Wenn der Nachwuchs in der Vergangenheit stöbert

„Du warst mal klein, Mama?“: Wenn der Nachwuchs in der Vergangenheit stöbert

Für Kinder ist es schwer vorstellbar: Mama und Papa sollen einmal klein gewesen sein? Und hat es wirklich und wahrhaftig eine Zeit gegeben, als es sie selbst noch nicht gab? Mama Daniela Kirschbaum erzählt von ihrer Reise zusammen mit ihren Kindern.

Alte Fotos liegen auf einem Tisch
Wenn die Kinder in der eigenen Vergangenheit stöbern, gibt es viel zu entdecken. © Unsplash / Joanna Kosinska

Es gab eine Vor-Kinder-Zeit?

Irgendwann, so um die Kindergarten-Halbzeit herum, hat es angefangen: Dem Nachwuchs dämmerte in so manchem Gesprächskontext, dass es da etwas gegeben haben muss… Damals, als es sie selbst noch nicht gab! War das möglich? Eine Zeit ohne sie beide als schillernde Hauptakteure? Eine Zeit, über die sie nichts wissen? Eines war ihnen klar: Dem muss man schleunigst auf den Grund gehen! Kinder sind ja von Natur aus ausgesprochen neugierige Wesen. Meine übrigens ganz besonders…

Was folgte waren Fragen, Fragen und noch mehr Fragen…

Es folgte also:

„Waaas? Du warst auch einmal ein Kind?“ (fassungsloser Blick von Sohnemann inklusive) Oder: „Waaas? Du hast bei der Oma gewohnt? Echt jetzt?“ (ebenso fassungsloser Blick von Tochter)

Aber auch:

„Waaas, der Onkel Florian war auch ein Kind? Und der war kleiner als du? Wie soll das gehen? Der ist doch ein Riese!“ (fassungsloser Blick von allen beiden)

Tja, manchmal konnten wir uns ein Grinsen nicht verkneifen, aber wir beantworteten und bestätigten brav sämtliche Fragen und Feststellungen in Bezug auf die eigene (nicht immer ruhmreiche) Vergangenheit. Standen Rede und Antwort. Unterschlugen kein noch so winziges Detail. (Okay, erwischt! Über manche Details breiteten wir doch den Mantel des Schweigens)

Mit der Zeit wurden die beiden neugierigen Nasen älter und die Fragen konkreter – manch böse Zunge würden es wohl als indiskret bezeichnen – und wir mussten uns folgenden Fragen stellen:

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Waaaas?! Ehrlich?!

Schlechte Schulnoten? Spannend! Streit mit den Geschwistern? Äußerst interessant! Bandenkriege mit anderen Kindern? Wer hat gewonnen? Unterschrift gefälscht? Das darf man doch nicht, hast du gesagt! Du hast Überraschungseier geklaut? Ehrlich? Hat man dich erwischt? Musstest du ins Gefängnis? Erster Kuss? Wie eklig! Waaas? Du hast Schule geschwänzt? Also sowas würde ICH niemals machen! (Du bist auch erst in der zweiten Klasse, Kind!) Papa war nicht dein erster Freund? Das gibt’s doch nicht! Hast du das gewusst, Papa?

Vergangene Fehltritte von Mama und Papa sind ganz besonders spannend

Ich persönlich bin der Meinung, es ist gut, wenn Kinder ein wenig über die Vergangenheit der eigenen Eltern Bescheid wissen. Immerhin ist das ja irgendwie ein Stück weit auch ihre eigene.

Dass Klein-Mama und Klein-Papa ebenso mit ihren Geschwistern gerauft, Bandenkriege veranstaltet, die Hausaufgaben vergessen oder Schule geschwänzt und geklaut haben, macht sie doch ein bisschen menschlicher und bringt sie dem eigenen Nachwuchs ein Stückchen näher.

Kinder graben eben gerne in der Vergangenheit

Wenn meine Kinder über Fotoalben gebeugt dasitzen und voller Erstaunen die Baby-, Kinder- und Jugendbilder von uns und anderen Familienmitgliedern studieren, haben sie einen faszinierten Blick im Gesicht. Und ich erinnere mich daran, dass ich mich wohl ganz ähnlich gefühlt habe, als ich im selben Alter die Kinderbilder meiner eigenen Eltern angeschaut habe.