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Musik macht müde Muffel munter

Dass Musik für Groß und Klein wichtig ist – davon kann unsere Mama-Autorin Anja Polaszewski im wahrsten Sinne des Wortes ein Liedchen singen. Ihre beiden Kinder, sechs und drei Jahre alt, fordern ihre Mutter immer wieder zum gemeinsamen Singen und Musizieren am Klavier auf. Und auch, wenn sie eigentlich alle Hände voll zu tun hat: Für Musik lässt man gern mal alles stehen und liegen.

Für Musik lässt man gern mal alles stehen und liegen.
Für Musik lässt man gern mal alles stehen und liegen.
© Pexels / Alena Shekhovtcova

„Mama, ich will singen.“

„Mama, ich will singen.“ Mein fast Dreieinhalbjähriger hopst an mir hoch und runter wie ein Gummiball. Ich selbst versuche gerade, die Wäsche zusammenzulegen. Danach wollte ich eigentlich staubsaugen, dann den Biomüll rausbringen und den Geschirrspüler ausräumen … Oben wartet noch das Badezimmer darauf, geputzt zu werden … Die Weihnachtsfeiertage liegen zurück, es gibt noch so viel zu tun. Ich seufze, atme tiiief durch, um mich selbst zu entschleunigen. „In Ordnung. Aber nur ein paar Minuten.“ Unweigerlich muss ich lächeln. Ja, Singen ist jetzt eine wirklich willkommene Abwechslung auch für mich. Der Rest kann warten.

„Ich kann jetzt nicht singen, weil ich zu müde bin …“

Im Wohnzimmer steht das Klavier; ich klappe den Deckel hoch, lege ein Kinderliederbuch auf die Notenablage und frage den kleinsten Wirbelwind, was er denn gerne singen möchte. „In einem kleinen Apfel!“ K. krabbelt aufgeregt auf meinen Schoß, zappelt mit den Beinchen.

Der fast Sechseinhalbjährige ist platt vom Vormittag. „Mama“, antwortet er auf meine Frage, ob er denn mitmachen möchte, „Schule ist ganz schön anstrengend, ich kann jetzt nicht singen, weil ich zu müde bin …“ Ich nicke verständnisvoll, kann mich noch gut daran erinnern, wie erschöpft ich selbst seinerzeit war. P. fläzt sich also auf den Bauteppich, halb liegt er. „Ich bau‘ jetzt Oroboros.“ Jungsmütter wissen jetzt sicherlich sofort Bescheid: Er meint die Schlangenstadt aus seinem innig geliebten „Ninjago“-Film (Ninjas kämpfen für Gerechtigkeit). P.s Beißvipern, Würgeboas und Hypnokobras liegen schon zum Spiel bereit, sein selbstgebauter Wüstensegler ist startklar. Mein Erstklässler ist vertieft, summt aber mit.

Irgendwann steht P. dann doch auf, möchte mitsingen. Gemeinsam trällern wir Weihnachtslieder – ja, immer noch, weil wir gerade Lust darauf haben: ‚Schneeflöckchen, Weißröckchen‘, ‚Lasst uns froh und munter sein‘, ‚Alle Jahre wieder‘, … so geht es etwa eine halbe Stunde querbeet durchs Notenbuch.

„Mama, kriegen wir Kekse?“ Jawoll. Ich stehe auf und stelle übrig gebliebenen Gewürzspekulatius, Mandeln und stilles Wasser für die Kids sowie einen Kräutertee für mich aufs Klavier.

P. wünscht sich jetzt „It’s A Small World‘ – Disney. Herrlich – ein wunderschönes, harmonisches Stück, das gute Laune auf unsere Gesichter und in unsere Herzen zaubert.

Wir singen: Laut und nicht immer wohlklingend.

Wir hauen also in die Tasten und lassen unsere Stimmbänder schwingen, alle drei. Laut und nicht immer wohlklingend. Darauf kommt es uns jetzt gerade auch gar nicht an: Es tut einfach nur gut. Warum eigentlich? Der Wissenschaftler würde jetzt sagen: weil beim Musizieren beide Gehirnhälften zusammenarbeiten und jede Menge Endorphine – also Glückshormone – freigesetzt werden. Ja, das merkt man. Durch das Musizieren soll außerdem vor allem bei Kids das (zusammenhängende) Denken und die Konzentrationsfähigkeit trainiert werden.

Schon vor unglaublichen 35.000 Jahren stellte der Mensch Musikinstrumente aus beispielsweise Röhrenknochen her – ein Beweis, dass Musik uralt ist; immerhin gibt es sie in allen Kulturen und Völkern. Als Teil einer Gemeinschaft liegt uns das Musizieren förmlich im Blut.

Aber ob Musik jetzt wirklich schlauer macht? Keine Ahnung, wirklich erwiesen ist es nämlich bis heute nicht. Egal: Spaß macht sie uns allemal.

„Mama, ich bin nicht mehr müde!“ Der Sechsjährige hüpft vergnügt auf dem Sofa herum.

Aha, da haben wir es: Manchmal macht Musik auch munter.