Ich hatte keine Zeit für das Wochenbett

Gestresste Mama mit Augenringen
Wo war die magische Neugeborenen-Zeit?
© Pexels / Polina Zimmerman

Ganz in Ruhe im Bett kuscheln, einander kennenlernen und als frischgebackene Eltern in der Neugeborenen-Bubble verschwinden? Diese Idealvorstellung hat mit Nadjas Erfahrung nichts zu tun. Was in der ersten Lebenswoche schon alles los war und warum sie es nie mehr so machen würde.

Irgendwie lief es bei mir ganz anders

Meine Tochter ist jetzt fast 6 Jahre alt. Die Geburt liegt somit schon eine ganze Weile zurück. In letzter Zeit höre ich aber von vielen Leuten, die schwanger sind oder waren und dann über das Wochenbett berichten. Sei es im privaten Umfeld oder in den sozialen Medien. Und da begegnen mir Mütter, die die ersten 4 bis 6 Wochen nach der Geburt nur auf der Couch oder dem Bett verbracht haben.

Klar geht das in dieser ausgeprägten Form nur mit dem ersten Kind. Sobald man das zweite, dritte, x-te Kind bekommt, wollen die älteren Geschwisterkinder ja auch bespaßt werden. Aber alleine die Tatasche, dass Mama und Baby die erste vier Wochen im Bett chillen, lässt mich über meine eigene Zeit nach der Geburt nachdenken.

Vom Krankenhaus direkt zu den Schwiegereltern

Ich hatte einen Kaiserschnitt und kam deshalb erst vier Tage nach der Geburt aus dem Krankenhaus. Meine körperliche Verfassung war, dafür das ich vor vier Tagen aufgeschnitten wurde, eigentlich ganz gut. Es war ein Sonntag und wir gingen direkt vom Krankenhaus aus zu meinem Schwiegervater einen Braten essen. Uff. Wieso nur?

Dauer-Bespaßung ab Tag 1

Endlich zu Hause angekommen, mussten wir uns natürlich erst eingewöhnen und einen bestimmten Rhythmus entwickeln. Es war tatsächlich so, dass ab Tag 1 als wir zu Hause waren, ständig Leute vor der Tür standen. Ob angekündigt oder unangekündigt. Total egal. Jeder wollte das Baby sehen (normal, oder?). Keine Ahnung wie viele Menschen wir in den ersten zwei Wochen durch unser Haus geschleust haben, aber es waren unfassbar viele. Ich hatte keine ruhige Minute auf der Couch. Ich kochte Kaffee, servierte Getränke, während mein Mann für Essen oder zumindest Kuchen oder Häppchen sorgte und das jeden Tag in der ersten Woche.

Ähm hallo? In jedem Ratgeber steht, dass der Besuch bei Neugeborenen versuchen soll, den frisch gebackenen Eltern keine Arbeit zu machen. Dass sie am besten schon etwas zu Essen mitbringen. Dass die jungen Eltern keine Arbeit hatten. Unser Besuch hat davon offenbar noch nie was gehört. Jetzt im Nachhinein muss ich fast schon etwas darüber lachen.

Die erste Reise nach einer Woche

Mein Baby war gerade eine Woche alt, da hatte meine Mutter ihren 60. Geburtstag. Natürlich standen wir da zu dritt auf der großen Party und feierten mit. Von Wochenbett und ausruhen keine Spur. Ich stand den ganzen Tag parat und mein Baby war natürlich Gesprächsthema Nummer 1. Und 10 Tage nach der Geburt meldete sich die Oma meines Mannes. Die nicht mehr so mobil war, aber natürlich unbedingt das Baby kennenlernen wollte. Sie wohnte etwas weiter weg von uns.

Kaum angesprochen, machten wir uns natürlich auf die Reise zur Oma um dem ältesten Familienmitglied, das Jüngste vorzustellen.

Hier wurden wir zwar herzlich begrüßt und umsorgt. Aber auch in dieser Situation hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass mich die 88-jährige Oma meines Mannes, die selbst körperlich in keiner guten Verfassung war, uns umsorgen wollte. Sodass es dazu kam, dass wir ihr auch einiges abgenommen haben. Wie war das nochmal mit dem Wochenbett?

Tatsächlich war es so, dass die ersten vier Wochen so abliefen. Dann musste mein Mann wieder arbeiten. Er hatte gerade erst einen neuen Job angenommen. Wir waren froh, dass er gleich nach der Geburt den ersten Monat Elternzeit nehmen konnte. Und für mich war die Chance auf Wochenbett und Erholung nach diesen vier Wochen endgültig gestrichen. Ich war alleine mit dem Baby und musste den Alltag irgendwie wuppen. Nix da mit chillen im Wochenbett. Ich hatte nach wie vor noch Schmerzen vom Kaiserschnitt und konnte nur schwer die Babyschale samt Baby hochheben. Aber es half ja alles nichts.

Damals war das für mich irgendwie normal. Aber jetzt so im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir tatsächlich ein wenig mehr Ruhe und Entspannung gewünscht. Andererseits denke ich mir, dass das ohnehin nur beim ersten Kind so ausgeprägt stattfinden kann. Wenn noch weitere Kinder da sind, kann die Mama sicherlich auch keine 4 Wochen im Bett verbringen.