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„Kurs lass nach!“ – Darum habe ich Babyschwimmen und Co. boykottiert

Für junge Eltern und deren Nachwuchs gibt es mittlerweile ein ansehnliches Sortiment an Kursen, um die Kleinen nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern. Ob Babyschwimmen, Babymassage oder Eltern-Kind-Yoga – Möglichkeiten sind schier unendlich! Warum unsere Autorin Daniela Kirschbaum all das boykottiert hat, erzählt sie uns heute.

„Früher hat's das alles nicht gegeben und die Kinder sind trotzdem groß geworden!“
„Früher hat's das alles nicht gegeben und die Kinder sind trotzdem groß geworden!“
© Pexels/ Pixabay

Eltern von heute informieren sich – manchmal zu viel

Wenn man ein Baby bekommt, informiert man sich. Erst recht, wenn es das erste ist! Das Internet macht das heutzutage kinderleicht möglich. Was früher der weise Rat von Eltern oder Großeltern war, sind heute Google und Elternportale. So hat man schon während der ersten Schwangerschaftswochen, wenn man sich noch mit Übelkeit und schmerzhaften Brüsten herumplagt, einen ganz guten Überblick darüber, was denn nun UNBEDINGT notwendig ist. Man weiß genau, wo und wie man das Baby zur Welt bringen möchte und natürlich auch, welche Babykurse nach der Geburt absolut angezeigt sind.

Ein Babykurs? Gehört zum guten Ton!

Schob man sein Baby zu früheren Zeiten durch den Park, schiebt (oder trägt) man es heute zum Schwimmen, zur Massage, zum Yoga oder einfach nur zum Babytreff. Zumindest ein solcher Kurs gehört gewissermaßen zum guten Ton, möchte man dem heißersehnten Sprössling doch möglichst früh jene Dinge bieten, die für sein weiteres Leben so unheimlich wichtig sind: soziales Miteinander, Bewegung, Lernerfahrung – alles einfach!

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Babyschwimmen könnte passen …

Ich war dem in der Schwangerschaft mit meinem ersten Kind auch überhaupt nicht abgeneigt. Fröhlich sah ich uns im kühlen Nass planschen. Babyschwimmen, das könnte passen. Schließlich schwimme ich selbst gerne, sollte also die einfachste Übung sein! Außerdem stärkt dieses Babyschwimmen ja nachhaltig die Eltern-Kind-Bindung, nimmt die Angst vor Wasser, bereitet aufs Schwimmen vor und unter Leute kommt man auch. Weiß man doch alles! Dass der Spaß nicht allzu günstig ist, versteht sich von selbst. Doch für sein Augensternchen ist einem nichts zu teuer und deshalb wurde entsprechender Kurs noch in den letzten Schwangerschaftswochen gebucht. Ist ja schließlich ein gewisser Andrang vorhanden..

… oder doch nicht!

Dann kam mein Baby! Eigentlich hätte ich von Anfang an wissen müssen. Mit diesem High-Need-Baby, das gefühlt nie schlief, meistens stillte und zwischendurch schrie und/oder getragen werden wollte, ist ein Babykurs ein Schuss ins Knie. In meiner hormongebeutelten Vor-Geburt-Vorstellung planschte ich mit meinem zufriedenen Wonneproppen vergnügt im kühlen Nass. In der unverzerrten Realität hetzte ich mit rotgesichtigem Brüll-Baby mehr als gestresst in die Schwimmstunde, wo ich den Großteil der Zeit außerhalb des Beckens verbrachte – stillend oder tragend. Mein Baby hielt eben gar nichts vom kühlen Nass.

Zwei oder drei Einheiten lang habe ich die Zähne zusammengebissen, doch das Projekt Babyschwimmen war einfach zum Scheitern verurteilt. Genauso wie das bei jedem anderen Kurs auch der Fall gewesen wäre. Mein Baby pfiff eben auf soziales Miteinander, Lernerfahrung und Bewegung. Das hatte weit weniger Bedürfnisse (Milch, Tragen) und WEHE, wenn die nicht erfüllt wurden, weil Mama sich so einen unnötigen Kurs einbildete!

Meine Tochter wäre ein super Kursbaby gewesen

Ich glaube übrigens, dass meine (pflegeleichte) Tochter das perfekte Kursbaby gewesen wäre. Leider waren ihre Möglichkeiten beschränkt, was – mal wieder – am Bruder lag. Das 1,5-jährige Energiebündel wäre nämlich mit etwaigen Massage- oder Yogaeinheiten der Schwester nun wirklich nicht kompatibel gewesen. Zwangsläufig übte sie sich also in Verzicht, wie das bei Geschwisterkindern ja durchaus öfter mal der Fall ist. Wenn ich aber ehrlich sein darf: Das hat mich gar nicht weiter gestört! Ein Babykurs mit zwei Kindern wäre wahrscheinlich Stress pur gewesen und das hätte ich neben Stillmarathon und Schlafdefizit gar nicht gut gepackt.

Omas Weisheiten – nicht so falsch!

Meine Kinder haben sich übrigens trotz fehlenden Babykursen bestens entwickelt. Sie haben keine Angst vor Wasser, können schwimmen und kommen in Gruppen zurecht. Oder wie meine Oma sagen würde: „Früher hat’s das alles nicht gegeben und die Kinder sind trotzdem groß geworden!“