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Langzeitstillen – Meine Tochter kann sich nicht lösen!

vonPhiline Matzen

Mama Philine hat nicht geplant, dass sie so lange stillen wird! Heute berichtet sie über ihre Erfahrung mit dem Langzeitstillen.

vonPhiline Matzen
© Unsplash / Junior Reis

So fing alles an

Die meist gestellte Frage, sobald dein Kind die Welt erblickt, ist: “Und wie lange möchtest du stillen?”.

Während und auch nach meiner Schwangerschaft habe ich mich nie mit dem Thema befasst.

Vielleicht war genau das der Grund, weshalb das Stillen direkt nach der Geburt geklappt hat. Eine Zeitlang hat meine Tochter nur von einer Brust getrunken und die andere komplett ignoriert. Das war wohl die einzige schwierige Phase während meiner Stillzeit.

Stillen ist das schönste der Welt, aber manchmal macht es mich richtig wütend

Die Frage, wie lange ich stillen möchte, konnte ich immer noch nicht beantworten. Dass ich meine Tochter über zweieinhalb Jahre lang stillen werde, daran habe ich im Entferntesten nicht gedacht.

Jedoch merkte ich schnell, wie grandios dieses milchige Wundermittel ist und dass ich sie so lange stillen möchte, wie meine Tochter und ich es eben für richtig halten.

Das Problem ist, nur im Idealfall endet es genau so, dass beide bereit sind abzustillen und loszulassen.

Ich habe diese innigen Momente sehr genossen. Von den ganzen positiven Effekten der Muttermilch abgesehen, war das Stillen vor allem dann eine große Hilfe und oft die einzige Lösung als sie krank war und weder essen noch trinken wollte.

Außerdem hat das Stillen meine Tochter immer beruhigen können und war eine einfache Möglichkeit zur Besänftigung.

Aber es gab auch Momente, da wollte ich gar nicht angefasst werden und sehnte mich kein bisschen nach körperlicher Nähe.

Das waren genau die Momente, in denen ich ernsthaft über das Abstillen nachdachte.

Als ich dann doch nachgab und stillte, machte es mich richtig wütend und nervös.

Ständige Kritik für Langzeitstillende

Als meine Tochter langsam größer wurde, habe ich mir immer häufiger Kommentare und Kritiken anhören müssen. Ich fand heraus, dass stillen bis ein Jahr akzeptabel ist, alles drüber hinaus ist Tabu.

: Das wird empfohlen

Diese Kritik kam oft von den Familienmitgliedern und vor allem von Frauen, die selbst ihre Kinder kaum oder gar nicht gestillt haben. Manchmal kamen auch Fremde in der Öffentlichkeit auf mich zu, stellten sich direkt vor mich hin, glotzten angewidert und verschwanden dann nuschelnd.

Es war an der Zeit: Abstillen

Über die Stillzeit habe ich mir langsam ein “Abstillen-ziel“ gesetzt: Bis zum zweiten Lebensjahr meiner Tochter möchte ich abgestillt haben (Pustekuchen!).

Mir wurde oft gesagt: “Jedes Kind stillt sich von alleine ab”, aber ich wurde langsam ungeduldig und wollte meinen Körper wieder für mich.

Meine Tochter jedenfalls schien weit davon entfernt zu sein, von alleine aufhören zu wollen. Das Abstillen als Langzeitstillende stellte sich eine wahre Herausforderung, fast schon eine Katastrophe, heraus.

: Methode und Zeitpunkt

Mittlerweile trinkt mein Kind von der Brust ganz bewusst und fragte auch ganz gezielt danach. Für sie ist es eben das natürlichste der Welt.

Das Abstillen hat über Monate gedauert, da meine Tochter sich nur schwer von der engen Bindung lösen konnte.

Oft bekam ich zu hören “Sie stillt sich selbst nicht ab, weil du noch nicht loslassen kannst”. Dabei konnte ich es kaum abwarten.

Andererseits tat es mir auch wahnsinnig leid zu sehen, dass meine Tochter eben noch nicht bereit war. Deshalb entschied ich mich ganz langsam und sanft abzustillen.

Als erstes wurde nur noch zu Hause und alleine gestillt und dann habe ich es über den Tag komplett eingeschränkt. Erst ganz am Ende, habe ich zum Abend hin abgestillt und alles mit viel kuscheln kompensiert.

Nach dem Abstillen hatte ich keinerlei Probleme — musste weder Abstilltabletten nehmen, noch die Milch ausstreichen oder die Brust kühlen/wärmen.

Für unsere Bindung war diese lange und innige Zeit ein wahres Geschenk. Rückblickend würde ich es wieder genauso machen.

Nun ist es vier Monate her, dass ich abgestillt habe. Ob ich das Stillen schon vermisse? Oh nein!

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