Unser „großer“ Junge wird Gymnasiast

Symbolbild: Junge sitzt im Klassenraum
Wie wir die "richtige" Schule fanden
© Pexels / Max Fischer

Im Sommer 2023 ist es so weit: Der älteste Sohn unserer Autorin Anja Polaszewski wird im August auf eine weiterführende Schule kommen. Zurzeit besucht der Neuneinhalbjährige noch die vierte Klasse einer niedersächsischen Grundschule, doch er weiß glücklicherweise schon ziemlich genau, was er will. Anja berichtet.

Die Zeit rennt

Tempus fugit – und das nicht zu knapp. Die Zeit rennt! Gefühlt habe ich gestern gerade erst meinen Sechsjährigen eingeschult, und im August wird er schon zehn und erstmals einen zweistelligen Geburtstag feiern?

Das geht auch Papa Markus nicht anders. Er fragt sich regelmäßig: Wann seid ihr bitte so groß geworden?

Im kommenden Sommer wird P. auf die „weiterführende“ Schule wechseln. Ich fasse es nicht (und weiß noch überhaupt nicht, wohin genau das nun „führen“ soll. Auf jeden Fall wohl „weiter“ …). Und – na klar – ich denke mit einem lachenden und einem weinenden Auge darüber nach, wie schnell er retrospektiv die Grundschulzeit durchlaufen ist. Gesprintet, würde ich sagen.

Empfehlung für unseren Sohn: Gymnasium

Nach einem Gespräch mit der Klassenlehrerin, unserem Sohn selbst und unserer Intuition folgend, wird P. nun also Gymnasiast werden.

Zusammenfassung der KL: Er verfügt über gute soziale Kompetenzen, ist sehr beliebt, seine Noten sind gut, er ist ziemlich ehrgeizig und meist sehr konzentriert. Er könnte sich noch öfter melden.

Okay bis prima. Ihr reicht es, P. reicht es, uns Eltern reicht es. Und damit hat es sich – erst einmal. Egal wie: Ich bin froh und dankbar, dass wir in einem Bundesland – nämlich Niedersachsen – zu Hause sind, in dem Eltern in Sachen Schul(art)empfehlung auch ein Wörtchen mitzureden haben.

Empfehlung für Mama: Realschule

Ich erinnere mich noch daran, wie ich selbst seinerzeit überhaupt noch nicht wusste, was ich einmal werden möchte, geschweige denn, welche Schule ich besuchen möchte. Meine Grundschulzeit in Mecklenburg-Vorpommern dauerte damals noch ganze sechs Jahre.

Die Empfehlung der Lehrer:innen für mich lautete ganz klar: Anja sollte die Realschule besuchen. Sie ist oft unkonzentriert, träumt, kritzelt herum, ist „schwatzhaft“ und „bringt nicht die notwendige Ernsthaftigkeit“ mit in den Unterricht. Sie war quasi total ruhig oder der Klassenclown. Der Hammer. Unter einer Deutsch-Hausaufgabe steht sogar noch: „Schämst Du Dich nicht?“ Gemeint war meine Krakelschrift. (Bevor dieser Satz erschien, schämte ich mich übrigens nicht …)

Mama jedenfalls kannte mich gut, sie widersetzte sich – und schickte mich „auf die Penne!“ Also aufs Gymnasium. Es war nicht immer einfach „dort oben“, aber ich habe es geschafft. Danke, Mama. Heute habe ich übrigens einen Universitätsabschluss (Magistra Artium) in der Tasche und überlege, „irgendwann noch“ meinen Doktor zu machen. Soll kein Angeben sein, soll nur eines heißen: Nichts muss, alles kann. Oder doch wenigstens so einiges. Und genau darüber rede ich mit meinen (Schul-)Kindern. Und werde nie müde zu behaupten, dass Noten eben nicht alles sind.

Schnuppern: Tag der offenen Tür

Am Tag der offenen Tür ist das Gymnasium unserer Wahl voller Menschen. Wer hätte das gedacht? Aber mal im Ernst: Institution und Lehrer:innen ziehen heute alle Register, um uns anzulocken (und zu einer Anmeldung zu bewegen). In gefühlt jedem Raum wird etwas präsentiert, erklärt, es wird zum Mitmachen bei den verschiedensten Aktivitäten eingeladen. AG und Kurse werden vorgestellt, eine Musikgruppe zeigt, was sie draufhat, und – ganz wichtig – es gibt Kaffee. Und selbstgebackenen Kuchen.

Wir sind heute in gesamter Montur erschienen, mit der ganzen Familie also. Bereits im Vorfeld hatten wir uns informiert, welche Schule „passen“ könnte. Gar nicht so einfach, aber ehrlich gesagt auch gar nicht so schwer. Wenn das Kind weiß, was es möchte. Bei unserem neuneinhalbjährigen P. war es klar – Gott sei Dank.

Seine Faszination: Japanisch

Die Schule, für die wir uns jetzt endgültig entschieden haben, kooperiert mit der hiesigen Universität. Das ist für P. insofern „wichtig“, als dass er schon seit einigen Jahren Interesse an der japanischen Sprache zeigt. Er kennt sie aus Comics und aus Videos. Und er ist fasziniert.

Bis heute hält diese Faszination an. Dass die Schule etwa 1.150 Schüler:innen beherbergt, ist ihm dabei fast egal. Und sogar auch, dass einer seiner besten Kumpels aus der Klasse eventuell nicht mit auf dieses Gymnasium, sondern auf ein „familiäreres“, gehen wird.

Die „richtige“ Entscheidung

Ob es die „richtige“ Entscheidung ist? Ob sie es rückblickend gewesen sein wird? Keine Ahnung. Wer weiß das schon. Und wie können wir Eltern dann heute schon wissen, dass wir richtig handeln? Kann man doch eh nie. Versuchen wir es einfach – so wie wir das immer mit uns selbst und eben auch mit unseren Kids tun: Try and error.