Prinzessinnen-Phase: Soll ich das meinen Töchtern wirklich verbieten?

Prinzessinnen-Phase: Soll ich das meinen Töchtern wirklich verbieten?

„Ich bin die Königin Elsa!“ „Nein, ich bin die Elsa!“ „Du bist die Anna.“ „Nein, du!“ „Ich kann zaubern, PSCH!“ „Nein, ich, PSCH!“ Dann macht der Kopf von Mama auch PSCH! und er explodiert – und nicht nur wegen des Streitens. Unsere Autorin Jenn Knott fragt sich: Wie viel Prinzessin ist ok? Und aber auch: Muss ich das wirklich verbieten, um starke Mädchen großzuziehen?!

Kleines Mädchen trägt eine Krone
Wie viel Prinzessin darf's sein? Diese Frage ist für viele Eltern nicht leicht zu beantworten. © Bigstock / Zavalnyi

Warum muss es immer eine Prinzessin sein?!

Ich frage meine Mädels: Was ist denn an der armen Anna so schlimm? Anna ist eine starke, intelligente, lustige, authentische, selbstbewusste Frau, die einfach einen schlechten Männergeschmack hat. Für alle Eltern, die gerade von einer zehnjährigen Polarexpedition zurückgekehrt sind: Elsa und Anna sind Prinzessinnen aus dem Disney-Film „Frozen – Die Eiskönigin“.

Was mich wahnsinnig macht, ist die Tatsache, dass meine Töchter die platinblonde, zarte, egoistische, selbstzentrierte Königin mit Zauberkräften lieber mögen, als die selbstbewusste, brünette, taffe Anna. Klar ist „Let it Go“ ein super Lied ist, das ich mir ab und zu selbst in Zeiten der Verzweiflung vorsinge, aber außerhalb der Märchenwelt ist Elsa kein ernstzunehmendes Frauenbild.

Prinzessin oder Cowboy – gibt es nichts dazwischen?

Versteht mich nicht falsch: Märchen an sich finde ich gar nicht schlimm! Wir dürfen alle träumen und es ist fantastisch, wenn man mit einer ausgeprägten Fantasie gesegnet ist. Als moderne Frau und vor allem als moderne Mutter muss ich mich aber fragen, wie ich mit Themen „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ umgehe. Was heißt es, Frau oder Mann zu sein, Mädchen oder Junge? Was zieht man sich an, wie verhält man sich, was darf und darf man nicht machen?  Wie wir diese Fragen für uns beantworten und welche Entscheidungen wir daraufhin treffen, lehrt unserer Kinder, wie wir dazu stehen. Durch Freunde, Verwandte, Kindergärtnerinnen und natürlich Medien lernen sie, wie die große Welt dazu steht.

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Bin ich hübsch? – Ja, aber auch noch so viel mehr!

Mein Wunsch ist, dass meine Mädchen starke, intelligente, lustige, authentische, selbstbewusste Frauen werden. Schön dürfen sie natürlich auch werden – wenn sie schön sein wollen – aber bitte auch deutlich mehr. Deshalb bin ich etwas vorsichtig mit der Antwort auf der Frage: „Bin ich hübsch?“ „Ja,“ sage ich, „aber auch lieb, klug und gut.“ Wenn man mich fragt, brauchen wir gar keine Hübschen mehr. Wir leiden eher unter dem Mangel an mitfühlenden, respektvollen, gütigen Menschen.

Schadet der pinke Wahnsinn unseren Töchtern?

Früher habe ich mich Sorgen gemacht, dass zu viel Prinzessin-Belastung bei meinen Töchtern Schaden anrichten würde. Auf keinen Fall dürfen sie lernen, dass die Ausrüstung für ein glückliches Leben aus schönen Kleidern, einer klaren Singstimme, einem perfekten Aussehen und einer Beziehung mit dem reichen Adel besteht. Allerdings bin ich in den fünf Jahren meiner Mutterschaft zum Entschluss gekommen: die Prinzessin-Phase ist wirklich nur eine Phase. Wenn wir unsere Kinder auch gut mit anderen weiblichen Vorbildern ausstatten, dürfen wir die Disney-Weiber als Junkfood betrachten: Ganz gesund ist es nicht, aber in Grenzen akzeptabel. Ich glaube, wir sollten sogar unsere Kinder die Fantasien ausüben lassen – sonst kriegen wir erwachsene Töchter, die erst jetzt damit anfangen, nach ihrem männlichen Retter zu suchen.

Ich war auch Prinzessin – aber Katzenlady in der New Yorker U-Bahn

Ich gebe zu, man kann aus oberflächlichen Sachen ein großaufgeblasenes Politikum machen. Aber als Amerikanerin in der Trump-Ära finde ich es wichtig, sich als Frau oder Mädchen nochmal verstärkter mit dem Thema Weiblichkeit auseinanderzusetzen. Aber trotzdem könnte ich bestimmt davon profitieren, wenn ich die Geschmäcke meiner noch sehr jungen Töchter etwas entspannter und unpolitischer sehen würde. Ich habe mich selber als kleines Mädchen gern als Prinzessin oder Braut verkleidet. Später aber war ich Ringo Starr und eine Katzenlady, die mit einer Katzen-Handpuppe in der New Yorker U-Bahn saß und zur Freude aller anderen Mitfahrenden Amy Winehouses „Rehab“ aufgeführt hat. Anscheinend haben all diese verschiedenen Kostüme meine natürliche Persönlichkeitsentwicklung nicht allzu sehr behindert.

Ich versuche also in der Zukunft wirklich etwas mehr „let it go“ zu werden. Es ist hauptsächlich meine Aufgabe darauf zu achten, dass meine Kinder sich in ihrer eigenen Haut wohlfühlen, damit sie eines Tages die Chance haben, fremden Menschen in der U-Bahn ihr eigenes Power-Lied vorzusingen. Oder eben alles zu machen, was sie wollen.

Also wenn es sein muss, darf es schon ein bisschen Prinzessin sein. Aber eben nur ein bisschen.

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