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Journalistin erklärt, warum Hanf sie zu einer besseren Mutter macht

Cannabidiol (CBD) ist ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um solche CBD-Produkte entstanden. Auch Journalistin und Bloggerin Heather Marcoux nimmt regelmäßig CBD ein und erklärt, warum sie das Hanf zu einer besseren Mutter macht. Doch wirklich unbedenklich sind die Produkte nicht.

CBS-Produkte auch in Deutschland legal?
CBS-Produkte auch in Deutschland legal?
©Unsplash/Paige Cody

CBD: Hanf ohne Rauschwirkung

Cannabidiol, oder kurz CBD, ist ein spezifischer Inhaltsstoff von Hanf. Diese drei Buchstaben hätten sich immer wieder in Unterhaltungen geschlichen, die die amerikanische Journalistin und Bloggerin Heather Marcoux mit Freunden führte. Auch in ihren sozialen Netzwerken wären immer wieder verschiedene CBD-Produkte aufgetaucht, bis „ich sie nicht mehr ignorieren konnte, also habe ich beschlossen es auszuprobieren“, schreibt Marcoux in einem Blogpost, veröffentlicht auf „mother.ly.com“. Dass sie nun regelmäßig zu Cannabidiol-Kapsel greift, hätte sie aber selbst nicht gedacht. Doch Marcoux ist überzeugt, das CBD mache sie zu einer besseren Mutter.

Nein, das ist keine Aufforderung zum Drogenkonsum. Cannabidiol ist nämlich nicht das gleiche wie das klassische Cannabis, dessen Anbau, Verkauf, Besitz oder Konsum in Deutschland verboten ist – mit Ausnahme von Schmerzpatienten.

CBD ist einer der über 100 Hauptbestandteile der weiblichen Hanfpflanze. Es wirkt – medizinisch betrachtet – entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend. Der große Unterschied zum illegalen Marihuana: Der THC-Gehalt, also die eigentliche Droge des Hanfs, ist vergleichsweise gering. CBD soll also nicht „high“ machen.

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Einfach mal mir ihrem Sohn spielen war eine Überwindung

Marcoux erklärt in ihrem Artikel, dass sie seit Jahren unter Angstattacken und Schlafstörungen leide. Die medizinischen Vorteile von CBD, die Idee, die entspannende Wirkung von Hanf zu erleben ohne ‚stoned‘ zu sein, hätte sie überzeugt. „Gleich nachdem ich die erste Kapsel geschluckt hatte, habe ich gespürt, wie die konstante Überforderung und die Angst sich linderten“, schreibt Marcoux.

Sie habe das Gefühl, dass sie durch das CBD geduldiger mit ihrem Sohn umgehe. Ihre Angstattacken seien teilweise sehr heftig. Es falle ihr manchmal schwer, ihre Gedanken abzuschalten und einfach mit ihrem Sohn zu spielen oder ihm eine Geschichte vorzulesen – die Kapsel würden ihr dabei helfen. Ihr persönliches Fazit lautet deswegen:

„Ich bin weniger gestresst, schlafe besser und ich habe das Gefühl eine bessere Mutter zu sein.“

Wie bedenkenlos ist CBD?

Der Hype um die CBD-Produkte hat die USA längst verlassen und ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Auch zwei große Drogeriemarkt-Ketten haben letzes Jahr eine Reihe von Cannabidiol-Produkten in ihr Sortiment aufgenommen, darunter Öl, Kaugummi und Tee. Im Unterschied zu THC ist Cannabidiol offiziell kein Betäubungsmittel. Zwar unterliegt es seit Oktober 2016 als Arzneimittel der Verschreibungspflicht., doch wird CBD als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, fällt es derzeit weder unter das Betäubungsmittel- noch unter das Arzneimittelgesetz. Somit ist es theoretisch frei verkäuflich – solange der THC-Anteil 0,2 Prozent nicht übersteigt und es sich um zertifizierten Nutzhanf der EU handelt.

Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe hat mit einer Arbeitsgruppe CBD-Öle aus dem Online-Handel und auch Kaugummis mit Cannabidiol-Anteil untersucht. Er erklärt in einem Interview mit Deutschlandfunk: „Wir haben eine ganze Reihe von Produkten beanstandet, weil einfach der THC-Gehalt sehr, sehr deutlich oberhalb der Richtwerte lag, die das Bundesinstitut für Risikobewertung noch als akzeptabel ansieht. Durch diese Anreicherung des CBDs wird im Prinzip dann auch offensichtlich THC mitangereichert. Es kann – wie die Produkte, die wir als nicht sicheres Lebensmittel beanstandet haben – in einen Bereich gehen, wo die unterste Wirkdosis vom THC einsetzt. Insofern ist das tatsächlich auch als aus gesundheitlichen Gründen teilweise kritisch anzusehen.“ Macht CBC also doch high?

Mitte April ist dann auch das CBD-Öl wieder aus den Regalen der Drogeriemärkte verschwunden. Der Grund: rechtliche Bedenken. Denn der THC-Wert dieser Produkte soll bei Untersuchungen des Bundesinstitut für Risikobewertung deutlich über den offiziellen Richtlinien gelegen haben. Besonders bedenklich sei das, „da in diesem Dosisbereich mit dem Auftreten von psychomotorischen Wirkungen wie verminderte Reaktionsfähigkeit oder Müdigkeit gerechnet werden muss“. Es konnte also doch eine gewisse Rauschwirkung nachgewiesen werden.

Neue EU-Regelung zu CBD-Produkte

Auch die EU hat jetzt auf den CBD-Trend reagiert. Die EU-Kommission hat alle Produkte auf Basis von Hanf-Extrakten in den sogenannten „Novel Food Catalogue“ aufgenommen. Damit gelten sie als „neuartige Lebensmittel“ und müssen vor der Vermarktung auf ihre Sicherheit geprüft und zugelassen werden. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit läge für CBD-Produkte eine solche Zulassung noch nicht vor (Stand März 2019). Sie sind also „nicht verkehrsfähig“ und der Verkauf ist damit eigentlich illegal.

Marcoux ist eine von vielen Amerikanerinnen, die auf die Wirkung des CBDs schwören. Laut der Berichterstattung der amerikanischen Wirtschaftsnachrichten-Sender-Gruppe CNBC, die sich auf Untersuchungen des Investmentforschungsunternehmens Cowen bezieht, wurden in Amerika im Jahr 2018 im Einzelhandel schätzungsweise zwischen 600 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Auch in den Online-Shops der Drogerie-Ketten erhielten die CBD-Öle überwiegend sehr gute Kunden-Bewertungen. Die deutschen Konsumenten scheinen also ebenfalls von der positiven Wirkung überzeugt. Dennoch ist nicht außer Acht zu lassen, dass in vielen Produkten durchaus ein gewisser THC-Anteil steckt – zum Teil höher als zugelassen. Gänzlich frei von psychoaktive Substanzen sind sie also nicht.


Quellen:

  • Mrasek, Volker: Zu hohe Drogengehalte in CBD-Produkten, In: Deutschlandfunk
    https://www.deutschlandfunk.de/lebensmittel-mit-hanf-zu-hohe-drogengehalte-in-cbd-produkten.676.de.html?dram:article_id=443015 (letzter Abruf: Mai 2019)
  • Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung: Tetrahydrocannabinolgehalte sind in vielen hanfhaltigen Lebensmitteln zu hoch – gesundheitliche Beeinträchtigungen sind möglich
    https://www.bfr.bund.de/cm/343/tetrahydrocannabinolgehalte-sind-in-vielen-hanfhaltigen-lebensmitteln-zu-hoch-gesundheitliche-beeintraechtigungen-sind-moeglich.pdf (letzter Abruf: Mai 2019)
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) & Co, In: www.bvl.bund.de
    https://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/13_FAQs/FAQ_Cannabidiol/FAQ_Cannabidiol_node.html (letzter Abruf: Mai 2019)
  • Marcoux, Heather: I took CBD and it made me a more present, less anxious mom, In: Motherly
    https://www.mother.ly/news/cbd-benefits-for-anxiety-and-sleep-mom(letzter Abruf: Mai 2019)
  • LaVito, Angelica: CBD is booming. But US farmers struggle to keep up with demand for industrial hemp, In: cnbc.com
    https://www.cnbc.com/2019/03/23/cbd-is-booming-but-us-farmers-struggle-to-keep-up-with-demand.html (letzer Abruf: Mai 2019)