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Verhütungsring: Eine Hormon-Alternative zur Pille?

Du möchtest hormonell verhüten, bist aber kein großer Fan der Pille? Vielleicht ist dann der Verhütungsring eine Alternative. Hier erfährst du alles über Wirkung, Zuverlässigkeit und Nebenwirkungen.

So funktioniert der Verhütungsring
So funktioniert der Verhütungsring
©Unsplash/Sweet Ice Cream Photography

In diesem Artikel:

Wirkung: So funktioniert der Verhütungsring
Anwendung: So setzt du den Ring ein
Sicherheit: Pearl-Index des Verhütungsrings
Zuverlässigkeit: Wirkt der Verhütungsring sofort?
Kosten: So teuer ist der Verhütungsring
Nebenwirkungen: So kann dein Körper reagieren
Entscheidungshilfe: Vor- und Nachteile im Überblick

Verhütungsring: hormonell verhüten mit einem Vaginalring

Der Verhütungsring gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln und kann eine echte Alternative zur Pille sein. Der Vaginalring besteht aus durchsichtigem, flexiblen Kunststoff und wird wie ein Tampon in die Scheide eingeführt. Dort setzt er eine konstante Menge an Östrogen und Gestagen frei. Diese abgegebenen Hormone gelangen langsam in den Blutkreislauf und verhindern so, dass du deine fruchtbaren Tage und den Eisprung bekommst. Zusätzlich machen die Hormone den Zervixschleim zäh. Den Spermien wird so der Weg in die Gebärmutter erschwert. Die Hormone beeinflussen außerdem die Gebärmutterschleimhaut und verhindern, dass eine befruchtete Eizelle sich dort einnisten kann. Der große Vorteil des Verhütungsrings: Im Vergleich zur Pille ist die Hormondosis viel geringer.

Wie wird der Verhütungsring angewendet?

Der Verhütungsring besteht aus einem silikon- und latexfreien, medizinischen Kunststoff, der ihn weich und flexibel macht. Der Vaginalring hat einen Durchmesser von 54 Millimeter. Verschiedene Größen gibt es nicht, nur eine Universalgröße. Er passt sich aber der Form jeder Frau an.

Der große Vorteil: Der Verhütungsring kann von dir selbst eingesetzt und wieder entfernt werden. Du musst also nicht jedes Mal einen Frauenarzt aufsuchen, wie zum Beispiel bei der Dreimonatsspritze, die nur von einem Arzt gesetzt werden darf.

Verhütungsring einsetzen: So geht’s

Das Einsetzen des Verhütungsrings ist mit ein bisschen Übung relativ einfach. Drücke dazu den Verhütungsring zusammen und führe ihn ähnlich wie einen Tampon in die Vagina ein, bis du ihn nicht mehr spüren kannst. Der flexible Ring passt sich nach dem Einführen individuell an die Scheide an.

Während der folgenden drei Wochen verbleibt der Verhütungsring in der Scheide. Danach ziehst du ihn selbst heraus, indem du einen Finger in die Vagina einführst und das untere Ende des Rings umfasst. Es folgt eine einwöchige Pause, in der deine Periode (Abbruchblutung) eintritt. Der Empfängnisschutz bleibt auch während dieser Woche erhalten. Danach kannst du den nächsten Verhütungsring einsetzen. Der benutzte Ring sollte im Hausmüll und nicht in der Toilette entsorgt werden.

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Ähnlich wie bei der Antibabypille solltest du den Verhütungsring immer am gleichen Wochentag einsetzen. Wenn du beispielsweise den Vaginalring an einem Montag einführst, solltest du ihn drei Wochen später am Montag auch wieder entfernen. Der nächste Verhütungsring wird am darauffolgenden Montag eingesetzt.

Kann der Verhütungsring aus der Vagina rutschen?

Normalerweise verhindert deine Beckenmuskulatur, dass der Verhütungsring herausrutschen kann. Sollte dies dennoch passieren, kannst du ihn mit kaltem Wasser abspülen. Solange du ihn in den nächsten drei Stunden wieder einsetzt, wird die empfängnisverhütende Wirkung des Rings dadurch nicht beeinflusst. „Der Ring darf pro Tag 3 Stunden herausgenommen werden“, informiert der Berufsverband der Frauenärzte auf ihrer Homepage. „Was zum Beispiel notwendig werden kann, wenn er beim Geschlechtsverkehr als störend empfunden wird. Das ist jedoch nur selten der Fall“.

Vorsicht: Den Verhütungsring mit Seifenlösungen oder Desinfektionsmittel zu reinigen, solltest du auf jeden Fall vermeiden. Da du so die Hormon-Imprägnierung des Vaginalrings zerstören würdest.

