„Ich bin jetzt in den Philipp verliebt!“ - Meine Tochter und die Liebe

„Ich bin jetzt in den Philipp verliebt!“ – Meine Tochter und die Liebe

Wer denkt, dass das mit der Liebe erst in der Pubertät losgeht und Eltern dann davon sowieso nichts erfahren, weil verliebte Teenies Mama und Papa ja eh nichts erzählen, sollte sich darauf einstellen, eines Besseren belehrt zu werden: Die Tochter unserer Autorin Daniela Kirschbaums ist das beste Beispiel dafür, dass Liebe kein Alter kennt. Gemeinsam mit Mama, Papa und dem großen Bruder erörtert die ihr Liebesglück nämlich schon seitdem sie drei ist – und das sehr ausführlich…

Kinder spielen Hochzeit
Für die erste große Liebe ist es nie zu früh - jedenfalls wenn es nach Daniela Kirschbaums Tochter geht... © Bigstock / Tuzenko

Für die große Liebe ist es nie zu früh

Drei Jahre und ein paar Monate war unsere Jüngere alt, als sie mir beim Abholen vom Kindergarten mit kleinen Herzchen in den Augen entgegengelaufen kam. Sie strahlte über das ganze Gesicht, ein magischer Glanz umgab sie. Dann strich sie sich die dunklen Locken aus der Stirn, presste ihren Mund ans mütterliche Ohr und flüsterte: „Ich bin jetzt in den Philipp verliebt!“

Belustigt und erstaunt zugleich entfuhr mir ein: „Philipp? Wirklich?“ Stolz nickte das Lockenköpfchen, dann drehte es sich um und brüllte eifrig winkend in den Gruppenraum: „Tschüüüüüüß, Philipp!“ Der Angebetete winkte ebenso eifrig zurück und den Rest des Tages wurde ohne Unterbrechung geschwärmt. Spannend, das kannte ich so gar nicht! Unser Älterer war in Liebesdingen eher so der Typ neutrale Schweiz…

Wir, unsere Tochter … und Philipp!

Wie sehr einen kindliche Liebesgefühle in Beschlag nehmen können, erfuhren wir in den folgenden Wochen. Beim Aufstehen, beim Zähneputzen, beim Einkaufen, am Spielplatz – einfach überall war Philipp zumindest in Gedanken stets mit von der Partie. Manchmal auch in natura. Es wurde stundenlang Süßholz geraspelt, Eifersüchteleien ausgehadert, gestritten und wieder vertragen. Wie im wirklichen Leben eben! Die Liebe war riesengroß und unzerstörbar. In unserem Kinderzimmer fand sogar eine wahrlich pompöse Hochzeit statt, zu der wir natürlich eingeladen waren!

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Eines schönen Tages – wir hatten uns längst an den guten Philipp als künftigen Schwiegersohn gewöhnt – verfinsterte sich Töchterchens Miene beim Namen des Angebeteten: „Mama, der Philipp ist voll blöd! Den kann ich wirklich nicht brauchen!“ Wütendes Fauchen und eine Kunstpause folgten. „Um Himmels Willen, was ist denn passiert?“, fragte die besorgte Mama vorsichtig in die Stille hinein. Ihr schwante Übles… „Der Philipp ist jetzt in die Lotta verliebt!“, schnaubte Töchterchen verächtlich. Ich sag’s doch: Wie im wirklichen Leben!

Die Pubertät wird bestimmt lustig…

Im Laufe der nächsten drei Jahre folgte übrigens noch so mancher „Philipp“. Ganz besonders beliebt sind die Freunde des großen Bruders. Sehr zu dessen Leidwesen, versteht sich! Mit der Gefühlswelt seiner kleinen Schwester kann der eher nüchterne Knabe nämlich wenig anfangen. Wenn er dann auch noch seine Freunde zum „Heiraten“ ausleihen soll, hört sich der Spaß ganz auf. Das wird bestimmt lustig in der Pubertät mit den beiden…