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„Warum ich mein Kind in der Trotzphase manchmal am liebsten verleugnet hätte“

Wer locker über die Trotzphase plaudert, der hat entweder keine Kinder oder solche, die den „Terrible Twos“ längst entwachsen sind. Auf unsere Mama Daniela Kirschbaum trifft letzteres zu. Ganz so rosig hat sie die Trotzzeit ihrer Tochter allerdings nicht in Erinnerung…

Trotzphase

Trotzphase? Ist doch halb so schlimm!

Lange Zeit habe ich über die große böse Trotzphase nur milde gelächelt. Was haben die denn alle, ist doch gar nicht so schlimm, habe ich gedacht, wenn Freunde mit gleichaltrigem Kind ihren Frust bei mir abgeladen haben. Mit dem bisschen Zwergenaufstand kommt man doch bestens zurecht…

Warum ich das dachte? Unser Älterer hatte einfach keine! Wahnsinn in Kinderschuhen kannte ich demnach überhaupt nicht. Nachdem der Knirps ein sehr bedürfnisstarkes Baby war, beschloss er nämlich, uns fortan zu schonen und ließ diese Phase einfach aus. Kein Scherz! Doch bevor ihr mich zu früh beneidet: Töchterchen trotzte dafür für zwei! Ach, was rede ich? Dieses Kind trotzte für mindestens dreieinhalb!

Wenn sich das süße Baby in ein tobendes Monster verwandelt

Das Fatale an der Sache mit Töchterchens Trotzphase? Sie war ein absolutes Vorzeigebaby, das sich praktisch von einen Tag auf den anderen in ein wutschnaubendes Monster verwandelte. Ein wahrhaft tiefer Fall war das! Hatte ich vorher noch gute Ratschläge in Bezug auf kindlichen Trotz verteilt, steckte ich nun mittendrin und fand mich kaum mehr zurecht. Dieses Kind kannte ich nicht! Sollte das wirklich mein kleines, süßes Baby sein?

Töchterchen war sprachlich betrachtet eine Frühstarterin. Sprich, ihre Trotzphase führte zu verbal sehr durchtrieben, bühnenreifen Auftritten. Und dieser Wutzwerg liebte Publikum! Dass sich Mama und Papa (und manchmal auch der Bruder) in Grund und Boden schämten, war der Diva herzlich egal. Ob im Restaurant, im Supermarkt, am Spielplatz oder im Kindergarten: Wo sie trotzte, blieb kein Stein auf dem anderen! Überraschte, entsetzte und belustigte Blickte verfolgten uns ebenso wie Kopfschütteln, Kichern und der ein oder andere Kommentar. Die einzelnen Wortspenden waren – je nach Situation – hilfreich oder aber sehr entbehrlich.

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Die Trotzphase? Beschert einzigartige Anekdoten!

Einzigartige Erlebnisse schenkte uns dieses Kind in dieser Zeit! Heute dienen manche davon als lustige Anekdote, doch damals… In lebhafter Erinnerung ist mir ein Wutanfall im Restaurant, wo sie uns – klassisch am Boden tobend – lautstark bezichtigte, sie verhungern lassen zu wollen. Oder der eine oder andere Aussetzer, bei dem sie in ihrer rasenden Wut vergessen hatte, dass man durchaus auch ab und zu einatmen sollte. (Ja, tobende Kleinkinder können im Wutrausch einfach umfallen!) Nicht zu vergessen, als sie mit ihrer Kindergartenpädagogin wegen einer Lappalie über ganze zwei Wochen kein einziges Wort mehr wechselte. Lange, lange Zeit reihte sich ein solches Ereignis ans nächste. Was soll ich sagen? Dieses Kind hat einen eisernen Willen! Wir machten uns damals große Sorgen, dass es ewig so bleiben würde! Dass diese „Phase“ vielleicht gar nicht vorüber gehen würde, sondern das Trotzige einfach ihr Charakter war.

Wutzwerge: Verzweiflung lässt grüßen!

In dieser Zeit waren wir oft verzweifelt. Es gab kaum etwas, das die Wogen dauerhaft glättete. War das eine Unwetter vorübergezogen, stand das nächste schon in den Startlöchern. Und ja: Man liebt sein Kind! Immer! Aber auf solch ein tobendes, kreischendes Bündel, dem man nichts recht machen kann, kriegt man manchmal durchaus richtig Wut! Ganz schön erschrecken kann einen die…

Nun ja, wir lernten mit dem Trotz umzugehen! Es blieb uns schließlich gar nichts anderes übrig. Mit den Monaten (und Jahren!) wurden unsere Nerven stählern und Humor der wichtigste Begleiter. Und irgendwann…

… wurde es besser!

Plötzlich war die Phase vorbei

Erst kaum merklich, irgendwann doch deutlich: das Ende der Wutzeit! Töchterchen hatte ihre Wut besser im Griff, konnte länger warten und nicht immer waren automatisch alle anderen die bösen Schuldigen. Im letzten Jahr vor Schuleintritt war es dann richtig entspannt mit ihr. Zwar ist sie nach wie vor sehr bedürfnisstark und eine kleine Dramaqueen, aber das scheint nun tatsächlich ihr Charakter und Teil ihrer Entwicklung zu sein… Wobei: Wer weiß das schon so genau? Irgendwie ist bei Kindern doch alles nur eine Phase, oder?