Nebenwirkungen Pille » Mit welchen Beschwerden muss ich rechnen?

Die Pille: Nebenwirkungen im Überblick

Die Pille schützt ziemlich sicher gegen eine ungewollte Schwangerschaft – ist aber nicht frei von Nebenwirkungen. Wie alle Medikamente hat jedoch auch die Pille Nebenwirkungen, die schon sehr bald nach der ersten Einnahme auftreten können. Hier erfährst du mehr.

Anti-Baby-Pillen auf einem Holztisch
Wie jedes Arzneimittel hat auch die Pille Nebenwirkungen. ©Unsplash/Simone van der Koelen

Pille Nebenwirkungen: Sprich mit deinem Frauenarzt

In Deutschland ist die Pille immer noch das beliebteste Verhütungsmittel. Laut dem Statistik-Portal „statista“ verwenden 52 Prozent der Befragten die Pille. Vor allem in letzter Zeit werden die Stimmen gegen diese hormonelle Verhütungsmethode immer lauter und immer mehr Frauen entscheiden sich gegen die Pille. Um die wirklich richtige Entscheidung für dich zu treffen, informiere dich vorher ausreichend und sprich unbedingt mit deinem Frauenarzt über die Pille und ihre Nebenwirkungen.

Pille Nebenwirkungen: „Leichte“ Beschwerden

Wie bei jedem anderen Arzneimittel, können auch bei der Einnahme der Pille Nebenwirkungen auftreten. Viele Frauen vertragen niedrig dosierte Pillen relativ gut. Manchmal kann es aber – besonders in den ersten Monaten – zu mehr oder weniger schweren Beschwerden kommen, denn immerhin greifen die Hormone in deinen Menstruationszyklus ein. Diese können laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sein:

  • Übelkeit und Schwindel
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Stimmungsschwankungen
  • sexueller Lustlosigkeit
  • Spannungsgefühl in den Brüsten
  • Akne und Haarausfall
  • Gewichtszunahme
  • Bauchschmerzen
  • Zwischenblutungen

Da der Körper eine gewisse Zeit braucht, bis er sich an die veränderte hormonelle Situation gewöhnt hat, sollte die Pille etwa drei bis sechs Monate genommen werden, bevor man abschätzen kann, wie du sie verträgst – natürlich in Absprache mit deinem Frauenarzt.

Wenn die Nebenwirkungen der Pille auch nach dieser Eingewöhnungsphase nicht abklingen oder zu unangenehm sind, kann es sinnvoll sein, eine andere Pille auszuprobieren. Frage hier einfach deinen Frauenarzt nach einer Alternative.

Video-Empfehlung

Schwerwiegende Nebenwirkungen der Pille

Obwohl sie ohne Zweifel ihre Vorteile hat, sollte die Pille nicht auf die leichte Schulter genommen werden – immerhin ist sie ein verschreibungspflichtiges Medikament. Es können auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten.  Maik Pommer, Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel, stellt in einem „ARD“-Interview klar:

„Bei der Pille handelt es sich um ein Arzneimittel und nicht um ein Lifestyle-Produkt. Sie greift in einen sonst gesunden Organismus ein und ist mit Nebenwirkungen verbunden.“

Thrombose

Bei einer Thrombose bilden sich Gerinnsel in einem Blutgefäß, diese können zu einem Gefäßverschluss und zu lebensgefährlichen Lungenembolien führen. In den meisten Fällen tritt eine Thrombose unter der Pille in den ersten sechs bis zwölf Monaten der Einnahme auf – am häufigsten in den ersten drei Monaten. Wenn du die Pille längere Zeit nimmst, ist das Thromboserisiko kaum noch höher als vor der Pille. Laut der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung erkranken etwa fünf bis zwölf von 10.000 Frauen durch die Einnahme der Pille an Thrombose.

Herzinfarkt und Schlaganfall

Auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle können als Nebenwirkung der Pille auftreten.  Allerdings sind sie bei jungen, nicht rauchenden Frauen unter 35 extrem selten.

Trotzdem gilt: Wenn du bei der Einnahme zum ersten Mal oder stärker als vorher Migräne bekommst, kann das ein Anzeichen für ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko sein. Dann solltest du die Pille unbedingt absetzen.

