Ich war am Ende. Mit diesem Satz rettete mir eine Fremde den Tag

Ich war am Ende. Mit diesen drei Worten rettete mir eine Fremde den Tag

Ihr Trotzkind brachte unsere Autorin Jenn an ihre Grenzen – mitten auf dem Supermarktparkplatz. Hier erzählt sie, wie ihr eine völlig Fremde das gab, von dem sie nicht wusste, dass sie es so dringend brauchte. Das sollten sich alle Mamas zu Herzen nehmen.

Kleinkind mit Trotzanfall weint
An manchen Tagen bringt dich Kinder-Gejammer an deine Grenzen © Unsplash/ Arwan Sutanto

Wutausbrüche sind normal, bitterliches Weinen aus Traurigkeit oder Müdigkeit, kein Problem. Frust und Enttäuschung dürfen Kinder selbstverständlich äußern, das ist nur menschlich. Wenn du Kinder hast, dann ist ein gewisser Lärm also ganz normal und eigentlich gar nicht schlimm. Doch dann gibt es noch diese eine Art von Gelärm, das kein Ende nimmt. Elendes Gejammer, dass sich durch wirklich nichts abstellen lässt. Du bist dagegen machtlos. Es macht dich fertig.

Ich wollte das Gejammer nicht mehr hören und die schiefen Blicke der anderen nicht mehr sehen.

Genau damit hatte ich es neulich im Supermarkt zu tun. Quelle: mein 3-jähriges, sehr selbstbewusstes und durchsetzungsfähiges Mädchen. Worum es ging ist nicht so wichtig, entscheidend ist, dass ich es irgendwann nicht mehr ertragen konnte. Ich wollte das Gejammer nicht mehr hören und die schiefen Blicke der anderen nicht mehr sehen.

Draußen am Parkplatz versuchte ich meine Tochter nochmals zu beruhigen. Aber als ich sie im Auto ohne Breze oder Wurstscheibe oder Süßigkeiten anschnallte, schrie sie noch lauter und mit erneuter Lust. Ich ließ die Fenster herunter damit sie Luft hatte, dann lief ich weg.

Aus einer Entfernung von circa 100 Meter konnte ich nun das Auto zwar noch sehen aber nicht mehr hören. Ich habe mir zwei Minuten gegönnt, um einmal tief durchzuatmen, um aufs Handy zu schauen und mich zu beruhigen. Als ich wieder aufblickte, sah ich zwei Frauen und ein Kind neben meinem Auto stehen, die so beunruhigt wie ich aussahen. Mist!

Normalerweise halte ich mich für einen friedlichen und freundlichen Menschen, aber heute war das anders. Wenn sie sich jetzt mit mir anlegen wollen, dachte ich, kracht es. Skeptisch sahen sie mich an als ich mich ausdruckslos dem Auto näherte. „Das gehört mir,“ sagte ich und meinte damit nicht das Auto, sonders die fragwürdige Situation, in der wir uns nun alle befanden.

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Diese Wörter wirkten wie ein magischer Balsam.

Ich stieg ins Auto ein, lies den Motor an, fuhr rückwärts. Verdattert blickten die Frauen mich an. Ich trat auf die Bremse, lies das Seitenfenster herunter und fragte genervt: „Gibt’s noch was?“

„Passt alles?“ kam die besorgte Gegenfrage von der Frau ohne Kind. Jetzt musste ich mich entscheiden, ob ich etwas Sarkastisches zurückwerfe, ihr den Stinkefinger zeigen sollte, oder mit ihr ins Gespräch kommen wollte. „Nein“, sagte ich und machte eine Geste zum schreienden Rücksitz, „es ist alles scheiße!“

Dann sprach die andere: „Ich verstehe das! Ich bin auch Mama.“

Diese Wörter wirkten wie ein magischer Balsam. Ich fange unwillkürlich an, das Ganze zu erzählen: Sie hört nicht auf, sie wimmert ohne Unterbrechung, ich halte es nicht aus, ich habe Abstand gebraucht um nicht auszuflippen und sie wie einen Unmenschen anzubrüllen! Sie hörte mir zu und sagte noch mal: „Ich weiß, wie es ist. Ich bin selber Mutter.“

Aber wenn man ein trauriges Kind alleine im Auto entdecke, sei man doch verpflichtet, nicht vorbei zu laufen, meinte sie. „Danke,“ sagte ich. „Richtig.“ Und dann bin ich in Tränen ausgebrochen und merkte wie mein Bein auf der Bremse vor lauter Stress unkontrolliert zum Zittern anfing.

„Lasst euch Zeit,“ sagte sie. „Fahrt nicht weg bevor alles wieder gut ist.“

Ich war gleichzeitig beschämt, weil das so offen passiert ist aber auch stolz auf mich, weil ich weder Kind noch Fremde angebrüllt habe. Aber vor allem war ich beeindruckt mit welcher Güte und Verständnis mir die anderen Mütter begegneten. Ich war am Ende und sie haben mir geholfen.

Unser Job ist hart. Lasst uns nett zueinander sein!

Viel zu oft werden Eltern verurteilt oder sogar verteufelt, obwohl man gar nicht hinter deren Kulisse sehen kann. Am schlimmsten ist es meist unter uns Müttern.

Unser Job ist hart. Wir machen Fehler und oft muss man zwischen mehreren unattraktiven Optionen wählen. So ist das Leben. Umso mehr braucht man das gegenseitige Vertrauen unter Müttern, die alle für eins bis zehn kleine impulsive, unreife, emotionelle zerbrechliche Menschen zuständig sind. Lasst uns nett zueinander sein! Statt einer Beurteilung schenkt ein bisschen Verständnis. Ich habe damit nicht gerechnet und mir hat es in diesem Moment so viel gegeben. Ich werde dieses gute Gefühl auf jeden Fall weitergeben: Bist du auch dabei?