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Hilfe, mein Kind hat eine magische Phase

vonNadja Brand

Vor einem halben Jahr erzählte mir eine gute Freundin, dass ihr Sohn eine „magische Phase“ hätte. „So ein Quatsch!“, dachte ich mir dabei noch. Was sollte das denn sein? Gibt genug Phasen bei Kindern, dann brauche ich nicht auch noch etwas „magisches“…

vonNadja Brand
© Unsplash / Annie Spratt

Monster sind überall

Dann kam ein Kind im Kindergarten an und erschreckte meine Tochter mit den Worten „Buh, ich bin ein Monster!“ (Oder so ähnlich, ich war ja nicht dabei) und dann ging es auch bei uns los. In jeder Ecke, hinter jedem Schrank, Tisch oder Regal konnte etwas lauern. Meine Tochter rannte schreiend durch das Haus, sie habe gerade ein Monster gesehen… Na super. Nach ein paar Tagen war das Monster dann zum Glück wieder out. Plötzlich wähnte sie in jeder Ecke ihres Zimmers eine „Monster-Biene“. Mein Mann verjagte diese imaginäre Biene jedes Mal heldenhaft und meine Tochter war wieder zufrieden.

Auch die Monster-Biene war nicht lange aktuell. Daraufhin ging es plötzlich los, dass meine Tochter nachts nicht mehr ohne Licht schlafen wollte. Da ihr das große Deckenlicht dann doch zu hell war, stellten wir weitere Nachtlichter auf. Sie hatte ohnehin von Geburt an schon immer Eines.

: Tipps und Tricks

Und es wurden immer mehr. Lichterketten, LED-Leuchtstreifen hinter den Schränken entlang und immer mehr Nachtlichter kamen hinzu. Der Großteil natürlich batteriebetrieben… Und die meisten Lichter auch ohne Timer. Das heißt ich wechsle mindestens einmal pro Woche sämtliche Batterien aus. Aber was tut man nicht alles, damit das Kind gut schlafen kann. Es ist ja nur eine Phase.

Dann doch lieber wieder Monster…

Irgendwann konnte sie nachts, trotz ihrer Festbeleuchtung nicht schlafen, also legte ich mich zu ihr. „Mama, da steht ein Junge!“ Sie deutete auf eine weniger gut beleuchtete Ecke ihres Zimmers. „Wie bitte?“ Ich bekam Gänsehaut. „Da, Mama schau!“ Ich suchte die Ecke ab, aber konnte (natürlich) niemanden sehen. „Da ist niemand und jetzt leg dich wieder hin und mach deine Augen zu.“ Ich streichle ihr sanft über die Haare. Sie macht die Augen zu. Ich hänge halb sitzend und halb liegend in ihrem Bett und suche nebenbei das Zimmer ab. Spinne ich jetzt oder was? Da ist natürlich nichts.

Meine Tochter ist inzwischen endlich eingeschlafen. Ich stehe vorsichtig auf und laufe einmal komplett durch ihr Zimmer, um alles nochmal abzusuchen. Ich spinne tatsächlich. Hoffentlich ist diese „magische Phase“ bald wieder vorbei. Ich fühle mich seither irgendwie echt unwohl, wenn sie solche Sachen sagt.

: Zwischen Realität und Fantasie

Und dann kam der Tag, an dem wirklich mal „etwas war“. 5 Uhr morgens, meine Tochter kommt schreiend zu uns ins Schlafzimmer gerannt. In ihrem Zimmer sei ein großes Tier. Mama solle kommen und sich das ansehen. Ich wackelte ihr noch völlig verschlafen hinterher. Wer weiß, was sie jetzt wieder gesehen hat. Sie führte mich zu ihrem Bett und zeigte an das Kopfende. Und dort saß eine riesige, dicke Spinne. Was für ein Apparat…

Angst runterschlucken – fürs Kind

Ich selbst hasse Spinnen, wollte diese Panik aber nicht in so jungen Jahren direkt auf meine Tochter übertragen und blieb deshalb ganz cool. Naja, so cool es mir eben möglich war. Ich schob sie schnell aus ihrem Zimmer und brachte sie ins Wohnzimmer. Anschließend rannte ich zu meinem Mann, warf ihn aus dem Bett, er solle sich dem Thema annehmen. Was er dann zum Glück auch tat.

Seither fragt sie mich jeden Abend, wenn sie ins Bett geht, ob da dann wieder eine Spinne kommt. Dieses Tierchen war nicht gerade förderlich für ein Kind, dass gerade ständig Monster sieht… Blöd gelaufen.

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