„Schluss mit euren idealisierten Geburtsanzeigen!“

„Schluss mit euren idealisierten Geburtsanzeigen!“

Unsere Autorin Jenn Knott hat die Schnauze voll von perfekten, wunderschönen Geburtsanzeigen und sagt: „Einmal würde ich gern eine brutal ehrliche Geburtsanzeige sehen!“ Hier erzählt sie warum…

Frau verdreht die Augen
Warum muss jeder so tun, als ob alles perfekt wäre? Mama Jenn Knott hat davon genug. © Bigstock / Cookiestudio

Sie sehen immer gleich aus: Entweder Dänemark-Schick oder Waldfeen

Ich verstehe es: Babys sind schön; neues, unschuldiges Leben muss gefeiert werden; eine Geburt ist ein spannendes Geschehen.

Trotzdem.

Wenn man die neue Existenz des jüngsten Familienmitgliedes mitteilen will, muss man doch nicht gleich alle anlügen, oder? Ich habe das Gefühl, dafür darf nur ein verschönertes, inszeniertes Bild genommen werden, wo alle entweder wie Dänemark-Schick oder Waldfeen aussehen, sich ruhig und friedlich stellen, und definitiv nicht gegen Erschöpfung, Muttermilch-Kotze oder Überforderung kämpfen. Und dann noch die schönen Zeilen in der Anzeige, die unsere wahre Seligkeit übermitteln sollen. Sind die Eltern wirklich „So glücklich wie noch nie!“ oder eher so müde und kaputt wie noch nie? Ich wette auf das Letztere.

Wie geht es euch wirklich!?

Wieso hat man den Drang – vor allem gleich am Anfang – so zu tun, als ob alles wunderschön und wunderbar wäre? Ich finde die Überhöhung der ersten Wochen, die man jetzt öfters auf Facebook oder Instagram bei bestimmten geteilten Fotos sieht, total unrealistisch und lächerlich – und sogar schädlich, weil sie zum perfektionistischen Druck auf uns Mütter beitragen. Freude zeigen und teilen ist eine Sache; „schöne“ Sprüche, die einfach nur Phrasen sind oder Bilder, die versuchen, die Anstrengung oder sogar Verzweiflung zu retuschieren, tun nichts außer als den eigentlichen Zustand zu verbergen. Ich finde es schön, dass du ein Baby gekriegt hast! Was mich aber tatsächlich interessiert ist wie es euch wirklich geht.

Mein Plädoyer für ehrliche Anzeigen

Ich starte hiermit einen Aufruf zu mehr lustig erfrischenden, richtig ehrlichen Geburtsverkündungen. Ich hätte hier auch gleich ein paar Vorschläge, die jeder gerne verwenden darf – aber bitte nur mit einem Foto eines schreienden Kindes und fertigen Eltern, die sich tagelang nicht gewaschen haben!

#1 Schwere Geburt

„Hallo Welt, unsere Kleine ist geboren! Die Kathi (Name der Mama einsetzen) kann kaum noch gehen und zweifelt sehr daran, ob ihr Intimbereich jemals wieder arbeitsfähig für intime Sachen wird! Um Erfahrungsberichte diesbezüglich wäre sie sehr dankbar. Der Kopf unserer Tochter riecht zwar himmlisch, trotzdem fragen wir uns, wie in Gottes Namen diese pampelmusenförmige Kugel durch Kathis ehemals heidelbeergroßes Loch gepasst hat?! Auf jeden Fall ist es vorbei, Gott sei Dank!“

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#2 Besonders ruffreudiges Baby

„Rat mal, wer endlich da ist? Na klar, die neue Klangmaschine! Wir schlafen seit Neuestem nicht länger als eine Stunde am Stück und der neue Dauerwecker ist im konstanten Alarmzustand! War es wirklich so klug, uns zu vermehren? Wer kommt vorbei und nimmt den kleinen Schreihals mal für ein paar Stunden, damit unsere müden Gehirne solche Fragen nicht mehr stellen?“

#3 Erschöpft und hungrig

„Wollt ihr vielleicht das neue Wunder der Familie sehen? Wir freuen uns über jeden Besuch, aber eigentlich nur, wenn ihr eine riesige Auflaufform voller Trostessen mitbringt, das man schnell warm machen kann, gut schmeckt und mit einem Löffel verzehrt werden kann. Sonst lasst uns bitte in Ruhe! Liebe Grüße!“

#4 Stillprobleme

„Dürfen wir vorstellen: die Brustwarzen-Vernichterin! Unsere schöne kleine Saugglocke nimmt gar keine Rücksicht, wenn sie mehrmals am Tag nicht nur Milch, sondern auch die Hoffnung, wieder unblutige Nippel zu besitzen, in sich aufsaugt! Umarmt also die Regine (Name der Mama einsetzen) bitte nicht, wenn ihr vorbeikommt, um die kleine Dracula-Königin zu bewundern!“

#5 Kaiserschnitt

„Wurde jemanden von euch schon mal der Bauch aufgeschnitten? Der Julia (Name der Mama einsetzen) schon – und sie und ihre Kaiserschnittnarbe empfehlen es nicht weiter! Wir sind unglaublich dankbar, dass unser kleiner Markus gesund auf der Welt gekommen ist – und nun feiern wir die starke Frau, die den Weg ermöglicht hat: Sie freut sich über Schokolade, Kaffee, schöne Seifen oder sonstige Geschenke, die gar nichts mit dem Baby zu tun haben, sondern nur der Mama eine Freude machen!“

Na, wäre das nicht super? Natürlich gibt es noch viele Möglichkeiten mehr! Schluss also mit dem Druck wund-der-schöne Geburtsanzeigen zu verschicken. Lasst uns diesen besonders verrückten Lebensabschnitt nicht schönreden, sondern uns gegenseitig unterstützen. Manchmal ist das Abenteuer Familie eben nicht nur hübsch, sondern auch verrückt und anstrengend – und so darf es auch sein!