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Mamasein und das war’s?

Bereits mit dem positiven Schwangerschaftstest verschieben sich die Prioritäten. Schnell kreisen die Gedanken überwiegend um das neue Familienmitglied. Ist das Baby auf der Welt, bleibt wenig Zeit für anderes. Freundschaften werden vernachlässigt und schlafen ist das neue Hobby der frischgebackenen Mutter.

Irgendwann muss aber wieder Schluss damit sein. Eine Frau ist doch mehr als nur die aufopferungsvolle Mutter. Oder?

© Unsplash/ Magdalena Smolnicka

Ich will keine aufopferungsvolle Mutter sein

Seit 1,5 Jahren bin ich Mama. Seit genau so langer Zeit stille ich, wechsle täglich Windeln, tröste mein weinendes Kind und begleite ihn in den Schlaf. Seit 1,5 Jahren habe ich keine Nacht durchgeschlafen. Aber eines wusste ich schon, bevor ich Mama werde: Ich wollte nie eine „aufopferungsvolle“ Mutter sein.

Liebevoll ja, aber keine Mama, die sich selbst nie etwas gönnt und ihre Hobbys und Freundschaften aufgibt, weil die Kinder an erster Stelle stehen. Nur ganz so einfach ist das nicht. Das habe ich in den letzten eineinhalb Jahren gelernt.

In jede Entscheidung fließt das Wohlergehen meines Sohnes ein. Und wenn ich mal ohne meinen Sohn unterwegs bin, ist er ja doch immer dabei. Im Hinterkopf und im Handy. Regelmäßig frage ich meinen Mann nach Statusupdates. Was macht er denn gerade?

Und da wäre noch die Müdigkeit. Diese verdammte Müdigkeit. Die mich davon abhält am Sonntagmorgen um sechs Uhr für mein geliebtes Hobby – das Hundetraining – aufzustehen. Oder abends mit Freundinnen trinken zu gehen. Schlaf ist eine Priorität geworden, die sich vor Verabredungen mit Freunden und Hobbys schiebt.

Auszeiten sind trotzdem wichtig

Einige Frauen schöpfen Kraft, in dem sie sich schick machen und mit Freundinnen ausgehen. Andere verspüren überhaupt nicht das Bedürfnis, sich von den eigenen Kindern zu trennen und möchten ihre freie Zeit mit der Familie genießen.

Ich brauche vor allem ruhige Auszeiten für mein eigenes Wohlergehen. Ohne Kind, ohne Mann und ohne Freunde. Und diese Zeit nehme ich mir auch. Am Wochenende fahre ich allein ins Café, spaziere durch den Wald oder gehe einkaufen.

Nach ein paar Stunden komme ich mit vollen Batterien zurück nach Hause und freue mich über meinen lachenden Sohn. Egal wie Frau ihre Zeit neben Familie und Kindern gestalten möchte – alles ist in Ordnung.

Schwierig wird es, wenn Frauen bewusst oder unbewusst unter Druck stehen und irgendwie alles unter einen Hut bringen müssen: Sie soll eine gute Mutter sein und keine „Rabenmutter“. Sie soll freundliche, höfliche aber aufgeweckte Kinder haben. Sie soll einen ordentlichen Haushalt führen und immer gesund und frisch Kochen.

Sie soll nie gereizt reagieren und ihre Kinder mit sinnvollen Spielen fördern. Der Fernseher muss aus bleiben. Sie soll regelmäßig Sport treiben und natürlich auch arbeiten. Schick machen für den Mann muss sie sich auch noch und Hobbys und Freunde dürfen nicht vernachlässigt werden.

Das ist anstrengend. Und nicht durchhaltbar.

Ich versuche mich von diesen Erwartungen zu lösen und meine Zeit so zu gestalten, dass es mir und meiner Familie dabei gut geht. Momentan gehe ich eben wenig mit Freunden aus und schalte tagsüber auch mal den Fernseher an, damit ich Zeit zum Durchatmen habe.

Irgendwann verschieben sich die Prioritäten wieder

Als Mutter eines Kleinkindes ist mir klar: Die Jahre, in denen mein Kind mich so sehr braucht wie jetzt, sind kurz. So klein wie heute wird er nie wieder sein. Mein „Baby“ ist noch nicht einmal zwei und löst sich schon langsam von mir, kann problemlos den Tag mit Papa oder Oma verbringen.

Irgendwann braucht er mich gar nicht mehr. Dann kann ich meine Freizeit wieder frei gestalten. Dann verschieben sich meine Prioritäten wieder. Solange er aber noch so klein ist, können das Konzert, die Party oder der kinderfreie Urlaub mit der besten Freundin warten.