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Hilfe, ich bekomme kein Frühstück in mein Kind hinein!

vonDaniela Kirschbaum

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages – kennt man ja, die altbekannte Weisheit. Für Kinder ist ein kulinarisch ausgewogener Start in den Tag überhaupt das A&O. So zumindest die Überzeugung unserer Mama und Autorin Daniela Kirschbaum. Zu ihrem Leidwesen sieht das ihre Tochter völlig anders!

vonDaniela Kirschbaum
©Pexels/Tatiana Twinslol

Von Vorbildern und anderen Illusionen

Mein Töchterchen ist das perfekte Beispiel dafür, dass so mancher guter Erziehungsansatz auf unfruchtbaren Boden fällt und dort jämmerlich vertrocknet. Wer denkt, gute Vorbildfunktion ist alles, der hat wahrscheinlich keine Kinder. Oder aber solche, die nur wenig Eigensinn mitbringen.

Die Hälfte meines Nachwuchses (ergo: Töchterchen) fährt da eine individuelle Strategie: Das Leben ist dazu da, sein eigenes Ding zu machen und Vorbilder können ihr gar nichts, auch wenn sie noch so gut (gemeint) sind…

Grundsätzlich ist das ja ein ganz feiner Charakterzug (fürs spätere Leben und so…), als Elternteil aber leider mühsam hoch drei. Vor allem, wenn man selbst gewisse Maßstäbe hat – gesunde Ernährung zum Beispiel.

Da lebt man seinem lieben Nachwuchs von klein auf das richtige Maß an Nährstoffen vor, schnitzt Obst- und Gemüse zu ansehnlichen Kunstwerken, vermeidet stoisch Zuckerzusätze und Fertiggerichte und trotzdem kommt er…der Tag, an dem die knapp 2-Jährige – allem guten Vorbild zum Trotz – liebevoll dekorierte Paprika-Schiffchen zur Seite fegt und lautstark „Laaaattteeeee haaaaben!“ (Schokolade haben) fordert.

In den letzten sieben Jahren hat sich dahingehend erstaunlich wenig verändert. Töchterchen ist eine Naschkatze geblieben. Gesunde Ernährung ist eher nicht so ihr Ding. Für sie fällt Schokolade unter „Alles, was der Körper braucht“.

Mit vielen (lautstarken) Diskussionen, zähneknirschender Einsicht und so manchen Tricks und Kniffen lässt sie sich auf eine halbwegs gesunde Ernährung ein. Nicht ohne ab und zu zu erwähnen, dass ich voll übertreibe. Aber das Frühstück, das war ein harter Kampf…

Essen am Morgen macht Kummer und Sorgen

Ich finde Frühstück wichtig, meine Tochter nicht. Sie ist aber durchaus zu Kompromissen bereit. Ein Brot, dick mit Nutella bestrichen, würde sie schon essen… Oder zur Not auch eine kleine Packung Schokokekse. Wenn alle ernährungstechnischen Stricke reißen, wäre auch eine Schüssel mit M&Ms okay. Da sind Erdnüsse drin. Die sind gesund. Was will Mama also mehr?

Nicht unschwer zu erkennen, dass unsere Vorstellungen von einem gesunden Start in den Tag ein wenig auseinanderdriften. Während bei vielen Familien morgens Harmonie pur herrscht, giften Töchterchen und ich uns an, während Söhnchen grinsend seinen Haferbrei in sich hinein löffelt (gutes Kind) und der Lieblingsmann sich zur Sicherheit im Bad verbarrikadiert. Es kann nämlich relativ laut werden, wenn wir angeregt darüber diskutieren, wie ein ausgewogenes Frühstück aussehen könnte…

Viele dieser Tage endeten damit, dass Töchterchen jegliches Frühstück verweigerte und wutentbrannt mit leerem Magen aus dem Haus stapfte. Das ist dann durchaus suboptimal. Bis zur ersten Jausenpause fließt nämlich einiges an Wasser die Donau hinunter.

Das arme Kind, es verhungert doch!

Leider ist Töchterchens leerer Magen bis zur Jausenpause tatsächlich ein ernsthaftes Problem, wie die Schule mitteilte. Das arme Kind habe sooolchen Hunger, man möge doch bitte darauf achten, dass es frühstückt. Mein halbverhungertes Kind – an Dramaturgie manchmal nicht zu überbieten – meinte sogar, ihr armer Magen knurrt mitunter so laut, dass sich in der ganzen Klasse niemand mehr konzentrieren kann.

Gut, daran muss man natürlich etwas ändern. Wie kommen denn die Klassenkameraden dazu, schlechtere Noten zu schreiben, nur weil meine Tochter nicht frühstückt… Geht gar nicht! Der Magen muss also gefüllt werden, um ihn zu besänftigen. Das Grundproblem haben wir mit dieser Erkenntnis aber leider nicht gelöst.

: gemeinsam Essen

Im Gegenteil, es geht alles zurück zum Anfang: Während Töchterchen ihren Magen gerne mit Nutellabrot und Keksen besänftigen möchte, fände ich Haferbrei oder Vollkornbrot mit Gemüse gut…

Ausgewogen? Geht eigentlich anders!

Damit muss ein Kompromiss her. Das bedeutet, dass EIGENTLICH niemand von uns beiden so richtig zufrieden ist, wir aber beide in den sauren Apfel (um beim Thema zu bleiben ;)) beißen, einen Schritt auf den anderen zumachen und alles ist gut.

In Wirklichkeit bedeutet es: Der Magen wird mit Ach und Krach mit Kompromiss-Lebensmitteln gefüllt, damit das Kind irgendwie bis zur Jausenpause (die ist GESUND – in der Schule klappt das lustigerweise ohne Diskussionen) kommt und der Magen Ruhe gibt. Schule zufrieden, alle zufrieden…

Also einigen wir uns auf Nutellabrot – dünn bestrichen (Mama knirscht mit den Zähnen) UND Haferbrei – kleine Portion (Kind knirscht…). Oder: Drei Schokokekse UND eine Banane. Oder: Ungesundes Joghurt (das mit mehr Zucker als Joghurt und irgendeiner Comicfigur drauf) UND Vollkornbrot.

„Chill, Mama! Alles gut…“

Das klappt erstaunlich gut. Vielleicht sind wir aber mittlerweile auch einfach beide zu müde (und hungrig ;)), um zu kämpfen. Und wenn Töchterchen das Haus verlässt, eine Nutella-Spur auf der Wange und grinsend meint: „Chill, Mama! War eh fünfzig Prozent gesund!“ gratuliere ich mir weniger zu meinen Erziehungs- oder Vorbildkünsten, sondern eher zu diesem willensstarken Kind…

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