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„Mama, ich will keine Hausaufgaben machen!“

Symbolbild: Mama und Sohn machen Hausaufgaben
Was uns hilft? Entspannung und Geduld!
© Pexels / Andrea Piacquadio

Es gibt einfach Tage, an denen ist die Laune im Keller, nichts macht Spaß und es heißt nur noch Augen zu und durch. Unsere Autorin Anja weiß: Das geht nicht nur uns Erwachsenen so. Auch Kinder haben manchmal „null Bock“ und überhaupt keinen Elan. So schaffen es ihre beiden Grundschuljungs – ein Erst- und ein Viertklässler – und sie (meist) trotzdem, sich durch den Hausaufgabenberg zu quälen.

Genauso anstrengend wie ein Arbeitstag

„Mamaaa, ich will heute keine Hausaufgaben machen!“ Mein sechsjähriger Erstklässler kommt mittags nach der Schule zur Tür herein und stöhnt inbrünstig diesen Satz heraus. Wirklich so richtig schön theatralisch-demotiviert. Sein neunjähriger Bruder schweigt. Auch er sieht etwas müde und genervt aus. Ich verstehe die beiden, den ganzen Vormittag lang waren sie in der Schule; hier standen vor allem Lernen und Lärm auf der Tagesordnung – ganz schön anstrengend für die Zwerge.

Keinen „Bock“ auf Hausaufgaben

Das Mittagessen steht auf dem Tisch. Immerhin gibt es eines der absoluten Lieblingsessen der Kinder: Tortellini mit Rahmspinat und Fisch. K. und P. hauen kräftig rein, die Stille wird nur durch das Klappern und Klirren von Besteck, Tellern und Wassergläsern unterbrochen. Doch die Ruhe hält nicht lang an. Es geht wieder los: „Mama, ich hab keinen Bock auf Hausaufgaben.“ Diesmal ist es mein Viertklässler, der sich maulend über die schulischen Pflichten daheim beschwert …

Erst mal „chillen“

P. schlägt vor, erst einmal etwas anderes zu tun. Abstand gewinnen? Gute Idee. Basteln oder malen oder so? „Ja Mama, lass erst mal chillen.“ Ich muss grinsen. Wann ist der Kerl eigentlich so groß geworden? Irgendwie geht das wirklich ganz schön schnell … Wir starten mit ein paar Basteleien und gönnen uns dazu ein Hörbuch: „Die unendliche Geschichte“. Wunderbar. Ich vergesse zu schneiden und zu zeichnen, schaue aus dem Fenster, träume vor mich hin und schaue den Blättern beim Segeln auf die Wiese und die Dächer in der Ferne zu … Mein Herz wird weit. Ich bin gerade wirklich sehr zufrieden. Meine Söhne scheinen es auch zu sein.

Jetzt geht’s lohos …

So langsam aber drängt die Zeit. Es dämmert sogar schon. Mist. „Jetzt sollten wir aber so langsam mal mit den Hausaufgaben starten“. Ich. Ein Murren. „Och Maaann …“ K. „Passt mal auf“, höre ich mich sagen, „ich habe eine Idee.“ Neugierige, hoffnungsfrohe Kinderaugen. Ob sie um die Aufgaben herumkommen werden? „Ich mache uns was Schönes zu essen, Motivationsfutter!“ Okay, das war vielleicht nicht ganz das, was die Knirpse jetzt erwartet hatten, aber ich sehe: Das könnte wohl klappen. Leckereien gehen immer.

Ich beauftrage die Kinder, doch schon mal ihre Hefte, Bücher und Federmappen bereit zu legen, während ich Apfelschnitze schneide, sie hübsch auf einem Teller drapiere und sie um Gurkenscheiben, Salzstangen und ein paar Gummibärchen ergänze. Sieht ganz schön aus. Grün, Gelb, Orange, Braun … Ach, im Kühlschrank habe ich noch Heidelbeeren. Blau.

Schritt für Schritt

Die heutige Aufgabe für K.: Zahlen schreiben. Mein Erstklässler jammert bereits nach acht Neunen … Puh. Das ist aber auch eine stumpfe Aufgabe. Ich erinnere mich daran, dass mein Viertklässler das damals auch öde fand … Der ruft plötzlich: „Mama, ich kenn ein witziges Lied aus der Schule!“ Ach ja? Lass mal hören. „Mathe ist ein Aaarsch für mich, ich check die Zaaahlen nich …!“ Wow, das kannte ich tatsächlich noch nicht … Wir lachen alle, und dann geht es weiter mit dem Zahlenschreiben, Rechnen und Schreiben. Schritt für Schritt zum Ziel. Auch kleine Konzentrationsübungen für Kinder können helfen.

Was jetzt? Abwarten – und Kerzen anzünden

„Boah, Mama, ist das laaangweilig!“ Schon wieder K. „Ich will nich mehr!“ Und während ich nachdenke, wie wir den Kram jetzt schnellstmöglich, aber konzentriert hinter uns bringen, zünde ich ein paar Kerzen an. Vielleicht kommt mir ja dabei der zündende Einfall … „Mama, ich mach das jetzt so“, schlägt das kleinere Kind plötzlich vor. „Ich schreibe immer fünf Zahlen, und dann nasche ich ein Äpfelchen oder ein Gummibärchen!“ P. strahlt, „Gute Idee, Bruder! Und ich ein Breeezelchen!“ Bravo, jetzt haben es die beiden Schulkinder doch tatsächlich geschafft, sich selbst zu motivieren.

So harmonisch geht es bei uns natürlich nicht immer zu. Manchmal komme ich ehrlich gesagt ganz schön ins Schwitzen. Ihr kennt das. Aber meist gelingt es uns, mit Kreativität und der guten alten „German Gemütlichkeit“ durch – bisweilen wirklich unangenehme – Hausaufgaben zu kommen.

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