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„Hilfe, mein Sohn ist ein absoluter Öko-Freak“

Dem Sohn unserer Autorin Daniela Kirschbaum ist unsere Umwelt wichtig. Sehr wichtig, um genau zu sein! Warum das manchmal mit einer gewissen Dynamik verbunden ist, erzählt sie uns heute.

Öko? Logisch!
Öko? Logisch!
© Pexels/ Jeswin Thomas

Von nächtlichen Überlegungen und besonderen Kindern

Wenn Kinder nachts aus ihren Zimmern kommen, haben sie Durst, müssen aufs Klo oder sind gerade aus einem Albtraum erwacht – meistens jedenfalls. Nicht so bei uns. Mein 9jähriger Knirps kam vor kurzem gegen 23 Uhr tränenüberströmt aus seinem Zimmer getaumelt. Die mütterlichen Alarmglocken schrillten postwendend, denn dieses Kind weint ausgesprochen selten. Was war denn da los? Ein schlimmer Traum? Höllische Schmerzen?

„Was ist denn los?“, wollte ich also besorgt wissen.

„Weißt du“, schluchzte Kind verzweifelt, „ich hab gerade darüber nachgedacht, dass ich die Klimakrise nicht aufhalten kann!“

Was soll ich sagen? Willkommen in meinem Alltag!

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Gut, ich muss zugeben, seine „Spleens“ (wenn wir es denn so nennen wollen) kommen nicht von ungefähr. Ich selbst ernähre mich seit mittlerweile zwei Jahrzehnten vegetarisch und achte generell auf einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen. Natürlich vermittle ich das auch meinen Kindern. Vorbildfunktion und so. Bloß drehen sich bei uns die Rollen mittlerweile um. Söhnchen ist nämlich schon jetzt um Welten penibler, vehementer und sorgsamer, als ich das jemals sein werde.

Tatsächlich erntet er deshalb auch so manchen schiefe Blick. Ein Kind, das sich intensiv mit durchaus unbequemen Themen beschäftigt und es wagt, auf Fehlverhalten und Missstände aufmerksam zu machen, kommt nicht immer gut an – ich sage nur Greta Thunberg! Zum Glück bekommt Söhnchen im Ausgleich dazu aber auch positive Rückmeldungen für die Vehemenz, mit der er seinen Weg geht, ohne sich davon abbringen zu lassen.

Öko? Logisch!

Öko-Freak-Tendenzen waren bei dem Kerl schon früh ersichtlich. Die Natur und seine Bewohner konnten stundenlang bestaunt werden. Und wehe, jemand trat versehentlich auf eine Ameise oder – noch schlimmer – brachte eine unschuldige, kleine Spinne ums Eck! („Aufpassen! Die sind echt wichtig!“) Mit vier Jahren wurde Söhnchen aus eigenem Antrieb zum Vegetarier. Gab es bei einem Kindergeburtstag nur Würstchen, dann verzichtete er eben dankend. Der Knirps zieht das durch – mittlerweile schon seit fünf Jahren!

 

Im Laufe der Zeit hat er sich immer intensiver mit Umweltthemen und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Wenn er ins Internet darf, füttert er Google mit Fragen wie „Was kann ich für die Umwelt tun?“ oder „Wie bekämpft man die Klimakrise?“ Nebenbei übt er sich fleißig in Verzicht. Gummibärchen? Keine Chance, wenn da Gelatine drin ist! Avocado? Braucht zu lang zu uns! Aggressive Putzmittel? Wie könnt ihr nur? Palmöl? Gift! Leder, Plastik oder Fast Fashion? Darauf kann man doch wirklich verzichten! Lebensmittel? Bio bitte und natürlich regional!

Vor kurzem war er übrigens bitterböse auf mich, weil ich mich erdreistet habe, an meinem wohlverdienten Feierabend nicht durch angrenzende Wälder zu ziehen, um mit ihm gemeinsam Müll aufzusammeln.

Manche Dinge nimmt man eben, wie sie sind – und mit Humor sowieso!

Einen kleinen Öko-Freak zum Sohn zu haben, kann durchaus nervenaufreibend sein. Schiefe Blicke, hochgezogene Augenbrauen und blankes Entsetzen gehören manchmal zu unserem Alltag. Meistens nehmen wir das aber mit Humor und sind natürlich unheimlich stolz, dass der Nachwuchs so selbstverständlich zu seinen Überzeugungen steht. Und an Tagen, an denen ich nicht in Stimmung bin, großartig zu diskutieren, nun, da esse ich die Avocado eben heimlich!