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Ich wollte lieber einen Jungen und schäme mich für diese Gedanken

© Pexels / Liza Summer

Mama Nadja mochte als Kind keine Puppen, kein Rosa und kein Glitzer. Als sie schwanger mit ihrer Tochter wurde hatte sie große Zweifel: Kann ich das überhaupt?

Kein typisches Mädchen

Früher als ich noch nicht Mama war, hatte ich in meiner Vorstellung, wenn ich überhaupt einmal ein Kind bekäme, einen Jungen. Der Gedanke an ein Mädchen kam bei mir nie auf. Ich selbst, bin auch kein „klassisches Mädchen“ gewesen.

Ich hasste es mit Puppen zu spielen und rosa, pink und Glitzer fand ich auch immer doof. Der Gedanke daran, dass ich später mal eine Tochter haben sollte, die all das liebte, war für mich unvorstellbar.

In der Familie meines Mannes gibt es auch seit vielen Generationen nur männliche Nachfahren. Da ja bekanntlich der Mann das Geschlecht bestimmt, war es für mich sowieso eine klare Sache als ich schwanger war: Wir bekommen einen Jungen. Und dann kam der Tag an dem ein großer Ultraschall anstand und auch nach dem Geschlecht geschaut wurde.

Kann ich das überhaupt?

Der Arzt fragte, ob wir es wissen wollten. Ja! „Das ist eindeutig eine kleine Heidi!“ sagte er. Ich dachte, ich hätte mich verhört. Mein Mann, der sich sehnlichst eine Tochter wünschte, aber seine Chancen auf ein Mädchen auch eher als gering einstufte, fragte ebenfalls nach. „Wie bitte?“

„Ja, Sie bekommen ein Mädchen! Ist doch schön, oder? Oder wollten Sie keins?“ Der Arzt war von unserer Reaktion verwirrt. Ich auch.

Mein Mann hingegen fing an, Luftsprünge zu machen. Ich lag nur da und dachte mir „Oh nein“. Auf dem Weg nach Hause fing mein Mann direkt an zu überlegen, welchen Namen wir ihr geben sollten. Ich hingegen war nur am Grübeln. Kann ich das mit einem Mädchen? Auch wenn es nur mit Puppen spielt und diesen ganzen „Mädchen-Kram“ machen will? Ist aber doch nicht weiter schlimm, oder? Ich bin jetzt zwar erwachsen, mache aber ja auch „Mädchen-Kram“, schminke mich, ziehe mich gerne schön an und so.

Ich sollte mich glücklich schätzen

Ich grübelte noch volle zwei Wochen, ob ich mit einem Mädchen tatsächlich klarkommen würde. Klar, ich freute mich riesig auf mein Kind. Zumal ich mein erstes Kind durch eine Fehlgeburt verloren hatte. Durfte ich es mir tatsächlich erlauben, so wählerisch zu sein? Ich kann doch froh sein, dass ich überhaupt noch einmal die Chance hatte, ein Kind zu bekommen.

Da kam ein schlechtes Gewissen auf. Das ist mein Kind und ich werde es lieben, egal was es ist.

Der Tag der Wahrheit

Die restliche Schwangerschaft habe ich diese Gedanken beiseitegeschoben. Als ich dann nach 9 Monaten Schwangerschaft meine Tochter das erste Mal in den Armen hielt, schossen mir wieder ganz Wilde Gedanken durch den Kopf.

Dieses kleine Wesen, war das schönste und liebenswerteste was ich jemals auf der Welt gesehen habe, wie konnte ich da auch nur eine Sekunde Zweifel daran haben, dass ich sie als Mädchen nicht so sehr lieben könnte, wie einen Jungen??? Wie dumm war ich eigentlich? Mir kamen die Tränen über meine eigene Verbohrtheit.

Man liebt sein Kind schließlich immer, egal welches Geschlecht!

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