Verhütungscomputer: Wie sicher lässt sich damit verhüten?

Verhütungscomputer: Wie sicher lässt sich damit verhüten?

Verhütungscomputer können helfen, die fruchtbaren Tage deines Monatszyklus zu ermitteln. Wie genau diese Verhütungsmethode funktioniert und wie sicher sie ist, erfährst du hier.

Paar liegt kuschelnd auf einer Wiese
Für wen sind Verhütungscomputer geeignet? ©Pexels/Natthanon Kongyam

In diesem Artikel:
Wie funktioniert ein Verhütungscomputer?
Temperatur, Hormone, eine Kombi: Welche Modelle gibt es?
Wie sicher ist diese Methode?
Für wen ist ein Verhütungscomputer geeignet?
Verhütungscomputer: Kosten

Wie funktioniert ein Verhütungscomputer?

Im Grunde hilft dir ein Verhütungscomputer dabei, deine fruchtbaren Tage zu berechnen –  zum Verhüten oder bei Kinderwunsch. Je nach Modell werden dafür Temperaturdaten deiner Basaltemperatur, Angaben zum Zervixschleim und/oder Hormonwerte im Morgenurin ausgewertet. Werden sie regelmäßig mit diesen Daten gefüttert, sollen die digitalen Helfer den Eisprung zuverlässig vorrausagen können.

Wenn du mit einem Verhütungscomputer verhüten möchtest, solltest du vor und nach dem Eisprung zusätzlich mit einem Kondom oder anderen Barriere-Methoden verhüten oder, wenn du auf Nummer sicher gehen willst, gar keinen Sex haben. An den unfruchtbaren Tagen kann Frau hingegen Sex haben, ohne daran denken zu müssen, vielleicht schwanger zu werden.

Jeder Verhütungscomputer basiert auf dem Prinzip der natürlichen Familienplanung, der symptothermalen Methode. Allerdings versprechen sie eine leichtere Anwendung, da sie deine Zyklusdaten selbstständig auswerten. Doch wie zuverlässig funktionieren diese kleinen Computer?

Verhütungscomputer Modelle: Temperatur, Hormone oder eine Kombi?

Die Produktpalette an Verhütungscomputern und Zykluscomputern ist groß. Zählt man das eigene Smartphone mit einer entsprechenden Verhütungs-App dazu, wird das Angebot sogar noch größer. Hier ein kurzer Überblick, welche verschiedenen Funktionsweisen es gibt.

Temperaturcomputer

Es gibt Verhütungscomputer, die die fruchtbaren Tage anhand der Temperaturmethode bestimmen. Dafür wird jeden Morgen nach dem Aufwachen (möglichst zur gleichen Uhrzeit) die Basaltemperatur gemessen. Diese trägst du anschließend in den Computer ein. Der registriert, wann die Temperatur ansteigt, was bedeutet, dass der Eisprung stattgefunden hat.

Oft werten Temperaturcomputer noch zusätzlich die Beschaffenheit des Zervixschleims oder des Muttermundes aus. Mithilfe dieser Daten errechnen die Verhütungscomputer deine unfruchtbaren und fruchtbaren Tage im monatlichen Zyklus.

Problem: Informiere dich vorab darüber, wie genau der Verhütungscomputer funktioniert. Das gilt vor allem dann, wenn du damit verhüten möchtest. In dem Fall ist es wichtig, dass der Computer stets die Daten aus dem aktuellen Zyklus verwendet, um individuell deine fruchtbaren Tage zu bestimmen. Greift der Algorithmus auf die Daten vorausgegangener Zyklen zurück, dann handelt sich es lediglich um eine statistische Hochrechnung, wann ein Eisprung zu erwarten ist. Eine sichere Empfängnisverhütung kann so nicht garantiert werden.

Zu diesen Computern zählen Lady-Comp, Daysy, pearly und cyclotest myWay.

Hormoncomputer

Es gibt Verhütungscomputer, die für die Auswertung Hormone im Morgenurin messen – ein ähnliches Prinzip also wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein mit Urin getränktes Teststäbchen oder ein spezieller Teststreifen wird in das Gerät eingeführt und dort ausgewertet. Gemessen wird die Konzentration des luteinisierenden Hormons (LH). Dieses steigt bei Frauen kurz vor dem Eisprung stark an: Die Konzentration verzehnfacht sich etwa. Das registriert auch der Verhütungscomputer und gibt per Lichtsignal an, an welchen Tagen du nicht schwanger werden kannst – und wann du verhüten solltest, falls aktuell kein Kinderwunsch besteht.

Problem: Es gibt Frauen, die haben einen dauerhaft erhöhten LH-Wert. Das kann zum Beispiel durch das Polyzystische-Ovar-Syndrom (PCO) verursacht werden. In diesem Fall kann der Eisprung auch falsch positiv angezeigt werden.

Zu den gängigen Hormoncomputern gehören der Clearblue und der ADVANCED Fertilitätsmonitor sowie Persona.

Kombinationscomputer

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit eines Kombinationscomputers. Diese Zykluscomputer analysieren zwei Eisprunganzeichen. Dies kann entweder die Temperatur und die Zervixschleimkonsistenz oder die Temperatur und der Hormonwert sein.

Zu den Symptothermalcomputern bzw. Kombinationscomputern zählen beispielsweise cyclotest myWay.

