Ich will meine Tochter niemandem zur Betreuung geben!

Ich will meine Tochter niemandem zur Betreuung geben!

Ihre Tochter nach einem Jahr in eine Betreuung zu geben, kam für unsere Autorin Marie Binder nicht in Frage. Trotzdem wollte sie wieder arbeiten. Hier erzählt sie, warum sie sich dafür entschieden hat und wie ihr Alltag als Vollzeit-Working-Mum aussieht.

Mutter und Kind kuscheln auf einem Sessel
© Pexels / Daria Shevtsova

Ein Jahr lang habe ich nicht gearbeitet, die Elternzeit zuhause genossen und mich voll und ganz auf das neue Leben mit Baby konzentriert. Ich bin zum Babyschwimmen gegangen, habe mich mit Freundinnen getroffen, habe stundenlang mit meiner Tochter gespielt, sie geknuddelt und Zeit mit ihr verbracht. Nach einem Jahr war die große Frage: Soll ich wieder arbeiten, und wenn ja, wie soll mein Kind dann betreut werden? Ich wusste sofort: Ich persönlich wollte meine Tochter auf keinen Fall in eine Krippe geben oder mir eine Tagesmutter besorgen. Wieder Vollzeit zu arbeiten stand also außer Frage. Trotzdem wollte ich wieder etwas außerhalb des Mamaseins leisten. Wie kann ich das vereinen?

Wie kann ich Job und Kind vereinen?

Ich bin Journalistin, Autorin und moderiere im Radio – das alles macht mir Spaß und ist auch für die Haushaltskasse keine schlechte Sache. Wie also die Arbeit und das Leben mit meinem Kind vereinbaren, beides schaffen ohne Fremdbetreuung in Anspruch zu nehmen? Ich war mir sicher, dass ich es schaffen kann. Doch warum wollte ich es unbedingt, mein Kind selbst betreuen, auch wenn ich wieder arbeite?

 

Ich will mir keine Vorwürfe machen

Weil ich mir nicht vorstellen konnte, jemand anderen mein Kind erziehen zu lassen. Weil ich nichts verpassen wollte. Ich wollte nicht hören, dass sie ihre ersten Schritte in der Krippe getan hatte und ich es verpasst hatte. Ich wollte nicht, dass sie geweint hat, weil sie mich vermisst hat und ich nicht da sein konnte. Ich wollte dieses Gefühl, das ich im ersten Jahr mit Kind hatte, unbedingt weiter erleben. So viel Zeit wie möglich mit meiner Tochter verbringen, sie selbst fördern, fordern, erziehen oder eben „nicht erziehen“.

Video-Empfehlung

Manchmal denke ich: „Warum tute ich mir das an?“

Zu arbeiten und gleichzeitig Vollzeit-Mama zu sein ist nicht immer einfach. Es nervt mich an manchen Tagen. Wenn ich Abgabetermine habe und deshalb noch bis tief in die Nacht schreiben muss. Weil ich total müde bin aber eben noch arbeiten muss. Wenn meine Tochter einen schlechten Tag hat und keine Lust hat, sich alleine zu beschäftigen. Dann denke ich manchmal: „Wieso tue ich mir das an?“ Meistens läuft es aber anders.

Ich bin stolz auf unseren eigenen Weg

Meine Tochter und ich haben unseren eigenen Weg gefunden, die Arbeit in unseren Alltag miteinzubinden. Schreibe ich, spielt meine Tochter meistens oder hört sich „Bibi Blocksberg“ an, malt oder schläft. Und wenn sie ihre Mama unbedingt braucht? Sitzt sie auf meinem Schoß, wie gerade, und kuschelt sich an mich. Sie spielt dann mit einem Stift und quatscht vor sich hin. Und ich tippe. Sie kennt das, sie weiß, Mama muss jetzt arbeiten. Und trotzdem ist sie gerne bei mir. Und dann denke ich: Es geht eben. Und ich genieße es, zu arbeiten und zu wissen, dass sie trotzdem alles von mir bekommt, was sie braucht. Ein bisschen stolz bin ich dann auch: dass sie gelernt hat, geduldig zu sein, und dass wir es schaffen beides zu vereinbaren: Arbeit und Vollzeitmami-sein.