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Sterilisation Frau: Verhütung bei abgeschlossener Familienplanung

Ist die Familienplanung abgeschlossen und wollen Paare keine weiteren Kinder, ist die Sterilisation als dauerhafte Verhütung oft ein Thema. Alles rund ums Thema „Sterilisation Frau“, findest du hier.

Eine Sterilisation sollte keine Spontan-Entscheidung sein!
Eine Sterilisation sollte keine Spontan-Entscheidung sein!
©Unsplash/Michael Prewett

In diesem Artikel:

Sterilisation Frau: So läuft der Eingriff ab

Die Sterilisation wird in der Regel in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus, also vor dem Eisprung, vorgenommen. So kann eine Schwangerschaft möglichst sicher ausgeschlossen werden. Die Eileiter werden hier verschlossen oder seltener teilweise oder ganz entfernt. Die Sterilisation kann ambulant, aber auch stationär durchgeführt werden. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und kann in einer frauenärztlichen Tagesklinik oder im Krankenhaus vorgenommen werden.

Wie wird er Eingriff durchgeführt?

Um die Eileiter zu verschließen, gibt es verschiedenen Möglichkeiten:

  1. Eine Bauchspiegelung (häufigste Methode)
    Es wird ein kleiner Schnitt in der Nähe des Bauchnabels gesetzt. Bei dem Eingriff werden die Eileiter entweder über eine Länge von einem Zentimeter elektrisch verödet, mit einem Clip verschlossen oder durchtrennt.
  2. Ein Bauchschnitt
    Wenn eine andere Operation im Unterbauch geplant ist, kann während des Eingriffs auch eine Sterilisation vorgenommen werden
  3. Schnitt an der Hinterwand der Scheide
    Durch einen kleinen Schnitt an der Hinterwand der Scheide wird der Bauchraum eröffnet. Von dort aus werden die Eileiter mit einem Instrument gefasst und verschlossen. Bei dieser Methode ist das Infektionsrisiko etwas erhöht.

Bei allen drei Methoden ist eine Vollnarkose notwendig. Danach solltest du dich eine Weile schonen. Wann du wieder Sex haben kannst, hängt von deinem persönlichen Befinden ab.

Sterilisation Frau: Mögliche Komplikationen

Wie bei jeder Operation im Bauchraum können auch bei der Sterilisation Komplikationen auftreten. Diese können sein:

  • Blutungen und Verletzungen von Blutgefäßen oder inneren Organen
  • Störungen der Wundheilung und Entzündungen
  • Narkoserisiken (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Störungen)
  • erhöhtes Thromboserisiko (vor allem direkt nach einer Geburt)

Außerdem ist nach einer Sterilisation das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft oder eine Bauchhöhlenschwangerschaft erhöht. Mehr Informationen und wie es dazu kommen kann, findest du in unserem Ratgeberartikel „Eileiterschwangerschaft: Was passiert in meinem Körper?“.

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Sterilisation Frau: Was verändert sich bei dir?

In den meisten Fällen verändert sich nur der Umstand, dass man nicht mehr schwanger werden kann. Da die Sterilisation keine direkten hormonellen Auswirkungen hat, verändert sich auch der Zyklus nicht.

Aber: Ganz ausschließen kann man eine Störung des Hormonhaushaltes durch den Eingriff nicht zu hundert Prozent, da bei der Verödung der Eileiter die Blutgefäße des umliegenden Gewebes verletzt werden können. „Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung der Eierstöcke, was in seltenen Fällen ihre Funktion und damit auch die Hormonproduktion beeinträchtigen kann“, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ihrem Artikel „Die Sterilisation der Frau“. Stimmungsschwankungen, eine verringerte Libido, Hitzewallungen und Schlafstörungen sind dann keine Seltenheit.

Was passiert mit der Eizelle?

Beim Eisprung gelangt die Eizelle wie bisher in den Eileiter. Dort kommt sie aber nur bis zur verschlossenen Stelle. Die Eizelle wird dann von der Schleimhaut des Eileiters aufgenommen, löst sich auf, sie wird „recycelt“.

Sterilisation: Frau muss nicht mehr an Verhütung denken

Sie gilt als sehr sichere Verhütungsmethode. Der Pearl-Index der Sterilisation bei er Frau liegt bei 0,2–0,3. Dieser Index gibt die Sicherheit einer Verhütungsmethode an: Je kleiner die Zahl, desto sicherer die Methode.

