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Warum meine Kinder auch NEIN zu hören bekommen

Symbolbild: Mama hält die Hand hoch und signalisert nein
Liebevoll verneinen mit Respekt? Das geht!
© Pexels / Andrea Piacquadio

Bin ich zu nachgiebig? Oder manchmal sogar zu streng? Widersprüchliche Fragen wie diese stellt sich unsere Autorin Anja des Öfteren. Der zweifachen Jungsmama sind gewisse Werte wie Pünktlichkeit und das Einhalten von Versprechen sehr wichtig, weil sie mit Respekt zu tun haben. Wie sie es schafft, im turbulenten Alltag ihre Regeln durchsetzen? Hier ihr Bericht.

„Ja“ sagen, auch wenn ich „Nein“ meine?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr wir Eltern manchmal zwischen „Weichheit und Strenge“ schwanken und dabei regelrecht straucheln – vor allem dann, wenn uns zum Beispiel der Job gerade einmal wieder viel abverlangt. Wenn wir keine Zeit und Energie für „Diskussionen“ haben. Wenn wir müde sind. Dann neigen wir dazu „klein beizugeben“, nachzugeben – ja, aufzugeben. Dann sagen wir JA und meinen eigentlich NEIN.

Glaubwürdigkeit für Stabilität

Ich glaube inzwischen, dass es meinen beiden Kindern am besten geht, wenn ich einfach ich selbst bin: authentisch – und so berechenbar, wie es mir eben möglich ist. Natürlich geht das nicht immer, dann und wann ist „dezentes, erwachsenes Schauspiel“ im Miteinander mit unseren Kindern angebracht. Wenn ich aber traurig bin, verstecke ich nicht meine Tränen. Bin ich erschöpft, zeige ich es auch. Ich darf es, weil ich ein Mensch bin. Und ich kann auch gar nicht anders. Würde ich „immer und zu allem“ Ja sagen, obwohl ich gerade ein Nein fühle, wie glaubwürdig wäre ich am Ende? Wie ernst können meine Jungs mich dann noch nehmen?

Du kannst nicht alles haben

Spontan fällt mir gerade die folgende, irgendwie ja auch typische, Supermarkt-Situation mit meinem Sechsjährigen ein. „Ich weiß, Du willst noch weitere Sammelkarten haben. Und ich verstehe auch Deine Wut darüber, dass Du jetzt gerade keine bekommen kannst. Aber die Teile kosten viel Geld, und das muss ich erst mal verdienen.“ Kurz: ICH entscheide das jetzt so. Bämm. Ich darf meinem Erstklässler ruhig zutrauen, dass er das – zumindest irgendwie – versteht, immerhin sieht er mich oft am Schreibtisch sitzen. (Andererseits: Wie soll er lernen, seine Spielsachen zu wertschätzen, wenn er „dauernd alles“ kriegt? Aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Auf die „Neins“ im Leben vorbereiten

Wann immer also meine sonst so starke „Bindungsorientiertheit“ einen kleinen Knacks bekommen würde, frage ich mich bewusst: Wie soll ich meinen Kindern die Möglichkeit geben, Empathie zu entwickeln, wenn ich sie immer wieder meine eigenen Grenzen überschreiten lasse? Wenn ich stets befürworte, statt auch einmal mitzuteilen, wenn mir etwas ganz und gar nicht passt?

Und: Wie kann ich meine Neun- und Sechsjährigen andernfalls auf all die Neins vorbereiten, die in ihren Leben noch folgen werden? Zum Beispiel das Nein von anderen Kids, die nicht mit ihnen spielen wollen. Oder das angekreuzte Nein auf dem berüchtigten „Willst-Du-mit-mir-gehen“-Zettel in der Grundschule. Das Nein zum lang ersehnten Job nach gescheitertem Bewerbungsverfahren. Und so weiter und so fort.

Auch Mama und Papa haben ihre Grenzen

Durch ihre authentischen Vorbilder – durch uns Eltern – lernen unsere Kids – daran glaube ich ganz felsenfest – nicht nur die Grenzen anderer Menschen zu respektieren, sondern auch sich selbst zu schützen und ihre eigenen Grenzen kennenzulernen. Und wie wichtig ist das in bestimmten Lebenssituationen! Zum Beispiel dann, wenn sich Deinem Kind eine fremde Person nähert und es zum Mitgehen auffordert. Oder wenn die Tante es knuddeln will, wenn es selbst das gar nicht möchte.

Deshalb und aus vielen anderen Gründen bin ich eher für ein „klares Nein“ ohne den Versuch einer Bestechung à la „Wenn du mich jetzt nicht ausruhen lässt, darfst du nachher auch nicht fernsehen!“ oder dergleichen. Wie absurd ist das denn bitte?

Hier liest du 6 Nein-Situationen deines Kindes, die du immer respektieren solltest.

Der bequemere Weg ist nicht immer der bessere

Ich bin also „Team liebevolle Führung.“ Immer den Weg des geringsten Widerstands gehen – das war ohnehin nie meiner. Was bin ich schon gestolpert und hingefallen, aufgestanden und weitergegangen und wieder gestolpert. So ist es ja, das Leben. Und dazu gehören eben auch all die Neins (neben den Jas).

Und ja: Manchmal ist der Grat zwischen „Erziehung“ und „freiem Willen“ echt ein schmaler. Dein Kleiner zieht sich eine furchtbare Klamotten-Kombi an? Du könntest jetzt sagen: „Nein! Zieh das wieder aus.“ Oder Du lässt ihn seine eigenen Erfahrungen machen und sagst mit einem schelmischen Augenzwinkern: „Na. Das sieht ja interessant aus.“ Wer bin ich denn, dass ich ihm meinen Willen aufzwinge? „Nein“ also nicht um jeden Preis? Ja, genau.

Versuch es doch auch mal mit einer unserer 10 Wege „Nein“ zu sagen, ohne Nein zu sagen.

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