Das sind die dreistesten Beschimpfungen, die ich mir anhören musste

Von Fremden beschimpft – das sind die dreistesten Dinge, die ich mir anhören musste

Mütter müssen sich ständig die Meinung von wildfremden Menschen anhören. Hier erzählt unsere Autorin Nora Henze von den dreistesten Beschimpfungen, die sie bekommen hat – weil sie Mutter ist.

Frau weint
Was gibt Fremden das Recht, über uns Mütter zu urteilen?! © Unsplash / Luis Galvez

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe den Eindruck, dass kaum jemand in diesem Land mehr unter Beobachtung steht als Mütter. Die Vorurteile und Verurteilungen sind so vielfältig, dass ich sie kaum in einem einzigen Artikel unterbringen könnte. Am Besten kann ich mich aber an einige skurrile Begegnungen als Reaktion auf einige von mir begangene „Schandtaten“ als Mutter erinnern.

Ich habe mein Baby getragen.

An diesem Tag war ich mit meinem 5 Monate alten Baby unterwegs, das ich in einer Babytrage trug. In Berlin sind die Menschen bekannterweise immer ein bisschen rabiater, eine solche Pöbelei hatte ich aber selbst als Berlinbewohnerin noch nicht erlebt. Eine circa 60-jährige Dame schrie, nein, brüllte, von der anderen Straßenseite herüber: „Was machen Sie mit dem armen Baby? Das muss in einen Kinderwagen! Das ist ja pervers, was Sie da machen, das Baby so eng am Körper zu tragen mit gespreizten Beinen. Man sollte das Jugendamt informieren und Ihnen das Kind entziehen!“ Ähm, ja.

Ich habe mein Baby gestillt.

Anscheinend wird von manchen auch das als Mutter-Fauxpas der übelsten Sorte gesehen. Ich gehöre zu den Leuten, die beim Stillen gerne halbwegs diskret bleiben, allerdings sehe ich es nicht ein, mein Kind auf der Toilette zu füttern. Eine Frau, ungefähr in meinem Alter, die am Nebentisch im Café saß, entrüstete sich mit einem „Ist ja widerlich, was man hier anschauen muss!“ und setzte sich unter großem Getöse und Gezeter an einen Tisch am anderen Ende des Raumes.

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Ich bin mit meinem Kind Straßenbahn gefahren.

In diesem Fall habe ich nicht nur meinen Sohn von der Kita abgeholt, sondern auch seinen Freund, der sehr gerne sehr viel redet und erzählt. Ein Mann in der Straßenbahn saß uns gegenüber und sagte plötzlich ganz ruhig: „So, junger Mann, und wenn du jetzt nicht sofort aufhörst zu quatschen, schmeiße ich dich aus dem Fenster. Deine Mutter hat dich anscheinend nicht im Griff.“ Danach war ich einfach nur sprachlos und bin immer noch der älteren Dame dankbar, die ihm mitteilte, dass er jetzt am besten aussteigt, weil sie sonst die Polizei ruft.

Ich bin zu jung, um Mutter zu sein.

Gut, ich muss zugeben: Das war für mich eher ein Kompliment, obwohl es als Beschimpfung gemeint war.

In diesem Fall war ich mit meinem 2-jährigen Sohn unterwegs und stand mit ihm auf einer Rolltreppe. Hinter uns stand ein älterer Herr, der plötzlich anfing zu pöbeln: „Wann hast du denn schon angefangen? Und jetzt in deinem Alter mit einem Blag durch die Gegend laufen, schämst du dich nicht? Wenn Kinder Kinder kriegen…“.

Zu diesem Zeitpunkt war ich 29 Jahre alt.

Manche dieser Geschichten sind lachhaft, andere einfach nur erschreckend. Ich weiß auch, dass ich ganz sicher nicht die einzige bin, die solche Dinge erlebt. Inzwischen versuche ich, nicht zu reagieren und solche Attacken nicht mehr an mich heranzulassen.