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Kinderserien – Waren Bibi und Tina immer schon schrecklich?

© pexels / Ksenia Chernaya

Kinder lieben Wiederholungen und freuen sich bei Büchern und beim Fernsehen über die gleichen Helden. Einige meiner persönlichen Kindheitshelden treffe ich dabei wieder und selten ist das Wiedersehen eine Freude.

Bobo Siebenschläfer – Ist Kichern wirklich die Antwort auf alles?

Aus der Toniebox der Krippe siedelte Bobo Siebenschläfer zu uns ins Haus. Grenzdebil kichert sich dieses Lebewesen durch all seine „Abenteuer“. Es passiert rein gar nichts und irgendwann bekommt Bobo einen Lachanfall.

Gegen Lachen habe ich nichts, aber der Sinn dieser ganzen Serie erschließt sich mir nicht. Mir bereitet Bobo auch keine gute Laune. Die Bücher lassen sich weder gut vorlesen noch glänzen sie durch schöne Illustrationen.

Leo Lausemaus – Langweiler im Mausekostüm

Ähnlich – nur ohne Kichern und mit einer gewissen Handlung – verhält es sich mit Leo Lausemaus. Die Serie folgt dem klassischen Aufbau – es gibt ein Problem und Leo findet mit Hilfe eine Lösung.

Nebenbei trägt Mutti ein schönes Kleid mit Taille und Papi Lausemaus ist doppelt so groß wie Mutti.

Immerhin geht Mutti arbeiten und bringt das leckere Abendbrot auf dem Tisch.

Connie – Wer will schon einen lebenden Zeigefinger als Freundin?

Connie mit der Schleife im Haar ist ein pädagogisch wertvolles Gesamtkunstwerk. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass sie der Fantasie einer einzelnen Person entsprungen ist. Dieser lebende Zeigefinger, diese Ausgeburt an Wohlbenehmen muss ein Marketingstunt sein.

: Bedenkenlos Fernsehen

Ich stelle mir vor, wie die (kinderlose) Marketingabteilung zusammenkommt und sich überlegt, ihre Ratgeberliteratur praktisch zu nutzen. „Was haltet ihr davon, wenn wir diese wertvollen Tipps für Eltern in eine Kinderserie packen?“

„Oh ja. Wir schreiben eine Reihe rund um eine Familie mit einem Mädchen. Die Eltern bleiben in allen Situationen ruhig.“ „Und das Mädchen probiert ein bisschen was aus, aber ist nicht zu frech.“

„Sie braucht unbedingt ein Markenzeichen.“ „Eine Schleife wäre süß.“ „Und ein Ringelshirt.“ „Prima Idee. Und die Familie heißt Klawitter. Wie Gewitter aber eben nicht, weil dort immer alles so klar ist.“

Die brave angepasste Connie als Vorbild macht mich persönlich traurig. Freche Kinder sind eine Herausforderung, aber ein innerer Kompass ist wertvoll. Den finden Kinder aber nur, wenn sie sich ausprobieren und ihre individuellen Grenzen ausloten dürfen. Während die braven und angepassten Kinder immer nach außen schauen müssen, um sich zu orientieren.

: Wann ist mein Kind bereit dafür?

Bibi und Tina – Warum ist alles so schwierig?

Tochter 1 entdeckte vor einem Jahr Bibi und Tina. Seitdem klappern bei uns die Hufen durch das Haus, die Fahrräder und Laufräder haben Namen und es ist eigentlich charmant. Wenn da nicht die Hörbücher wären. Tina hat gefühlt in jeder Folge entweder einen riesigen Streit mit Alexander oder ein Problem mit ihm und seiner Familie.

Entstehen so die Frauen, die es nicht aushalten, wenn in einer Beziehung nicht hinter jeder Ecke ein Problem lauert?

Ganz zu schweigen von dem Minderwertigkeitskomplex wegen der finanziellen Situation (die beim Grafen auch nicht rosig ist, wie oft betont wird). In der TV-Serie ist der Komplex sogar vererbt, da erst die „Freundschaft“ zwischen Tinas Mutter und Alexanders Vater von dessen Vater wegen Standesdünkeln unterbunden wurde.

Die Beziehung zwischen Alexander und Tina steht der Freundschaft von Bibi und Tina nicht im Weg. Es wird betont, dass die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen wichtig ist. Lernt jedoch Bibi einen interessanten Jungen kennen, führt das durchaus zu Streitigkeiten und Eifersüchteleien zwischen den Mädchen. Ist das die Lebensrealität von Mädchen?

: Mama Daniela erzählt

Irgendwie möchte ich das immer gar nicht glauben und es fühlt sich in meiner Erinnerung minimal komplexer an. Auch wenn die ersten großen Lieben tatsächlich viele Freundschaften zumindest kurzfristig auf ein Abstellgleis gebracht haben.

Meinen Töchtern würde ich gerne eine Serie an die Hand geben, die ihnen zeigt, wie wichtig Freundschaften sind und dass ihre Haltbarkeit häufig die von romantischen Beziehungen übersteigt.

Paw Patrol – Kein Einsatz zu groß

Die neuesten Favoriten sind bei uns die Fellfreunde. Die Freunde von der Abenteuerbucht werfen bei mir einige Fragen auf: Warum sind alle Hunde gleich groß, obwohl sie doch offensichtlich unterschiedliche Hunderassen verkörpern sollen? Wer kümmert sich um Ryder? Wie konnte ein zehnjähriger (!) Junge all das aufbauen? Wie finden sich die Hunde von der Paw Patrol?

Bei meinen Kindern gibt es keine Fragen zu der Paw Patrol. Sie schmettern das Lied voller Inbrunst und rufen „Ryder braucht uns.“, bevor sie unsere Treppe stürmen. Sie erklären sich in den Spielen liebevoll, dass es ok ist, Angst zu haben und dass jeder etwas kann.

So sehr mich also die Aufmachung nervt und mich das Setting irritiert, die Botschaften mag ich.

Alle Freunde sind gleichwertig und stehen füreinander ein. In den Unterschieden der Hunde liegen ihre Stärken und gemeinsam sind sie am besten. Wenn einer Angst hat, ist das immer ok und er wird unterstützt.

Botschaften statt Künstel-Pädagogik

Bei Kinderserien wünsche ich mir, dass sie liebevoll gemacht sind und starke Botschaften haben. Sie sind Futter für die Kinder und sollten kein Schlag mit der pädagogischen Keule sein. Die Botschaft meiner Lieblingskinderheldin ist noch immer aktuell: „Sei frech und wild und wunderbar.“ Bitte sei keine Connie.

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