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„Mama, warum krieg‘ ich kein Geschwisterchen?“

Die Tochter unserer Autorin Daniela Kirschbaum wünscht sich nichts sehnlicher als ein Geschwisterchen. Die Argumente, weshalb sie unbedingt große Schwester sein sollte, gehen ihr nicht aus. Blöd nur, dass die Familienplanung der Kirschbaums abgeschlossen ist. Das muss – wohl oder übel – auch der Nachwuchs akzeptieren.

Von verhinderten Träumen und abgeschlossener Familienplanung
Von verhinderten Träumen und abgeschlossener Familienplanung
© Unsplash/ Isaac Del Toro

Abgeschlossene Familienplanung? Sehr zum Leidwesen von Töchterchen

Unsere Tochter hätte nämlich gegen ein – gerne auch zwei, drei, vier oder fünf – Geschwisterchen absolut nichts einzuwenden. Im Gegenteil! Dass sich der Kindersegen im Hause Kirschbaum auf bloß zwei „mickrige“ (ihre Worte!) Stück beschränkt, passt ihr so gar nicht. Wir sollen da gefälligst nicht so kleinlich sein. Das Grobe (Wickeln, Füttern, ins Bettchen bringen) erledigt ohnehin sie. Wir wären wirklich nur für die Produktion zuständig. So schwierig kann das mit einem Baby ja wohl nicht sein (wenn du wüsstest, Kind…), so die Annahme.

„Ums Baby kümmern? Mach ich!“

Wenn ich dann schweigend auf die verdursteten, verdorrten und kümmerlichen Pflanzen deute, die SIE sich beim Gärtner eingebildet hat und um die SIE sich auch ganz bestimmt kümmern wollte (zum Glück haben wir keine Haustiere), ernte ich bloß verständnisloses Kopfschütteln. „Aber Mama, mit einem Baby wäre das ganz anders. GANZ anders! Da würde ich mich kümmern. WIRKLICH!“ Na dann… Dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

Leider Gottes gibt sich Töchterchen mit einem NEIN nicht so leicht zufrieden. Das liegt wahrscheinlich an der sehr willensstarken Natur jüngerer Geschwister. Ein NEIN ist eben absolut kein Grund, mit dem drängenden Wunsch nach Brüderchen oder Schwesterchen nicht zumindest zwei bis drei Mal in der Woche um die Ecke zu kommen. Durchhaltevermögen hat sie, das muss man ihr lassen!

„Warum kann ich kein Geschwisterchen haben?“

Blöderweise explodiert in unserem Umfeld seit kurzem der sprichwörtliche Geschwistersegen. Und wenn Freunde, Cousine und Nachbarsmädel doch auch kleine Geschwisterchen bekommen, wieso zum Teufel Töchterchen nicht? Das ist doch auch wirklich nicht fair! Hart ist das Leben, aber ungerecht…

Die Argumente gehen ihr leider auch nicht aus: „Aber Mama, DU hast doch auch drei Geschwister!“ (Ja, und ich weiß bis heute nicht, wie meine Eltern das nervlich und finanziell gestemmt haben) Selbst der Bruder, der es mit der Logik von 1,5 Jahren mehr Lebenserfahrung probiert („So toll ist das echt nicht! Viel Geschrei und weniger Platz und Spielsachen für uns!“), beißt auf Granit. Ein kleines Geschwisterchen wäre eben toll – basta! Sie würde es hegen, pflegen und ihm alles Wichtige beibringen. Einbußen in Kauf zu nehmen wäre da kein Problem. Echt nicht!

Familienplanung liegt bei Mama und Papa

Zugegeben, sie wäre vermutlich eine grandiose große Schwester. Ich sehe ja, wie toll sie mit Kleineren umgeht. Aber die letztendliche Entscheidung, die liegt nun mal bei den Eltern, nicht bei den Kindern. Und für Mama und Papa ist der Baby-Zug eben abgefahren! Viel zu sehr haben wir uns mittlerweile wieder in unserem Leben mit Kindern, die uns immer weniger brauchen, eingerichtet. Familienplanung ist fix abgeschlossen, Geschwisterwunsch hin oder her. So ehrlich müssen wir sein!

So ganz vom Tisch ist das Thema für Töchterchen aber wohl noch länger nicht, wenngleich sie mittlerweile schon etwas seltener davon spricht. Da hat sie wohl unbewusst begriffen, dass Familienplanung Sache der Eltern ist, nicht die der Kinder!