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Hypnobirthing – Schmerzfreie Geburt unter Hypnose

© Pexels / Yan Krukov

Hypnobirthing ist ein Geburtstrend, der eine angst- und schmerzfreie Geburt verspricht. Unsere Autorin Saskia hat es ausprobiert und war begeistert. Ihren Weg von Skepsis zu Überzeugung liest du hier.

Voller Skepsis

Ich bin kein esoterischer Mensch und ich mag keine Dogmen. Als der Trend rund um Hypnobirthing begann, fühlte ich mich nicht angesprochen. Nachdem ich nach einer schwierigen Geburt Panik hatte, habe ich dem Hypnobirthing auf Empfehlung meiner Hebamme eine Chance gegeben. Was ein großes Glück war.

: Alles was du wissen musst

Erst einmal: Hypnose hat ganz generell nichts mit den medialen Bildern zu tun. Niemand wird unter Hypnose gesetzt und glaubt plötzlich, er sei ein Kaninchen. Hypnose nimmt nicht den Willen weg, sondern ist der Meditation sehr ähnlich. Der Vorteil unter der Geburt ist: Die Angst verschwindet.

: Woher kommt sie und was kannst du tun?

Ich möchte jetzt nicht sagen, es sei dadurch entspannt. Dennoch muss ich gestehen: Mit Hypnobirthing hatte ich eine entspannte Geburt. Statt zu schreien, habe ich tatsächlich Witze gemacht und habe die Geburt weniger schmerzhaft empfunden.

Entspannung?

Mit großer Skepsis habe ich mir das Buch von Marie F. Mongan zugelegt und reingelesen. Beim Lesen kannst du mit den Augen rollen, dachte ich und sitzt nicht in einem Kurs mit lauter werdenden Müttern, die das alles ganz toll finden und immer nicken. Kurse mit Entspannung sind nicht meins. Meine erste Erfahrung machte ich mit Anfang 20 als eine ehemalige Interviewpartnerin mich zu einem Entspannungskurs einlud.

Nach der ersten Sitzung fragte sie mich, ob ich von ihr den Text für die Entspannungsmeditation haben wollen würde. Dann könne ich vielleicht besser loslassen. Ich hatte auf jedes ihrer Worte geachtet und darüber nachgedacht, ob ich das so sah und so wollte. Zum Entspannen kam ich nicht. Auch die nächsten Sitzungen wurde es nicht besser und ich entschied, dass ich nicht der Typ für Entspannungskurse bin.

Gruppenentspannung – eher nicht

Der erste Geburtsvorbereitungskurs war ähnlich schrecklich. Es war ein Wochenend-Crashkurskurs mit Partner. Nachdem alle Frauen im Kreis erzählten, wie außergewöhnlich ihre Schwangerschaft sei, wie besonders und ohne negative Veränderungen, war ich an der Reihe. Ich hatte ehrlich überlegt zu lügen, um weniger aufzufallen. Aber es platzte aus mir heraus:

„Wenn ich mich zu sehr anstrenge, kotze ich und mein Körper und ich haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von meiner Belastbarkeit. Seitdem ich schwanger bin, rege ich mich außerdem viel schneller auf. Ich bin eigentlich immer entweder nah am Heulen oder Feuerspeien.“

Der Geburtsvorbereitungskurs beim zweiten Kind entfiel, da ich in der Zeit meiner Mutter beim Sterben zugesehen habe und für anderes keine Zeit blieb. Bei Tochter 3 habe ich einen Yoga-Kurs gemacht, der mir viel Spaß gemacht hat und unter der Geburt völlig sinnfrei war.

: Infos und Übungen

Übungen mit großem Gewinn

Und nun also Hypnobirthing, weil ich so eine schreckliche Angst hatte. Die ersten Seiten im Buch bestätigten meine Vorurteile. Begriffe wie Seelenverbindungen geben mir nichts. Der praktische Teil und zusätzliche Übungen auf YouTube schenkten mir jedoch Ruhe (und mit dem weiteren Lesen habe ich aufgehört).

Ich habe mich brav jeden Tag hingelegt und mich auf meine Atmung und mein Baby im Bauch konzentriert. Das habe ich – gerade durch den sonst so turbulenten Alltag – als richtig schöne Zeit empfunden.

Konzentriertes Atmen

Nachdem ich drei Monate vor der Geburt nicht wusste, wie ich einen Kreissaal bei Bewusstsein betreten sollte, war ich im letzten Monat vor der Geburt innerlich ziemlich ruhig. Die Übungen haben mir meinen Körper in einem positiven Sinn viel bewusster gemacht.

Als es schließlich ins Krankenhaus ging, war ich zuversichtlich (etwas, was ich sonst bei keinem Kind gewesen bin). Ich bin ruhig hin und her gelaufen, um die Wehen voranzutreiben.

: Die Kraft positiver Gedanken

Währenddessen habe ich mich nie auf den Schmerz, sondern immer auf meine Atmung konzentriert. Gewöhnlich habe ich immer am Wehenschreiber gehangen und geschaut, wie hoch die Wehen gehen und wie schnell sie kommen. Dieses Mal waren mir die Bewegungen auf dem Wehenschreiber gleichgültig. Auch was sonst um mich herum stattfand, rauschte vorbei. Es war mir nicht wichtig.

Dreißig Minuten im Kreissaal

Als mein Mann dazukam, haben wir noch entspannt im Krankenhauscafé gesessen. Schließlich hatte ich das sichere Gefühl, dass es so weit ist. Auf dem Weg zum Kreissaal machte ich viele Pausen beim Gehen.

Durch meine Konzentration auf das Atmen hatte ich jedoch so viel zu tun, dass ich weder Zeit für Panik noch für das Empfinden von starken Schmerzen hatte.

Da ich noch immer ruhig wirkte, untersuchte die junge Hebamme mich, um dann zu entscheiden, wo ich hinsollte. Als sie feststellte, dass ich bereits bei neun Zentimetern war, wurde sie einen Moment panisch und hat mich rasch in den Kreissaal bugsiert. Dreißig Minuten später war unsere kleine Tochter auf der Welt. Wir hatten bei der Geburt am Ende zwei voll ausgebildete Hebammen und eine Hebammenschülerin dabei.

: Wie kündigt sich die Geburt an?

Hilfe und nicht Allheilmittel

Lag es allein am Hypnobirthing? So vermessen möchte ich nicht sein. Meine Tochter hat gut gelegen und es gab keine Komplikationen. Wir hatten ein großartiges Team, die uns nett empfangen haben. All das hat zu einer für mich schönen Geburt beigetragen.

Hypnobirthing gibt keine Garantie auf eine störungsfreie Geburt. Mir hat es aber enorm geholfen, bei mir zu bleiben.

Bei meinen vorherigen Geburten war ich zu wenig im Kontakt mit mir. Weil es darum in der Geburtsvorbereitung nicht so ging und ich in der Schwangerschaft meinen Körper auch sehr fremdbestimmt wahrgenommen habe. Hypnobirthing ist eine hilfreiche Methode, aber kein Allheilmittel.

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