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Die ungeschminkte Wahrheit: das Leben als stillende Mutter

vonJenn Knott

Kinderkriegen ist ein unordentliches Geschäft. Wie fast alles rund um die Schwangerschaft und Babys, war das Stillen für mich nicht selbstverständlich und auch ziemlich anders, als ich es erwartet habe.

vonJenn Knott
© Pexels / João Henrique do carmo

Du bist die unerschöpfliche Milchbar

Herzlichen Glückwunsch, du bist eine eigene Nahrungsquelle! Der Körper schüttet jetzt so viel Milch in die Busen aus, dass man fast erwartet, den Milchtransport-Wagen vor der Tür zu sehen.

Egal wie groß deine Brüste vorher waren, sind die jetzt wie prall gefüllte Luftballons, die jeden Augenblick davonfliegen wollen. Ach ja, und sie tun auch weh!

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Das Gute daran ist: Dein Baby darf jeder Zeit so lange es will füttern. Du bist die endlose Milchbar, das ultimative „Fast Food to-go.“

Manchmal ist es verdammt beeindruckend, wie schnell die Milch wieder einschießt.

Es ist aber auch eine harte körperliche Arbeit, die Nährstoffe braucht und neben dem Schlafmangel ganz schön müde machen kann. Daher bis zu 630 Kalorien mehr am Tag essen, höchstwahrscheinlich direkt über dem Kopf deines fütternden Kindes!

Und dann schläft dein Kind beim Stillen auch noch ein

Wir gehen aber davon aus, dass das Baby die Quelle überhaupt zapfen kann. Wenn das nur selbstverständlich wäre! Manchmal braucht das Baby Zeit zu lernen, wie man eine Brustwarze richtig in den Mund nimmt, damit die Milch gut fließt.

Manchmal schlafen die Kleinen an der Brust ein, weil sie nicht verstehen, dass das hier kein Spiel ist, sondern eine Chance, das Leben zu verlängern. Andocken, Kind, und trinken! Wie schwer kann das sein?!

: So legst du dein Baby richtig an

Brustentzündungen – mehr braucht man gar nicht sagen

Wenn das irgendwie funktioniert, aber die Brust nicht gut entleert wird, kann das Leben trotzdem unangenehm werden. Brustentzündungen wegen Milchstau können so furchtbar weh tun, dass es einem egal wird, wie wund die Brustwarzen sind: Das muss weggesaugt werden!

Am besten immer einen Becher Vollfett-Quark ohne Geschmack im Kühlschrank haben, damit man schnell einen magischen, kühlenden Quark-Wickel vorbereiten kann. Gottseidank, dass es Quark gibt.

Still-Etikette: Wer will meine nackte Brust sehen?

Hey, will jemand meine entblößte Brust oder genauer gesagt mein Euter sehen? Zum Beispiel beim Kaffee trinken oder Zeitung lesen?
Wenn das Stillen doch klappt, muss man das nicht ausschließlich zu Hause machen, genau wie wir uns nicht mehr in den dunklen Wald oder die einsame Wüste schleppen, sobald wir menstruieren.

Stillen in der Öffentlichkeit ist aber nicht unkompliziert: macht man das ganz offen, versteckt man sich hinter einer Tür (im Klo?) oder einem Schleier?

Da wir doch nicht gewöhnt sind, die nackten Busen vor allen Augen auszupacken, können Still-Klamotten super praktisch und super angenehm sein.

: Worauf muss ich achten?

Sich wegen der Fütterung eines Kindes zu schämen ist Quatsch. Aber Oberteile und Kleider mit schnellem und diskretem Boob-Zugang lassen eine Mutter stillen, ohne sich ausziehen oder die Kleidung ausdehnen zu müssen.

Wenn man will, wirft man ein Tuch über die Schulter, um das unschuldige Kind und den unschuldigen Spalt nackter Haut zu schützen.

Wenn es nicht stinkt, wird es auch nicht gewaschen!

Und wie sieht’s mit waschen aus? Eine stillende Mutter hat nicht nur ständig Milch-Kotze auf beiden Schultern, sondern auch Muttermilchflecken im Fütterungs-Bereich. Auf dem Bauch, auf den Ärmeln, und möglicherweise auch auf den Hosen – es ist überall.

Widerstand ist zwecklos, außer man will einen Chemikalienschutzanzug anziehen.

Meine Regel war immer so: wenn es nicht stinkt, wird es auch nicht gewaschen. Sonst hätte ich mich fünfmal am Tag umziehen können.

Abstillen – ein Grund zum Feiern?

So praktisch das Stillen sein kann, es ist auch herrlich, wieder aufzuhören. Wie ich mich gefreut habe, normale Kleidung ohne Flecken anzuhaben, nicht so viel Zeit auf dem Sofa mit dem Baby zu verbringen, so viel Koffein und Alkohol wie ich wollte zu verzehren, und endlich meinen Körper nur für mich wiederzuhaben.

: Mutter erntet Shitstorm

Irgendwie ist das Stillen schön, da es eine tiefe Verbindung zwischen Kind und Mutter schafft, aber es ist auch ehrlich gesagt einfach lästig. Mein erstes Kind habe ich mit neun Monaten in einem Tag abgestillt; der gleiche Tag, als sie endlich die Flasche akzeptierte. Das zweite Kind durfte eine Woche lang etwas langsamer abstillen, aber das Ende war genauso erfreulich.

Ich habe beide Male mit einem Gin Tonic gefeiert.

Meine Brüste haben viel geleistet und ich war und bin immer noch stolz auf sie.

Alle die Stillen verdienen Respekt, Unterstützung, und Hilfe: sehr zu empfehlen bei Problemen mit Andocken, Trinken, Gewichtszunahme, oder auch Gefühle um das Stillen ist eine ausgebildete Stillberaterin, die Mutter und Kind helfen kann. Zögere nicht, sondern hol dir Hilfe!

Toll, dass die Natur uns das Geschenk des Stillens beschert hat, aber wie am Schnürchen muss das ja gar nicht laufen. Sei geduldig und freundlich mit dir selbst.

Viel Glück damit, und möge die Milch mit dir sein.

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