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Ich habe eine Putzfrau, obwohl ich Hausfrau bin!

Selbst ist die Frau. Unsere Autorin Jenn Knott kann alles. Sie beschreibt sich selbst als eine wunderbare Kinderbetreuungs-, Einkaufs-, Koch-, Putz-, Trost-, Wasch-, Geschirrspül-, Taxifahr-, Popowisch-, Aufräum-, Krisenlöser-, -Maschine. Trotzdem hat sie jetzt eine Putzfrau. Hier erzählt sie warum.

Eine Putzfrau ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Priorisierung!
Eine Putzfrau ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Priorisierung!
Unsplash / pan xiaozhen

Ich konnte werden, was ich wollte

Meine Eltern haben mir als Kind immer gesagt, wenn ich groß bin, könnte ich alles werden, was ich will: Ärztin, Rechtsanwältin, Physikerin oder auch Astronautin. Ich habe studiert und bin Autorin geworden – und Mutter. Und nun bin ich oft zu Hause, entweder mit oder ohne meine kleinen menschlichen Schöpfungen.

Es ist nie einfach wirklich sauber

Ob die Kinder nun da sind oder nicht, ob ich gerade an einem Artikel oder an meinem Kinderbuch arbeite – eigentlich mache ich ständig irgendetwas im Haushalt. Die Küche aufräumen, die Wäsche starten, die Wäsche aufhängen, die Wäsche zusammenfalten, das Spielzeug aufräumen, die Betten machen, Kochen, Einkaufslisten schreiben, Termine ausmachen, den Boden wischen – und so weiter. So viel sei gesagt: Langweilig wird es mir nie. Manchmal gönne ich mir dreißig Minuten Zeit, um ein Buch zu lesen oder mit den Kindern zu puzzeln. Aber es gibt keinen Moment, in dem einfach mal alles sauber, aufgeräumt und erledigt ist. So ist das Leben eben, besonders in einem Familienhaushalt.

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Bei uns müssen alle mithelfen

Ich bin eine große Befürworterin von Arbeitsaufteilung. Nur weil ich weiblich bin und nur weil ich nicht ins Büro gehe, heißt natürlich nicht, dass ich alles alleine machen muss. Die Kinder müssen mit altersentsprechenden Aufgaben mithelfen. Der liebe Papa hat auch seine Aufgaben und macht den Abwasch, einen Teil der Wäsche und einen Teil der Kinderbetreuung. Weil ich aber die liebe Mama und am häufigsten zu Hause bin, fallen die meisten Aufgaben auf mich zurück.

Ein Streit um das Waschbecken ließ mich explodieren

Aber habe ich das Recht zu sagen, dass es mir manchmal alles zu viel ist? Ich will euch eine kleine Geschichte erzählen:

Bei uns gab es an einem Samstag-Vormittag ordentlich Streit. Ich hatte ein schreiendes Baby auf dem Arm und habe mit meinem Mann darüber gestritten, wer endlich das verdammt verdreckte Waschbecken im Bad putzen muss. Das sah nämlich wirklich übel aus: Haare und unbekannter Schleim im Abfluss, Kalk und Zahnpastareste im Becken und eine staubige Armatur voller Wasserflecken. Nicht, dass das Bad insgesamt besonders sauber gewesen wäre: Eigentlich war es überall etwas dreckig, aber die echte Dreck-Bombe war im Waschbecken explodiert.

„Ich mache das auf keinen Fall“, sagte ich. „Ich kann das Baby nicht ablegen, weil es sonst wie verrückt schreit und habe ja noch nicht mal Zeit, um zu duschen oder aufs Klo zu gehen. Da ist mir das Waschbecken echt wurscht.“

Aber ich wäre dran, behauptete er. Er müsse das doch nicht jedes Mal machen, wenn wir alle das Waschbecken benutzen, außerdem arbeitet er die ganze Woche im Büro, warum er also auch noch am Wochenende mit dem Schrubben anfangen solle?!

Oh ho, er arbeitet die ganze Woche? „Soll das etwa heißen, dass ich die ganze Woche nicht arbeite?“ erwiderte ich. „Glaubst du, dass ich den ganzen Tag Kaffee trinke und Zeitung lese und keinerlei Windeln wechsele und trotzige Kinder aushalte, während du im Büro deine Ruhe hast?!“

Jetzt reicht’s!“ brüllte ich

Um die Geschichte abzukürzen: Der Streit darüber, wer mehr für die Familie tue, eskalierte. „Jetzt reicht’s!“ brüllte ich noch lauter als das Baby. „Wir holen uns eine Putzfrau!“ Eine zu finden hat allerdings etwas gedauert. Am Ende habe ich eine Anzeige im Kindergarten aufgehängt. „Ach, ihr braucht Hilfe?“ kamen blöde Bemerkungen. „Bei uns ist die Haushaltshilfe ja der Staubsauger.“ Sehr witzig, dachte ich. “Ja, wir brauchen Hilfe”, sagte ich. “Ich ertrinke im Stress und Baby-Tränen und will meine Ehe nicht dem Kampf um den Haushalt opfern.”

Wir müssen nicht alles alleine schaffen

Es ist wahr, dass nicht alle sich eine Putzfrau leisten können. Es ist aber auch wahr, dass viele hier, gerade in westlicheren Ländern, viel Geld für unmöglichen Quatsch ausgeben und sich lieber eine echte, wertvolle Pause gönnen sollten. Die Wohnung nur ab und zu und nicht jede Woche putzen zu müssen ist herrlich.

Ich rate also allen Super-Eltern, die sich sowieso mit dem ganzen täglichen Wahnsinn rund um Familie, Haushalt und Arbeit kaputt machen: Schämt euch nicht, euch Hilfe zu holen! Eine Putzfrau ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Priorisierung. Wenn man Hilfe braucht, darf man das zugeben. Wir müssen doch nicht immer alles alleine machen.