Erhöhtes Brustkrebsrisiko

Als Nebenwirkung der Pille wird auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko genannt. Bei Frauen, die die Pille nehmen, wird etwas häufiger Brustkrebs entdeckt als bei Frauen, die nicht die Pille nehmen.

„Allerdings ist Brustkrebs bei Frauen unter 35 Jahren sehr selten. Unter Pilleneinnahme findet man bei etwa einer von 10.000 Frauen einen zusätzlichen Fall von Brustkrebs“, informiert profamilia in ihrer Informationsbroschüre „Die Pille“.

Deswegen gilt: Wenn du dich über deine Verhütung beraten lässt, teile deinem Frauenarzt unbedingt mit, wenn in deiner Familie viele Frauen in jungen Jahren an Brustkrebs erkrankt sind. Die Pille ist dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für dich geeignet.

Depressionen

Manche Frauen bekommen auch depressive Verstimmungen. Als Folge dieser Depressionen ist ein höheres Risiko an Selbstmordgedanken gegeben. Das geht aus einer dänischen Studie hervor, die 2017 von Prof. Lidegaard und dem Gynäkologenteams des Universitätsklinikums Kopenhagen veröffentlicht wurde.

Aufgrund dieser Studie hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Winter 2018 beschlossen, dass dieser Punkt als mögliche Nebenwirkung der Pille auf den Beipackzettel der Antibabypille mit aufzunehmen sei.

„In Beipackzetteln von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille soll künftig vor möglichen Folgen wie Depression und Suizidgedanken gewarnt werden. Auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur werde ein neuer Warnhinweis aufgenommen“, zitiert der „ZDF“ die deutsche Presse-Agentur.

Auch wenn diese Pille-Nebenwirkungen verhältnismäßig selten sind und potenzielle Risiken abhängig vom Alter der jeder Frau, der Einnahmedauer und den Lebensumständen (Rauchen oder Übergewicht) sind, sollten sie nicht unterschätzt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät deswegen dazu, unbedingt mit deinem Frauenarzt über mögliche Vorerkrankungen oder Risikofaktoren zu sprechen.

Pille: Nebenwirkungen sind nicht alle schlecht

Wie jedes Arzneimittel hat auch die Pille Nebenwirkungen, aber nicht alle davon sind schlecht oder unangenehm. Viele Frauen leiden während ihrer Periode unter sehr starken Schmerzen, die sich auf den ganzen Körper auswirken können. Die Pille sorgt dafür, dass Regelschmerzen reguliert werden. Die Pille hält außerdem deinen Hormonspiegel und damit auch den Zyklus konstant – so kannst du das Einsetzen und die Dauer deiner Tage sehr genau abschätzen. Vor allem – aber nicht nur – wird die Pille bei jungen Mädchen auch als Medikament gegen Akne verschrieben.


Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2018): Die Pille (Kombi-Pille)
    https://www.familienplanung.de/no_cache/verhuetung/verhuetungsmethoden/pille-und-minipille/pille/#c274, (letzter Zugriff: April 2018)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2018): Die Minipille (Gestagenpille)
    https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/pille-und-minipille/minipille/, (letzter Zugriff: April 2018)
  • Statista – Das Statikstik-Portal (2019): Welche Verhütungsmittel bzw. -methoden benutzen Sie oder Ihr Partner momentan?
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2353/umfrage/genutzte-verhuetungsmittel-und–methoden/, (letzter Zugriff: April 2019)
  • pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.: Die Pille
    https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pille.html, (letzter Zugriff: April 2019)
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Pille/Anti-Baby-Pille,
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/pille-anti-baby-pille/, (letzter Zugriff: April 2019)
  • Wessel Skovlund, Ph.D .Charlotte; Steinrud Mørch,Lina (2017): Association of Hormonal Contraception With Suicide Attempts and Suicides,
    https://ajp.psychiatryonline.org/doi/10.1176/appi.ajp.2017.17060616, (letzter Zugriff: April 2019)
  • Lydia Jakobi (2019): Macht die Anti-Baby-Pille depressiv?, In: Mitteldeutscher Rundfunk
    https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/antibabypille-verhuetung-depression-nebenwirkungen-hormone-100.html, (letzter Zugriff: April 2019)