderspiel. Doch zweifellos bringen solche Zeiten neue Erkenntnisse hervor. Was unsere Autorin Daniela Kirschbaum in der Corona-Quarantäne über sich und ihre Familie gelernt hat, erzählt sie uns heute.

Hätten wir Lehrer werden wollen, wären wir es geworden…
Hätten wir Lehrer werden wollen, wären wir es geworden…
© Unsplash/ Jonathan Borba

1. Teamwork: Note „Sehr gut“

Mit Entsetzen habe ich festgestellt, dass Corona verdammt viele (!) Familien in meinem Umfeld zurück in die 50er-Jahre katapultiert hat. Während das Familienoberhaupt ungestört seinem immens wichtigen Job (in Homeoffice) nachgeht, üben sich viele Frauen in der Kunst des Vierteilens. Wie auch sonst soll man seiner eigenen Erwerbsarbeit inklusive Kinderbetreuung, Homeschooling und Haushalt halbwegs gerecht werden? Dass solche Arbeits“aufteilung“ zwangsläufig für Überforderung, Frustration und schiefhängenden Haussegen sorgt, liegt wohl auf der Hand.

Ich bin wirklich stolz, dass sich die Familie Kirschbaum diesbezüglich tatsächlich die Teamwork-Note „Sehr gut“ geben darf. Ob mit oder ohne Corona: Zusammenhalt, das kriegen wir hin!

2. Man gebe mir Freiheit! VIEL FREIHEIT!

Ich bin ein extrem freiheitsliebender Mensch. Normalerweise schränkt kaum jemand meinen Freiheitsdrang ein. Tja, und dann kam Corona… Wenn mich dieser unnötige Virus eines gelehrt hat, dann, dass ich weiß Gott für kein Leben in Quarantäne geschaffen bin. Da helfen weder häusliche Rückzugmöglichkeiten, noch Yoga-Einheiten oder tolle Online-Meditations-Kurse.

Dem Herrn Sohn geht es übrigens komplett gleich, während Töchterchen und Herr Kirschbaum mit Isolation erstaunlicherweise auffallend gut zurechtkommen. Tja, da steht es wohl 2:2 im Hause Kirschbaum.

3. Und sie lieben sich (zwangsläufig) doch!

Geschwister können wirklich SEHR verschieden sein. Doch selbst, wenn sie im „wahren Leben“ höchst unterschiedlichen Interessen nachgehen, braucht es nur Corona und schon finden sie zusammen. Mangels anderer Kinder muss man sich eben notgedrungen irgendwie arrangieren…

So turnen unsere beiden höchst unterschiedlichen Charaktere in letzter Zeit also – nicht nur bildlich gesprochen – auf gemeinsamen grünen Zweigen herum. Quarantäne bedeutet eben auch, dass aus Geschwistern plötzlich echte Freunde werden!

4. Hätten wir Lehrer werden wollen, wären wir es geworden…

Wenn noch einmal jemand das vermeintlich harmlose Wörtchen „Homeschooling“ in den Mund nimmt, explodieren mein Mann und ich vermutlich mit lautem Knall. Ich kann dazu nur sagen: Es hat einen verdammt guten Grund, weshalb wir unsere Kinder nicht als „Freilerner“ zum häuslichen Unterricht abgemeldet haben.

Unsere Sprösslinge MÜSSEN zur Schule gehen, damit etwas aus ihnen wird. Ihre Eltern eignen sich nämlich schlicht und ergreifend nicht dazu, ihnen Bildung – oder was auch immer wir dafür halten – einzuimpfen. Für alles, das über ein bisschen Hausaufgaben hinausgeht, sind wir ganz einfach nicht geschaffen. Das wissen wir – und das wissen unsere Kinder. Die rennen nämlich mittlerweile schreiend davon, wenn wir mit den Arbeitsplänen aus der Schule auch nur dezent winken.

5. Familie ist definitiv nicht alles

Familie ist super! Harmonisch, friedvoll, sicherer Hafen, Rückzugsort … (Okay, *so* idyllisch ist es bei uns nicht immer!) ABER: Familie ist definitiv nicht alles! Das merkt man natürlich erst dann so richtig, wenn jegliche sozialen Kontakte coronabedingt wegbrechen.

Austausch mit anderen Erwachsenen (abseits des Partners ;)), gesellige Runden, ein netter Kinoabend mit Freundinnen, tolle Fußball-Matches mit den besten Kumpels, Lego-Wettbauen mit dem allerbesten Freund, Kindertheater, Fangenspielen mit der liebsten Freundin seit dem Kindergarten – wir alle vermissen diverse Sozialkontakte nicht nur schmerzlich, wir lechzen mit hängenden Zungen danach! Wird also langsam wieder Zeit für ein bisschen Normalität – bitte!