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Die starken Emotionen meiner Kinder kann ich manchmal nicht aushalten!

Kinder fühlen alles und verdrängen nichts. Das ist eigentlich schön und gesund, für Erwachsene aber nicht immer leicht zu verarbeiten. Wie kann ich die oft überwältigenden Emotionen zulassen, ohne dass ich überfordert werde?

Ich wünsche mir nur die Ruhe – und das ist Übungssache
Ich wünsche mir nur die Ruhe – und das ist Übungssache
© Unsplash/ Marco Albuquerque

Für mich sind die zwei größten Herausforderungen der Betreuung von Kleinkindern ganz eindeutig: a) der Lärm und b) die starken Emotionen.

Man gewöhnt sich an die insgesamt höhere Lautstärke aber den kräftigen Ausdruck der Emotionen – nämlich die negativen – finde ich immerhin schwierig auszuhalten.

Rohe, ungebändigte Emotionen werden irgendwann nervig

Ich bin selbst ein emotionaler Mensch – ich bin das Kind, das so oft die Tür knallte bis sie nicht nur sprichwörtlich sondern real aus den Angeln fiel. Deswegen finde ich es schon wichtig, dass meine Kinder ihre Emotionen zeigen können und dürfen. Emotionen sind natürlich und unvermeidbar und mir ist es viel lieber, dass die Kinder ihrer Freude, ihrer Lustigkeit, ihrem Zorn, und ihrem Schmerz freien Lauf lassen statt diese Gefühle zurück zu halten und verbergen zu müssen. „Let it go“, sagt Eiskönigin Elsa, und Elsa hat Recht.

Ich kann aber auch nichts dafür, wenn das laute Zeigen des Leides mir manchmal zuviel ist. Langes Weinen, Jammern, oder sogar Schreien ist irgendwann unverträglich, und das ist auch okay – der menschliche Kummer soll uns bewegen. Manchmal wünsche ich mir aber, dass die Wut meiner Kinder von mir wie Regen auf einem Schirm abrollen würde, damit ich ihnen besser helfen könnte, diese Gefühle zu verstehen und gut damit umzugehen. Leider ist es zu oft, dass ich bei diesen Schlechtwetter-Emotionen auch nass werde.

Ich kann es nicht, ich kann es nicht, ich kann es nicht!

Damit bin ich aber bestimmt nicht alleine. Die meisten Erwachsenen haben zwar gelernt, ihre eigenen Emotionen zumindest etwas zu bändigen. Aber in Gesellschaft von Kindern, die wild und hemmungslos alles fühlen, ist man wieder herausgefordert.

Ein Beispiel: Mein vierjährige Tochter nimmt sich eine extra Portion Schokolade, nachdem ich schon „Schluss“ deklariert habe und weint lauthals die nächsten fünf Minuten enttäuscht und verärgert, weil ich als Konsequenz den Nachtisch gestrichen habe. In dieser Situation finde ich es wahnsinnig schwierig, die Nerven nicht zu verlieren.

Vor allem wenn es in der Früh gleich losgeht, oder Abends, wenn man der Tag schon durch ist und man mitten im Kochen, Aufräumen oder Vorbereitungen auf die Schlafenszeit ist! Dann halte ich es ehrlich nicht lange aus, bevor der Frust mich auch überwältigt und ich selber anfange, zurück zu schimpfen oder sogar die nervige Quelle anzubrüllen.

Ich wünsche mir nur die Ruhe – und das ist Übungssache

Man wünscht sich als Mama nichts mehr als Ruhe, damit man ohne Schreien, ohne Aufforderungen, ohne Streit, ohne Konflikt seine Arbeit machen kann oder einfach seine Zeit genießen darf.

Ich übe es auch fleißig, meine Ruhe gut zu bewahren. Ich bin eine Anhängerin der Konzentrations-Meditation und lerne schon langsam, meine Gedanken und auch Emotionen wahrzunehmen und zu lenken, wenn ich die Negativität spüre.

Neulich habe ich noch eine neue Taktik entdeckt. Ich erinnere mich an meine Hauptabsicht, indem ich mir die Frage stelle: Was ist mein allumfassendes Ziel – als Mutter und auch als Mensch?

Ist das Endziel nicht immer ein harmonisches Leben miteinander? Ist nicht in diesem Moment doch alles wunderbar, oder sogar perfekt? Sind wir nicht alle gesund, leben wir nicht schön, lieben wir uns nicht? Wenn das alles so ist, dann gibt es doch keinen Grund sich aufzuregen.

Wenn es klappt, ist das meine Rettung – die Möglichkeit aus dem Sumpf der Emotionen hinauszuklettern und meine Ruhe wieder zu finden, indem ich mich erinnere, die Dankbarkeit und schließlich die Liebe zu spüren.

Sie ist schon da, manchmal liegt sie einfach verlegt.