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Warum wir uns öfter langweilen sollten

vonSandra Hohenstein

Unsere Autorin Sandra hat in ihrer Familie gemerkt, dass Langeweile die Kreativität fördert. Jetzt appelliert sie: Wir sollten uns öfter langweilen! Wie sie ihre Kinder zur Langeweile animiert, erfährst du hier.

vonSandra Hohenstein
© Pexels / August de Richelieu

So viel Zeit und nichts zu tun

Wann haben sich eure Kinder zuletzt gelangweilt? Ein Wort und ein Gefühl was unser Dreijähriger bisher nicht kennt. Unsere Mädchen (6 und 9 Jahre) dafür umso besser. Besonders seitdem Corona unseren Alltag prägt.

Noch nie haben die beiden so viel Zeit Zuhause verbracht. Die freie Zeit führt daher des Öfteren zu der Frage, was man mit ihr anstellen soll. Versucht es einmal mit: Nichts!

Jetzt fragt ihr euch vermutlich was das für ein absurder Tipp sein soll? Immerhin kann Langeweile so unerträglich werden. Ohnehin hat das Nichtstun in unserer Gesellschaft keinen besonders guten Ruf.

Unser gesellschaftlicher Wert misst sich immer noch an unserer Nützlichkeit und Produktivität. Momente, in denen man keine Aufgabe oder Beschäftigung hat, gelten als Zeitverschwendung. Langeweile wird sogar oftmals mit Faulheit gleichgesetzt. Warum eigentlich?

Kreativität ist angeboren

Es heißt doch in der Ruhe liegt die Kraft. Also warum fällt es uns und bereits unseren Kindern so schwer uns auf Momente der Ruhe einzulassen und diese kreativ zu nutzen? Denn wir alle werden als kreative Genies geboren! Diverse Studien beweisen, dass die kreative Leistung im Kindergartenalter enorm ist und dann drastisch während der Schulzeit abnimmt.

Im Erwachsenenalter bleibt dann kaum mehr etwas davon übrig. Dabei wird immer wieder davon gesprochen, dass Kreativität eine der wichtigsten Anforderungen an die Berufstätigen von Morgen ist.

Woher kommt es also, dass die kindliche Neugierde so schnell verloren geht und damit auch die Fähigkeit, sich unbekannten Dingen auf unterschiedlichste Arten zu nähern?

Unser Handeln wird, je älter wir werden, zunehmend von Routinen geprägt und tägliche Aufgaben lassen weniger Freiraum. Dies führt dazu, dass die vorhandenen kreativen Gedankengänge weniger genutzt bzw. gar nicht erst zugelassen werden und letztendlich verlernen wir sogar die Fähigkeit dazu.

Kreativität reaktivieren: Die Langeweile nutzen

Die gute Nachricht ist, dass ihr eure Kreativität und die eurer Kinder wieder aktivieren könnt! Also fühlt euch nächstes Mal nicht unter Druck gesetzt, wenn eure Kinder über Langeweile jammern. Seht die Situation als Chance und als kleines Experiment.

Statt nachzugeben und Beschäftigung für eure Kinder zu suchen, versucht doch einmal den Zustand zuzulassen. Vielleicht schafft ihr es sogar euch mit darauf einzulassen und euch selbst etwas Freiraum für neue Ideen zu gönnen.

Wir waren selbst überrascht von unseren Kindern

Ihr wisst nicht wie ihr anfangen sollt? Bei uns hat sich ein ganzer kreativer Abend aus einem anfänglichen Gespräch mit den Kindern entwickelt.

Wir sprachen gemeinsam über die Situation durch Corona, die viele Zeit zu Hause, die wenigen Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten.

: Basteln oder fernsehen

In Erinnerung an einen gemeinsamen Besuch im Kindertheater schwelgend, entstand plötzlich die Idee der Mädchen ein eigenes Theater zu basteln!

Ein Schuhkarton wurde gesucht, Hintergrundkulissen wurden gemalt, kleine Figuren ausgeschnitten und auf Holzspieße geklebt. Wir Eltern waren sehr überrascht und fasziniert von der Dynamik der Kinder.

Es war schon beinah gruselig wie kreativ sie plötzlich waren.

Eintrittskarten wurden gebastelt, das Wohnzimmer zum Theatersaal umgebaut. Nachdem die Kinder ewig lange verschwunden waren, beschlich uns bereits das Gefühl, dass sie sich irgendwo mit einem Handy verstecken und es nie zu einer Uraufführung des Stückes kommen wird.

Dann ging das Licht aus. Und der Vorhang im Schuhkarton auf!

Ich gebe zu, dass bei uns nicht jedes Mal so viel Kreativität durch Langeweile freigesetzt wird und der Prozess auch mühsam sein kann.

Ein Schuhkarton, tausend Möglichkeiten

Probiert es doch einmal selbst aus. Ohne Druck und ohne Erwartungen. Und wenn ihr merkt, dass eure Kinder sich extrem schwertun, dann gebt ihnen einen kleinen Stups und einen leeren Karton! Ich bin mir sicher, dass es auch bei euch nicht zu spät ist eurer Kreativität wieder freien Lauf zu lassen.

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