Kritik an den Verhütungscomputern: zu unsicher

Verhütungscomputer haben je nach Modell und Hersteller einen Pearl-Index von 0,7 – 6,5. Dieser Wert gibt an, wie viele Frauen trotz Anwendung eines bestimmten Verhütungsmittels schwanger werden. Je niedriger der Wert, desto sicherer also die jeweilige Methode.

Zum Vergleich: Das Kondom hat einen Pearl-Index von 2 – 12, die Pille liegt bei 0,2 – 0,5.

Diese Werte der Hersteller beziehen sich allerdings nur auf eine perfekte Anwendung. Grundsätzlich kann ein Verhütungscomputer nur so gut sein wie die Daten mit denen er arbeitet. Das heißt, je gewissenhafter du ihn anwendest, desto genauer wird er funktionieren. Allerdings gilt auch dann: Jeder Computer funktioniert nach einem Algorithmus, der auf die Zeichen des aktuell laufenden Zyklus nur bedingt reagieren kann. Vor allem monosymptomele Verhütungscomputer sind daher anfällig für Fehler, weshalb Verhütungscomputer generell als eher unsicher gelten.

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„Zykluscomputer sind für sich allein keine sichere Verhütungsmethode“, gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu denken. „Auch Apps, die nur auf Basis von Zyklusdaten fruchtbare Tage anzeigen, sind zur Verhütung ungeeignet“.

Die Rechnung der Verhütungscomputer ist erst nach etwa einem halben Jahr annähernd exakt, wenn der Computer deinen individuellen Zyklus kennengelernt hat. Aber selbst dann wird der kommende Eisprung nur hochgerechnet. Das Problem: Der Zyklus einer Frau ist nicht immer gleich und kann von Monat zu Monat variieren.

Dasselbe Problem haben auch die meisten Apps. Stiftung Warentest hat 2017 insgesamt 23 kostenlose Zyklus-Apps unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd. Nur zwei Android-Apps sowie eine iOS-App erhalten die Gesamt­note gut. Der Großteil schneidet mangelhaft ab.

„Viele Mens­truations-Apps ermitteln den Eisprung und das Einsetzen der Periode rein mathematisch, zum Teil Monate im Voraus“, kritisiert Stiftung Warentest. „Sie greifen nur auf bereits vorhandene Kalender­daten aus früheren Zyklen der Frau zurück oder ziehen statistische Daten anderer Anwende­rinnen heran.“

Die Testsieger sind übrigens „Lady Cycle“ und „MyNFP“ (hier sowohl die Android als auch die iOS-App).

Hormonfreie Verhütung computergesteuert

Wenn du dennoch für eine hormonfreie Verhütung mit Hilfe eines Verhütungscomputers entscheidest, solltest du dich wirklich gut mit der symptothermale Methode auskennen. Sonst besteht die Gefahr, dass du falsche Rückschlüsse aus den Messungen des Verhütungscomputers ziehst.

Für wen ist ein Verhütungscomputer geeignet?

Für Frauen mit besonders langen oder kurzen Zyklen sind Verhütungscomputer nicht geeignet. Die Computer sind meist auf eine Zykluslänge von 23 bis 35 Tagen festgelegt. Solltest du einen besonders unregelmäßigen Zyklus haben, macht die Anschaffung eines Zykluscomputers ebenfalls wenig Sinn. Je regelmäßiger dein Zyklus ist, desto zuverlässiger kann auch der Computer seine Berechnungen erstellen. Daher sind sie auch für Frauen nach der Geburt, in der Stillzeit oder wenn sie gerade abgestillt haben weniger geeignet – der Zyklus muss sich erst wieder eingependelt haben.

Verhütungscomputer sind also für Frauen geeignet, die gerne ihren Zyklus im Blick haben und ihre fruchtbaren Tage kennen möchten, die aber eine Schwangerschaft nicht unbedingt ausschließen wollen. Die Hersteller der Geräte empfehlen diese deswegen häufig nicht unbedingt als Verhütungsmittel, sondern eher als Hilfsmittel für die natürliche Familienplanung.

Verhütungscomputer: Kosten

Die Preise für Verhütungscomputer liegen zwischen 90 und 400 Euro, je nachdem, wie umfangreich die Programme und das Zubehör sind und wie aufwendig die genutzte Computertechnik ist. Bei den Hormoncomputern kommen zusätzlich noch monatliche Kosten von circa zehn Euro für die benötigten Teststreifen dazu.

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Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2018): Zyklus-Apps, Temperatur- und Hormoncomputer, https://www.familienplanung.de/index.php?id=323, (letzter Zugriff: April 2019)

Berufsverband der Frauenärzte e.V. (2017): Natürlich Verhütung – Warum sie nie ganz sicher ist, https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/natuerliche-verhuetung-warum-sie-nie-ganz-sicher-ist/, (letzter Zugriff: April 2019)

Onmeda (2012): Verhütungscomputer (Zykluscomputer): Temperaturcomputer, https://www.onmeda.de/verhuetung/verhuetungscomputer-temperaturcomputer-2177-2.html, (letzter Zugriff: April 2019)

Stiftung Warentest (2017): Zyklus-Apps: Fruchtbare Tage bestimmen – nur drei Apps sind gut, https://www.test.de/Zyklus-Apps-im-Test-5254377-0/, (letzter Zugriff: April 2019)

Dr. Med. Struck, Dorothee (2019): Natürlich verhüten: Sicher, pillenfrei, gefühlsecht, Gräfe und Unzer Verlag, S. 106-107