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„Nicht-Eltern sind so unglaublich naiv und ahnungslos“

Im August 2013 wurde unsere Autorin Anja Polaszewski zum ersten Mal Mutter – von jetzt auf gleich ein komplett anderes Leben. Wie sich das anfühlt? Wissen nur Eltern.

Mama-sein kann man eben nicht "üben"!
Mama-sein kann man eben nicht "üben"!
Unsplash/ Brooke Cagle

Vorbereiten auf das Mama-sein? Geht nicht!

Nichts und niemand kann Dich vorher auf ein Leben mit Kind vorbereiten. Weder Erfahrungsberichte noch die Schwangerschaft selbst: Da sitzt du als Hochschwangere beim Tee mit deiner Freundin, die zwei kleine Kinder hat. Die toben herum, du denkst: Meine werde ich besser im Griff haben. Sie klagt, wie müde sie ist, wie anstrengend das alles ist. Sie jammert herzzerreißend. Manchmal würde sie den Mutterjob am liebsten an den Nagel hängen.

Einen Moment später: Der zweijährige Sohn küsst die vierjährige Schwester und umarmt sie ganz fest. „Oh, mein Herz geht auf. Hast Du das gesehen?“, ruft sie aus und strahlt bis zu den Ohren. Nicht zu fassen, denkst Du Dir, eben wollte sie nicht mehr Mutter sein. Die Frau kann man doch nicht ernst nehmen. Du hörst aber zu und nickst erst einmal. Na bitte, das kann doch so wild alles gar nicht sein. Man wächst doch schließlich mit seinen Aufgaben, muss nur gut vorbereitet sein, einfach lässig und entspannt genug. Es gibt doch die Liebe zum Kind; die reicht und macht alles gut. Wie naiv ich doch war!

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Heute bin ich selbst zweifache Mutter. Und erst seitdem ich Kinder habe, verstehe ich das alles. Die totale Verantwortung für einen anderen Menschen zu haben, ist zweifelsohne eine ehrenvolle Aufgabe. Es bedeutet Glück pur, ganz klar. Aber dann sind da auch noch all die Dinge, die im vorgeburtlichen Leben einfach unvorstellbar sind, weil man sie schlichtweg nicht einschätzen kann:

#1 Unglaubliche Müdigkeit

Nein, Stress im Job ist nichts dagegen, versprochen. „Was hast Du denn, Du siehst doch gut aus?“ Unausgesprochen: „Kann doch nicht so schlimm sein.“ An alle Nichtmütter: Der Körper gewöhnt sich an alles – auch an Schlafentzug.

#2 Gnadenlose Angst

Wird das Kind überleben? Werde ich das alles schaffen oder kläglich versagen? Und dann liegst oder sitzt du nachts da, neben diesem kleinen, wunderschönen Wesen und hörst auf jeden Atemzug. Du kannst nicht einschlafen. Hoffentlich erstickt er nicht. Du hast Tränen in den Augen, manchmal steigt sogar Panik auf. Hör auf mit dem Quatsch, da passiert nichts. Vielleicht hilft autogenes Training? Und doch bleibt die Sorge.

#3 Unfassbarer Nervenverlust

Wenn das Kind auf einmal die Brust verweigert (Du hast noch nie von „Stillstreiks“ gehört.), sich an einer Dinkelstange verschluckt (Kaum ein Kind erstickt tatsächlich beim Essen, über Babys supertolle Reflexe hat dich keiner informiert), dir Karotten um die Ohren schmeißt (und du nach dem gefühlt tausendsten Mal sauer wirst, weil du Gemüse im Haar jetzt einfach satt hast).

Dein Küchenboden wird womöglich für immer klebrig bleiben. Dein Partner sagt: „Ist doch alles nicht so schlimm, Süße.“ Und genau das bringt das Fass zum Überlaufen. Du heulst und sagst: Ich will mein Leben zurück! Natürlich hättest Du zwischendurch irgendwann kurz Zeit, dir die Haare zu machen. Du hast nur gerade überhaupt keine Energie und willst einfach nur irgendwo sitzen und gar nichts tun.

#4 Grenzenlose Liebe

Wenn dein Kind das erste Mal lacht, wenn es zum ersten Mal deine Hand nimmt, wenn es sich im Schlaf an Dich kuschelt. Wenn es sich freut – mit dem ganzen zarten Körperchen, mit den Ärmchen wedelnd und quieksend. Unbändig, ehrlich, rein. Auch das kanntest du bisher nicht. Dir geht das Herz auf. Du schmilzt dahin. Auf diese Art hast Du noch nie geliebt.

Ein anderes Leben

Ich stoße jeden Tag an meine Grenzen, in jeder nur erdenklichen Richtung. Meine Kinder kitzeln das Beste, aber auch das Schlechteste aus mir heraus. Und nur SIE schaffen das. Wenn es richtig wild ist, denke ich daran: Es ist alles nur eine Phase. Die mehr oder weniger lange dauert; auf Regen folgt bekanntermaßen Sonnenschein.

Eltern ist man nicht, Eltern wird man – und zwar ganz allmählich. Vorbereiten kann man sich darauf nicht. Mittlerweile weiß ich das. Vor der Geburt meines ältesten Kindes dachte ich, ich würde mich total verändern. In gewisser Weise habe ich das auch, aber im Kern bin ich immer noch die Anja, die ich früher war. Nur, dass ich jetzt eben Mutter bin und wirklich weiß, was ein „Wechselbad der Gefühle“ ist. Und meine innig geliebten Kinder niemals missen möchte.