„Ich bin als Mutter viel strenger, als es meine Mutter damals war.“

„Ich bin viel strenger, als es meine Mutter damals war – bin ich egoistisch?“

„Du hörst auf zu jammern oder gehst gleich ins Zimmer!“ „Du isst das, was auf deinem Teller ist oder gar nichts.“ „Ihr seid einfach zu laut!“ „Kinder, lasst mich in Ruhe! Es ist mir zu viel!“ Das sind alle Sätze von unserer Autorin Jenn Knott. Ihre eigene Mutter war nicht so streng. Und manchmal fragt sie sich, ob ihr Erziehungsstil wirklich der richtige ist…

Strenge Mutter schimpft Tochter
© Bigstock / Pressmaster

Wenn ich meinen Erziehungsstil als Mutter beschreiben müsste, wäre ich wahrscheinlich irgendwas zwischen gütiger Diktatorin und lieber Kindergärtnerin. Mir ist es wichtig, dass die Kinder frei spielen dürfen, aber der Lärm muss sich in Grenzen halten. „Nein“ sage ich gerne. Ich bin die Chefin, das heißt, die Angestellten gehorchen mir: Eine gewisse Freiheit ist schon erlaubt, aber am Ende bin ich diejenige, die entscheidet.

Sowas hätte meine Mutter nie gemacht…

Ich bin meinem Vater ähnlich: nicht besonders geduldig, etwas egoistisch, schnell gefrustet, wenn etwas wiederholt nicht so läuft, wie ich es will. Meine Mutter hingegen ist wie eine Heilige: Die Frau hält alles aus, auch wenn sie sich dabei benachteiligt. Jedes Mal, wenn ich meine Kinder aus Wut oder Verzweiflung oder Verärgerung angebrüllt habe, sagt die Stimme in meinem Kopf die gleichen zwei Sätze: „War das wirklich nötig?“ und „Sowas hätte Mom nie gemacht.“

Wie egoistisch darf ich sein?

Es ist der zweite Satz, der mich tief verunsichert. Ich habe das Glück, dass ich ein überwiegend positives Vorbild als Mutter hatte und habe. Mein Nachteil ist, dass ich das Gefühl habe, einem extrem hohen Maßstab gerecht werden zu müssen. Aber muss ich das? Manche Eigenschaften werden erlernt, die anderen vererbt. Ich will den Mutter-Job ständig besser machen, vergangene Pannen in der Zukunft vermeiden – aber wie hart sollte ich gegen meine eigene Natur kämpfen? Außerdem bin ich schon überzeugt, dass mein Ego mir hilft, dass mein „Ich“ bei dem ganzen Mutti-Chaos nicht verloren geht. Meine nicht grenzenlose Geduld zeigt den Kindern, dass sie keine unbegrenzten Idioten sein dürfen.

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Meine Mutter war auch nicht perfekt

Ich muss mich in solchen Situationen manchmal einfach daran erinnern, dass meine Mutter auch nicht alles perfekt gemacht hat. Meiner Meinung nach hat sie zu viel geduldet: Die Tür, die ich jahrelang zuknallen durfte, bis sie aus den Angeln gefallen ist, würde in meinem Haushalt nach zwei Tagen einfach verschwinden. Ich glaube auch nicht, dass meine Mutter genug für sich selbst getan hat: Sie war ständig da und hat zwanzig Jahre lang überhaupt keine Karriere gemacht, obwohl sie eine gut ausgebildete Krankenschwester war.

Ich bin nicht meine Mutter und auch nicht Mutter Theresa

Ich verarbeite noch, was mir meine Therapeutin mal gesagt hat: Gefühle von Schuld und Minderwertigkeit schwächen uns. Vor allem als Mutter, wo man so viel Kraft wie möglich benötigt. Ich muss mir selber meine vorrübergehenden Frust- und Wutausbrüche verzeihen: Ich mache schließlich den härtesten Job der Welt. Ich bin nicht „die heilige Mom“ und bestimmt nicht Mutter Teresa, aber dafür Mutter Jenn. Meine Kinder werden meine zahlreichen Fehler überleben – ich bin ja sonst eine verdammt gute Mutter.

Am Ende müssen wir uns so akzeptieren, wie wir sind. Wichtig ist nur, dass wir offen und lernfähig bleiben und den Kindern unsere Liebe zeigen, auch wenn sie sich wie Mistviecher verhalten. Oder zumindest kurz danach.