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„Mein Geburtsvorbereitungskurs war doof“

Dem Geburtsvorbereitungskurs wird normalerweise mit Spannung entgegengefiebert. Man setzt sich mit dem Wunder von Schwangerschaft und Geburt auseinander, bekommt eine Vorstellung davon, was da auf einen zukommen wird und lernt ganz nebenher andere werdende Familien kennen. Doch ist das tatsächlich so? Unsere Autorin Daniela Kirschbaum hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. Sie fand ihren Geburtsvorbereitungskurs doof. Den ersten zumindest…

Der Geburtsvorbereitungskurs entwickelte sich zum Alptraum
Der Geburtsvorbereitungskurs entwickelte sich zum Alptraum
©pexels/ jonathan borba

Geburtsvorbereitungskurs? Gehört doch irgendwie dazu…

Ich bin ein Mensch, der lässt die Dinge ganz gerne auf sich zukommen. Wird man allerdings in Wien schwanger, muss das schnell gehen mit den Entscheidungen. Da ist nicht viel mit „gemütlich auf sich zukommen lassen“. Die Auswahl des Geburtskrankenhauses, die Anmeldung zur Geburt, die Belegung des Vorbereitungskurses – all das erledigt man am besten noch vor dem positiven Schwangerschaftstest. Jeder Tag zählt, denn sonst läuft man Gefahr keinen Platz mehr zu  bekommen.

So kam es also, dass ich uns (sprich Mann und mich, das Ungeborene kam inkognito mit) irgendwann zwischen positivem Test und 12. Schwangerschaftswoche zum Geburtsvorbereitungskurs in genau jenem Krankenhaus angemeldet habe, in dem ich schlussendlich auch entbunden habe.

Ganz nach dem Motto: Was man hat, das hat man. Und wir hatten sechs Doppeleinheiten „Wunder Mensch und wie man es möglichst kompetent durch den Geburtskanal quetscht“. Nun konnte ja nichts mehr schiefgehen! Aber wie so oft im Leben: Es konnte eben doch!

 

Schon die erste Einheit hatte es in sich

Mit geschwollenem Leib (die eine Hälfte von uns) und mäßigem Interesse (die andere Hälfte von uns) fanden wir uns also einige Monate später zur ersten Doppeleinheit ein. Ein kurzer Blick in die Runde genügte, um festzustellen, dass sich hier wohl keine Freundschaften fürs Leben ergeben würden.

Gruppe war ausgesprochen bunt gemischt. Mit Block und Kugelschreiber bewaffnete Wissbegierige (im Laufe der Zeit sollten sie sich als besserwissende Streber herauskristallisieren), Öko-Pärchen (eigentlich ganz sympathisch, aber aaanstrengend), Unternehmer-Eheleute (ja, jedes telefonische Geschäftsgespräch im Geburtsvorbereitungskurs ist eines zu viel) und ein Teenie-Paar unter 16 („Das Jugendamt hat uns gezwungen hier Die mitzumachen!“) versammelten sich frisch und munter im Stuhlkreis.

Soziale Durchmischung vom Feinsten, heterogener ging es nun wirklich nicht mehr. Dazwischen irgendwo wir beide. Nirgendwo so richtig gut dazu passend – oder aber: überall ein bisschen!

Ein Käfig voller Narren

Was sich die folgenden 1 ½ Einheiten (länger haben wir es nicht durchgehalten) abspielte, habe ich zum Großteil verdrängt. Nur so viel: Blöde Fragen („Und was ist, wenn ich die Nabelschnur nicht durchschneiden will? Das ist doch eklig!“), unpassendes Verhalten („Ja, Herr Klein, die Zahlen, die ich eingepflegt habe, die stimmen. Ich melde mich nachher noch einmal bei Ihnen, sitze gerade mit meiner Frau im Geburtsvorbereitungskurs.“), mühsame Diskussionen („Aber Sie werden doch wohl zustimmen, dass Rizinusöl und Geschlechtsverkehr jeder künstlichen Einleitung vorzuziehen sind. Wir wollen das Kleine doch nicht gleich überfordern.“) und mittendrin: wir! Schwer damit beschäftigt, Interesse zu heucheln und dabei nicht laut loszuprusten.

Es war klar, wir müssen hier raus

Die arme Hebamme tat uns leid. Aber wir selbst taten uns noch viel mehr leid. Es dauerte bis zur Hälfte der zweiten Einheit, dann waren wir uns sicher, dass ein sanfter Ausstieg aus diesem Debakel die beste Strategie sei. So täuschte die werdende Mama in der Pause spontane Schwangerschaftsübelkeit vor, sodass der werdende Papa sie dringend nach Hause bringen musste. Den Kurs haben wir folgend mit der Begründung, ein privater Kurs käme unseren zeitlichen Kapazitäten eher entgegen, abgebrochen. Warum auch der armen Hebamme vor den Kopf stoßen, sie konnte ja am allerwenigsten dafür.

 

Da hilft nur noch Privatunterricht

Der langen Rede kurzer Sinn: Wir fanden eine private Hebamme in unserer Nähe, die uns – und nur UNS – an zwei Halbtagen alles Wesentliche verklickerte. Dabei hatten wir sogar unheimlich viel Spaß. So viel, dass wir anderthalb Jahre später, schwanger mit dem zweiten Kind, wieder bei ihr hereinschneiten.

Sicher ist sicher! Die Geburten waren übrigens beide – den Umständen entsprechend – unkompliziert, stressfrei und schön. Ob das in irgendeiner Weise mit der Art des Geburtsvorbereitungskurs zusammenhängt? Ich weiß es nicht, aber ich bilde es mir jedenfalls gerne ein.

Diese 10 Dinge hätte Daniela gerne vor der Geburt gewusst.