Der Pearl-Index des Verhütungsrings

Die Verhütung mit einem Vaginalring ist als sehr sicher anzusehen. Der Pearl-Index (Sicherheit und Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode) des Verhütungsrings beträgt 0,4 bis 0,65. Das heißt: Weniger als 1 von 100 Frauen, die ausschließlich mit einem Vaginalring verhüten, werden im Laufe eines Jahres ungewollt schwanger.

Zum Vergleich: Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,2–0,5, die Dreimonatsspritze liegt bei circa 0,5 und das Kondom hat einen Index von 2–12.

Ähnlich wie bei der Pille schränken bestimmte Arzneimittel den Empfängnisschutz des Vaginalrings ein. Dazu gehören unter anderem Medikamente gegen Epilepsie, bestimmte Antibiotika sowie Johanniskraut. Sprich hier am besten nochmal mit deinem Frauenarzt.

Wirkt der Verhütungsring sofort?

Wie tief du den Verhütungsring eingeführt hast, spielt für die Wirksamkeit keine Rolle. Wichtig ist nur, dass er dich nicht stört. Wenn du den Vaginalring zum ersten Mal anwendest, setze dir den Ring zwischen dem ersten und fünften Zyklustag ein. Beginnst schon am ersten Zyklustag mit der Anwendung, schützt der Ring sofort. Führst du ihn erst am zweiten bis fünften Zyklustag ein, solltest du in den folgenden sieben Tagen zusätzlich verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom.

Verhütungsring Kosten: Damit musst du rechnen

In Deutschland, der Schweiz und in Österreich ist der Verhütungsring rezeptpflichtig und wird von deinem Frauenarzt ausgestellt. Der Vaginalring kostet zwischen 60 und 90 Euro pro halbes Jahr. Die Kosten werden bis zum 20. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die zwei in Deutschland derzeit zugelassenen Ringe sind der „Nuvaring“ und der „Circlet“. Egal für welches Präparat du dich letztendlich entscheidest, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät, den Verhütungsring möglichst lichtgeschützt in der Originalverpackung und nicht über 30 °C aufzubewahren.

Auch der Verhütungsring kann Nebenwirkungen haben

Als Alternative zur Pille hat der Vaginalring den Vorteil, dass er Hormone in niedriger Dosis abgibt. Das bedeutet, dass auch hormonbedingte Nebenwirkungen bei dem Verhütungsring seltener auftreten. So bleiben zum Beispiel Unregelmäßigkeiten bei deiner Periode meist aus.

Aber auch der Verhütungsring ist nicht ganz frei von Nebenwirkungen. Er hat grundsätzlich die gleichen Risiken und möglichen Nebenwirkungen wie die Pille. So zum Beispiel ein erhöhtes Risiko an Thrombose oder Depressionen zu erkranken. Die häufigsten Nebenwirkungen sind außerdem:

  • Kopfschmerzen,
  • Scheidenentzündungen, Scheidenausfluss und Juckreiz
  • Stimmungsschwankungen
  • Spannen in der Brust
  • verringerte Libido

Auch Akne, Gewichtszunahme, Bauchschmerzen und Übelkeit können gelegentlich auftreten. Das Risiko für Blutgerinnsel wird durch den Verhütungsring ebenfalls erhöht. Neigst du also zu Gerinnungsstörungen und zu Thrombose solltest du vor der Anwendung unbedingt deinen Frauenarzt zurate ziehen.

Verhütungsring: Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Du musst nicht täglich an die Verhütung denken Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen
Absetzen ist jederzeit möglich Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten
Spontaner Sex möglich im Vergleich mit Pille und Kondom teurer
Verhütungsschutz auch bei Erbrechen oder Durchfall Manchen Frauen fällt das Einsetzen schwer
Hormondosis ist geringer das Entfernen und Wiedereinsetzen des Vaginalringes zu den vorgegebenen Zeitpunkten wird oft vergessen
Schwächere Menstruationsblutung und weniger Menstruationsschmerzen

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Quellen:

Berufsverband der Frauenärzte (2018): Vaginalring, https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/hormonelle-verhuetung-neben-der-pille/vaginalring/, (letzter Zugriff: März 2019)

pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.: Verhütungsring, https://www.profamilia.de/fuer-jugendliche/verhuetung/verhuetungsring.html, (letzter Zugriff: März 2019)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2018): Der Vaginalring, https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/weitere-hormonelle-methoden/vaginalring/, (letzter Zugriff: März 2019)

Onmeda (2014): Verhütungsring (Vaginalring), https://www.onmeda.de/verhuetung/verhuetungsring.html, (letzter Zugriff: März 2019)