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“Warum ich nach meinem 2. Kind keine Kinder mehr kriegen will”

Wie viele Kinder dürfen es sein? Hier erzählt unsere Autorin Jenn Knott, warum sie sich entschieden hat, nach zwei Kindern Schluss zu machen – und wie sie gelernt hat, ihre kinderlose Schwester zu verstehen.

Ein Kind, zwei Kinder und dann - kein Drittes.
Ein Kind, zwei Kinder und dann - kein Drittes.
Unsplash / Joshua Clay

Früher dachte ich: Ohne Kinder geht’s nicht!

„Die Entscheidung, überhaupt Kinder zu kriegen, ist eine ganz persönliche.“ Vor meinem ersten Kind hätte ich diesem Satz sofort zugestimmt. Nach meinem ersten Baby fand ich es aber total schade, wenn eine Freundin oder Verwandte mir das Geheimnis anvertraute, dass sie sich doch keine Kinder wünschte. „Wie kann das sein?“ dachte ich mir. „Sieht sie nicht, wie überglücklich ich bin, wie pflegeleicht Babys sind und was sie verpasst?!“

Meine Schwester will keine Kinder – ich konnte das nicht verstehen

Ich habe vor allem versucht, meine kinderwunschlose Schwester sanft zu überreden. Das gibt’s doch nicht, dass sie keine Kinder kriegen will – kommen wir nicht aus einer liebevollen Familie mit drei Geschwistern, die sich gut verstehen und zwei noch verheirateten Eltern? Was macht man sonst, wenn man älter wird? Soll man dann Weihnachten quasi alleine feiern? Findest du mein Baby nicht süß und wunderbar?! Tante zu sein ist doch nicht das gleiche wie Mutter zu sein!

Dann kam mein zweites Kind…

Mein Geheimplan war also, sie noch vor ihrem 35. Geburtstag auf die Seite von “Team Baby” zu bekommen. Und dann kam mein zweites Kind.

Dieses Baby war alles andere als pflegeleicht – sie war ein Baby mit wahnsinnig hohen Bedürfnissen. Lange konnte man sie nie ablegen, bevor sie begann zu schreien, also hatte ich sie normalerweise immer auf dem Arm. Sie wollte andauernd gestillt werden, vor allem als sie in den ersten Monate Probleme mit einem zu kurzen Zungenbändchen hatte. Also saß ich mit ihr auf dem Sofa fest. Ich habe so lang so unfassbar schlecht geschlafen, dass ich mich fast nicht mehr an ein gesundes, glückliches, ausgewogenes Leben erinnern konnte. Der Stress war kaum tragbar. Nach sieben Monaten zweifelte ich daran, ob ich überhaupt die richtige Mutter für dieses Kind war.

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Endlich konnte ich meine Schwester verstehen

In dieser Zeit haben wir mit meiner Schwester Urlaub in Italien gemacht. Es war eine irgendwie schöne, aber irgendwie auch fürchterliche Mischung aus Unter der Sonne der Toskana und den Gremlins. Das tolle alte Haus mit dem grünen Garten und dem Pool konnten die schlimmen Nächte und den täglichen Schrei-Terror nicht aufwiegen. In dieser Woche habe ich mit meiner Schwester ganz offen und ehrlich über Kinder geredet. Ich habe ich sie gefragt, ob sie ihre Meinung geändert habe. Sie verneinte. Dieses Mal habe ich zum ersten Mal nur genickt. „Ich verstehe das.“, sagte ich. „Die letzten Monate waren die schwersten meines Lebens.“ Der unterstützende Präsenz meiner Schwester war das Einzige, was diesen Urlaub halbwegs erträglich machte.

Es muss einem klar sein: Einfach wird das nicht.

Obwohl es inzwischen mit einer sechs- und einer dreijährigen Tochter viel besser geworden ist, kann ich ihre Entscheidung immer noch sehr gut verstehen. Kinder zu kriegen und zu erziehen ist ein oft undankbarer Job. Der mit so hohen körperlichen, seelischen und emotionalen Ansprüchen verbunden ist, dass nicht-Eltern sich das gar nicht vorstellen können.

Das heißt natürlich nicht, dass Kinder keine Vorteile mit sich bringen. Ich habe mir immer Kinder gewünscht, eins auf überraschende Weise gekriegt, das zweite geplant. Kinder sind entzückende, wunderbare, liebevolle Wesen, die das Leben auf jeden Fall verschönern. Ich bereue meine Kinder ganz und gar nicht. Aber es muss einem klar sein: Einfach wird das nicht.

Ich werde meine Familie nicht mit einem 3. Kind überlasten

Ich sehe meine Familienplanung inzwischen ziemlich pragmatisch: Wenn wir bei zwei Kindern fast den Verstand verloren hätten, wäre es wahrscheinlich unklug, die Familie mit einem dritten endgültig zu überlasten. Oft höre ich gut gemeinte Witzelein, dass ich mir später noch ein zusätzliches Kind wünschen werde, ich sei doch noch so jung (nur 35!), eins gehe noch und so weiter. Ich kann mir dann nur denken: „Mensch, ihr wisst offensichtlich nicht, wie sehr wir schon gelitten haben.“

Hut ab vor allen mit Kindern – und vor denen ohne!

Jeder darf sich natürlich so viele oder so wenige Kinder wünschen, wie er mag. Ein Kind liebevoll zu erziehen ist eine ernsthafte, große Aufgabe, die ein Leben für immer verändert. Obwohl ich den Weg für mich gewählt habe, „nur” zwei Kinder zu wollen, habe ich Respekt vor allen, die sich anders entscheiden.

Ich sage: Hut ab vor allen Eltern, die jeden Tag ihr Bestes für ihren Nachwuchs geben. Aber auch: Hut ab auch vor denen, die ohne Kinder durch’s Leben gehen. Kinder kriegen ist eben etwas sehr Persönliches. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt.

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