Für diese seltenen „Ausrutscher“ gibt es verschiedene Gründe. Einige Frauen sind zum Zeitpunkt der Operation bereits schwanger – das lässt sich vermeiden, wenn die Sterilisation in der ersten Zyklushälfte vorgenommen wird. „Oder es hat sich an der verschlossenen Stelle ein neuer Kanal gebildet. In diesem Fall kommt es eher zu einer Eileiterschwangerschaft“, so pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V in ihrer Informationsbroschüre „Sterilisation. Verhütungsmethoden“.

Zum Vergleich: Das Kondom hat einen Pearl Index von 2 bis 12. Die Antibabypille liegt bei 0,1 bis 0,9.

Hat die Sterilisation Auswirkungen auf das Sexleben?

Die Sterilisation ist eine sehr sichere Verhütungsmethode. Sie ist aber auch dauerhaft. Viele Frauen sehen den Eingriff als Befreiung und genießen ihr Sexleben unbeschwerter, da sie nicht mehr über Verhütung nachdenken müssen. Bei anderen wiederrum kann es zu unerwarteten seelischen Problemen, sexueller Lustlosigkeit und Schwierigkeiten in der Partnerschaft kommen. Außerdem kann das Wissen, nicht mehr schwanger werden zu können, das sexuelle Verlangen zusätzlich negativ beeinflussen – auch wenn grundsätzlich gar keine Kinder (mehr) geplant waren.

Kann die Sterilisation rückgängig gemacht werden?

Die Sterilisation (Frau oder Mann) ist grundsätzlich als dauerhafter Eingriff vorgesehen. Nur wenn du eine endgültige Verhütungsmethode wünscht, solltest du über eine Sterilisation nachdenken.

Durch eine mikrochirurgische Operation ist es aber theoretisch möglich, die Sterilisation wieder rückgängig zu machen (Refertilisierung). Dabei werden die verschlossenen Eileiter-Enden wieder durchgängig gemacht. Die Chancen auf einen Erfolg sinken allerdings mit zunehmendem Alter. Eine Refertilisierung ist außerdem eine komplizierte Operation und mit den gängigen Operationsrisiken verbunden. Da es außerdem ziemlich unsicher ist, ob die Refertilisierung wirklich funktioniert, sollte diese Möglichkeit bei deiner Entscheidung für eine Sterilisation keine Rolle spielen.

Sterilisation Frau: Kosten und Gesetzliche Voraussetzungen

Die Kosten der Sterilisation mit der Narkose liegen je nach Methode zwischen 600 und 1.000 Euro. Seit der Gesundheitsreform 2004 muss eine Sterilisation selbst bezahlt werden.

Unter eng begrenzten Voraussetzungen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine (weitere) Schwangerschaft ein Risiko für die Gesundheit wäre und wenn die Frau aus gesundheitlichen Gründen keine andere sichere Verhütungsmethode anwenden kann.

Für die Sterilisation gelten in Deutschland dieselben gesetzlichen Voraussetzungen wie für jede andere Operation: Du musst rechtzeitig und umfassend über die Art des Eingriffs, seine Folgen und mögliche Nebenwirkungen oder Komplikationen aufgeklärt werden. Außerdem muss die Einwilligung für den Eingriff  aus freien Stücken erfolgen. Das heißt, dass die niemand zu der Sterilisation drängen darf.

Zusätzlich muss es für den Arzt ersichtlich sein, dass du dir der Folgen der Sterilisation bewusst bist. Hat er den Eindruck, dass dies nicht der Fall ist, kann er sich weigern den Eingriff bei dir durchzuführen.

Mehr Informationen zum Thema Verhütung findest zu hier:

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Quellen:

  • pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.: Sterilisation. Verhütungsmethoden, https://www.profamilia.de/publikationen.html?tx_pgextendshop_pi1%5Baction%5D=show&tx_pgextendshop_pi1%5Bcontroller%5D=Item&tx_pgextendshop_pi1%5Bproduct%5D=70&cHash=07a4b9586894d242a4ac2db277ecbc30 (letzter Zugriff: 17.04.2018)
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Sterilisation/Vasektomie – Dauerhafte Unfruchtbarkeit,
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/sterilisation-vasektomie/ (letzter Zugriff: 17.04.2018)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Die Sterilisation der Frau,
    https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/sterilisation/frau/ (letzter Zugriff: 17.04.2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Eileiter-Schwangerschaft, https://www.familienplanung.de/lexikon/eileiter-schwangerschaft/ (letzter Zugriff: 17.04.2019)
  • Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V.: Sterilisation der Frau (Eileiterdurchtrennung)
    https://www.operieren.de/e3224/e10/e886/e898/e995/ (letzter Zugriff: 17.04.2019)
  • Onmeda: Pearl-Index: Wie sicher ist Verhütung?
    https://www.onmeda.de/verhuetung/pearl_index.html (letzter Zugriff: 17.04.2019)