„Mama, so gehen Sexgeräusche!“ – Wie ich mein Kind über Pornografie aufkläre

Mama und Sohn sitzen mit Tablet auf dem Sofa
Als Jungsmama kommen zu dem Thema Fragen über Fragen...
© Pexels / Julia M Camero

Unsere Autorin Anja ist Mutter zweier Jungs im Grundschulalter: Einer ist knapp sieben Jahre alt, der andere fast zehn. Ihr Viertklässler beendete kürzlich mit einer „Eins Minus“ das Sachunterrichtsthema „Sexualkunde“ – und seine Mama ist froh, dass er hochinteressiert so viel fragt – und so viel dazu sagt. Anja findet nämlich: Die Aufklärung über Sexualität (und Internet-Inhalte) ist „so eine Art Menschenrecht“ und muss so früh wie möglich erfolgen. Sie sagt: „Traut euch, redet mit euren Kids über Pornos!“.

Sexualkunde? Habe ich lieber ausgelagert!

Ich bin froh, dass mein bald Zehnjähriger „schon“ in der vierten Klasse bereits seinen Sexualkundeunterricht „erfolgreich“ hinter sich bringen konnte. Er ist zwar bereits seit einiger Zeit aufgeklärt, aber seine Fragen rund um die Themen Sex, Schwangerschaft und Geburt häuften sich schon vorher, und ich war irgendwann froh, das an die Schule „ausgelagert“ zu wissen (leider tun das noch längst nicht alle Institutionen). Warum ich froh bin? Okay. Also ich denke, ich brauche nur mal einen kleinen Teil seiner zahlreichen Fragen zu nennen. Haltet euch fest.

Fragen über Fragen!

„Mama, hast Du noch Sex mit Papa? Wie oft macht ihr das so? Und wann tut ihr es? Wenn wir schlafen? Müsst ihr dann leise sein? Wo? Immer im Bett? Wie oft hattest Du schon Sex, Mama? Hattest Du schon mit anderen Männern Sex, Mami? Hattest Du schon mal mit einer anderen Frau Sex?? Und last, but noch least: Muss man beim Sex immer zum Arzt? Tut das nicht weh??
Puh. Ich sage euch: Da raucht einem irgendwann der Schädel, da klingeln die Ohren, da klappt der Unterkiefer herunter … (Ja, selbst dann, wenn man Sex ganz gern praktiziert.)

Wie dem auch sei: P.s „Sexualkundelehrerin“ bin ich jedenfalls dankbar, dass sie mir da was abgenommen hat. Und sie hat das bestimmt ganz toll gemacht. Ich kenne die junge Frau, sie ist Mitte Dreißig, noch kinderlos, locker, offen, aufgeschlossen und authentisch. Genau das Richtige bei so einem Thema, finde ich.

„Mama, so gehen Sexgeräusche“

Ich bin Autorin und Journalistin und interessiere mich – ganz breit gefächert – für das Thema Psychologie. Im Grunde für fast alles damit im Zusammenhang stehende, so auch für psychische Störungen und … Süchte. Ich habe da einen Bekannten, der ist pornosüchtig. Und ich habe zwei Jungs im Grundschulalter. Und dann ist da noch dieses mächtige „Orakel“, das „allwissende Internet“. Und soeben kommt mein bald Zehnjähriger und macht „Sexgeräusche“. Wo er die herhat, will ich wissen? Aus der Schule, sagt er feixend. Ihr ahnt, was jetzt kommt oder? „Das klingt ja wie aus einem Porno.“ Sage ich. „Was ist ein Porno?“ Fragt er …

Wie du mit deinen Kindern ganz allgemein über das Thema Sex und Aufklärung sprechen kannst, liest du hier.

Ich muss es ihm sagen …

Ich habe Angst. Davor, dass einer meiner Jungs – oder beide – durch seine Kumpels oder Kumpelinen ungefiltert mit dem Thema Porno in Berührung kommt. Angst davor, dass einer von ihnen noch vor den ersten Begegnungen mit „realem Sex“ und „echten Mädchen“ regelmäßig „solche Filme“ sieht, sich eine „falsche Technik“ (ihr wisst schon) angewöhnt und denkt: So müssen Frauen aussehen, das und das lieben sie, so macht man das mit dem Sex, Gewalt gehört offenbar dazu. Und dann am Ende? Sich eventuell so richtig wundern, warum das dann mit einer Frau aus Fleisch und Blut (statt aus Pixeln) so ganz anders (schlimmstenfalls gar nicht) läuft …

Ich würde gern weiter ausholen, weiter ausführen, aber ihr wisst ja: Dies ist nur eine Kolumne … P. hat noch kein Handy, das soll auch noch eine Weile so bleiben. Aber … Ich muss es ihm erklären, besser heute als morgen, denn eines Tages wird er – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – an derartige Inhalten kommen, die ihn verstören könnten. Und vielleicht wird er durch unser Gespräch besser einordnen können, was er da sieht, beziehungsweise gesehen hat. Ich kann es nur hoffen.

„Schön ist, was gut tut und echt ist“

Ich mache das jetzt, beschließe ich. Und rede abends vor dem Einschlafen mit meinem Kind über Internet-Pornos. Was für Bilder und Filme das sind, erkläre ich ihm. Was sie aussagen können, was sie anrichten können, dass Porno „nicht gleich Norm“ ist. Ich rede mit ihm über das – zumeist fragwürdige – Menschen- und vor allem Frauenbild in Porno-Clips. Und so weiter …

Vor allem aber sage ich, dass ich mir sehr von ihm wünsche, dass er bitte mit mir redet, wenn ihm einmal so ein Video „in die Hände“ gelangt. „Mama, na klar, das mache ich.“ Sagt mein Junge und kuschelt sich an mich. „Ich mache so was eh nie.“ Was denn, frage ich. „Na Sex. Das ist eklig.“ Ich erwidere: „Du wirst sehen, wie schön der sein kann und wird. Wenn er real und echt ist und er für beide Liebende toll ist.“

P. verzieht das Gesicht. „Näh, ich mach sowas nicht, wirklich nicht!“ Na ja, denke ich insgeheim, wir werden sehen. Und ich hoffe so sehr, mein Kleiner, dass Du zu mir kommen und mit mir reden wirst, wenn es soweit ist.