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Kochen mit Kindern – Vier Anekdoten aus kulinarischen Jahren

© Pexels / Elina Fairytale

Die meisten Kinder lieben es, zu kochen. Da bildet auch der Nachwuchs unserer Autorin Daniela Kirschbaum keine Ausnahme. Die besten vier Erlebnisse – „frisch aus der Küche“ sozusagen – möchte sie mit uns teilen.

# 1: Der verliebte Koch

Die erste Anekdote ist noch gar nicht so lange her. Söhnchen hat dieses Jahr die Schule gewechselt und wollte zum ersten Mal einen neuen Freund mitbringen. Da wir ja in etwas geschlittert sind, das sich Pandemie schimpft, ist es an dieser Stelle natürlich sinnvoll zu erwähnen, dass der Freund in den Garten eingeladen wurde. Persönliche Kontakte in Innenräumen sind ja momentan so eine Sache…

Wie auch immer… Der Besuch des Freundes kündigte sich an. Sohn hatte den Gartentisch fast so etwas wie dekoriert (er hat ein paar Steine, Äste und verwelkte Blumen schön drapiert) und nun fehlte nur noch ein selbstgebackener Kuchen! Nachdem Söhnchen schon länger unter den Hobbyköchen und -konditoren weilt, war es Ehrensache, dass das Kuchenbacken für den Freundesbesuch in sein Ressort fällt.

Zum Großteil jedenfalls: Kind ist für das Zusammenrühren der Zutaten zuständig, Mama bedient den Herd – sicher ist sicher! Es wurde also gerührt, in die Backform gefüllt, Mama gerufen und ein Stündchen später war nicht nur der Kuchen fertig, der neue Freund stand ebenfalls auf der Matte.

: Das Auge isst mit

Nach ein paar Runden Fußball, Fahrrad fahren und Federball war der Hunger dann groß genug, den Kuchen zu kredenzen. Söhnchens Freund nahm einen Bissen, setzte einen denkwürdigen Blick auf, würgte das Stück runter und sagte – nichts! (Höflicher Junge…)

„Schmeckt‘s?“, fragte mein eigenes Kind grinsend. „Hab ich selbst gemacht!“ Dann nahm er einen riesigen Bissen, den er mit großen Augen postwendend in seine Tischdeko spuckte.

Langer Rede, kurzer Sinn: Söhnchen hatte Zucker mit Salz verwechselt (die Grundnahrungsmittel sind bei uns in Glasbehälter umgefüllt und Schusselkind hat nicht richtig geschaut, was er da in den Teig schüttet)!

Nach gefühlten 1,5 Litern Flüssigkeitsaufnahme fanden es dann übrigens alle Beteiligten lustig.

Als Entschädigung für den verpatzten Kuchen holten sich Söhnchen plus Freund dann einfach im Supermarkt ein Eis. Das war dann auch wirklich süß!

: Für die kindliche Entwicklung

# 2: „Schmeckt‘s?“

Nie werde ich den Muttertag vor ein paar Jahren vergessen, als meine beiden Kinder (noch klein und unschuldig) mit einem Schüsselchen in den Händen und dem Papa im Hintergrund vor dem Bett standen. Sie hatten mir in aller Herrgottsfrühe einen Pudding zusammengerührt. „Seeeebst gemaaaacht!“, wie Töchterchen stolz verkündete.

In böser Vorahnung nahm ich das Schüsselchen entgegen (ich kenne die Kochkünste meines Mannes und die Kinder waren noch zu klein, um das zu kompensieren)…

Da schwammen in einer undefinierbaren Fettsauce ebenso undefinierbare Klümpchen.

Das „Kunstwerk“ war teilweise von dicker Haut überzogen. Mir drehte sich ein wenig der Magen um (habe da ein Oma-Trauma aus meiner Kindheit, das auch mit Pudding und Haut zu tun hat), was ich natürlich geschickt zu verbergen versuchte…

: Kinder richtig versorgen

Zwei kleine Augenpaare schauten mich erwartungsvoll an. Widerstand zwecklos! Sie hatten sich doch so viel Mühe gegeben und den Teufelspudding im Schüsselchen „seeeebst gemaaaacht“. Da musste ich durch! Ich würgte also todesmutig ein Löffelchen hinunter und verdrehte die Augen in Verzweif… ähm … Verzückung!

Nachdem der Pudding SOOO GUUUT schmeckte, hab ich mir den Rest für später aufgehoben und irgendwann klammheimlich weggeschüttet. Seitdem gibt es eine unausgesprochene Regel im Hause Kirschbaum: Am Muttertag bitte nur noch SelbstGEKAUFTES!

# 3: Das vegetarische Sandwich

Söhnchen ist schon seit vielen Jahren Vegetarier und nimmt das sehr ernst. Etwas skeptisch fragt er daher stets nach, wenn ihm jemand etwas zum Essen kredenzt. Zuletzt wollte ihm sein Schwesterchen eine Freude in Form eines „Super-Dupa-Spezialsandwiches“ machen.

: Essgewohnheiten bei Familie Kirschbaum

In so ein Ding schmeißt man einfach alles rein, was der Kühlschrank zu bieten hat. Tatsächlich freute sich der große Bruder, als das Meisterwerk auf seinem Teller lag. Es strotzte vor Zutaten, schwamm in Ketchup und bot einen Anblick, den nur Kinder mögen…

„Ist da eh kein Fleisch drin?“, bohrte Söhnchen sicherheitshalber nach.
„NATÜRLICH NICHT!“ (entrüstet)
– Sohn beißt herzhaft zu –
„Nur Speck!“

# 4: „Haben wir eigentlich einen Feuerlöscher?“

Man nehme ein Rezept, bei dem man Schokolade schmelzen muss und ein Kind, das das in der Mikrowelle erledigen möchte. Gesagt, getan! Bei uns gibt es die Regel, dass die Kinder die Mikrowelle bedienen dürfen und Mama oder Papa das aufgewärmte Innenleben dann herausholen. Ich weiß nicht mehr, was ich gemacht habe, aber ich hatte den Blick jedenfalls nicht bei Töchterchen, die die Schokolade in einem Schüsselchen in die Mikrowelle stellte. Sonst hätte ich nämlich bestimmt gesehen, dass das Schüsselchen aus Plastik war…

Die Betonung liegt auf „war“… Vom Schüsselchen war nach dem Schmelzvorgang nur noch eine undefinierbare schwarze Masse übrig. Für das Ding kam jede Hilfe zu spät!

Wir anderen hatten Glück, dass wir uns keine Rauchgasvergiftung zugezogen haben. Das Haus wurde stundenlang gelüftet und stank am nächsten Tag immer noch ein wenig.
Wahnsinn, was so ein bisschen Plastik anrichten kann. Zum Glück ist außer dem Schreck nichts passiert. Das hat uns aber wirklich zu denken gegeben und seitdem wird doppelt und dreifach kontrolliert, WAS in die Mikrowelle kommt…

„Mama, nur für den Fall“, fragte Töchterchen dann beim Schlafengehen. „Haben wir eigentlich einen Feuerlöscher?“

Feuerlöscher haben wir keinen, aber eine Löschdecke. Die liegt seit dem Vorfall auf der Mikrowelle – und hätte sie einen Zeigefinger, sie würde ihn mahnend in die Luft strecken!

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