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Pille auf dem absteigenden Ast: Warum immer mehr Frauen ohne Hormone verhüten

Pille absetzen: Das ist längst ein echter Trend geworden. Nicht nur privat hört man immer öfters davon, auch im Netz stolpert man mittlerweile häufiger über Videos, Beiträge und Berichte über Frauen, die öffentlich der Pille abschwören – unter anderem auch große YouTuberinnen wie Dagi Bee.

Immer weniger Frauen wollen für die Verhütung Hormone schlucken.
Immer weniger Frauen wollen für die Verhütung Hormone schlucken.
©Unsplash/Gabriel Matula

Pille-Hype wird immer weniger

Man hat so das Gefühl, dass die Pille als Verhütungsmittel immer unbeliebter wird. Egal ob ihm Freundeskreis oder auf Social Media, gefühlt überall hört man Frauen sagen: „Ich setze die Pille ab“. Schwarz auf weiß kann man das jetzt auch im „Österreichischen Verhütungsreport“ nachlesen. Obwohl die Pille noch immer zu den beliebtesten Verhütungsmitteln zählt – nur überholt vom Kondom – ist ein Rückgang deutlich zu beobachten. 2012 verhüteten noch 60 Prozent hormonell, 2015 waren es 57 und aktuell sind es nur noch 48 Prozent.

Auch in der Schweiz geht das Interesse an der Pille deutlich zurück. Schon 2017 verzeichnete der Schweizer Pharmazieverband „Interpharma“ ein Rekordtief beim Verkauf der Anti-Baby-Pille und auch der Schweizer Apothekerverband „Pharmasuisse“ registrierte zwischen dem Jahr 2006 und 2016 über 300.000 weniger verkaufte Packungen der Pille.

Sorge um Nebenwirkungen

Die Pille ist also tatsächlich auf dem absteigenden Ast. Vor allem die teils heftigen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gewichtszunahme oder die fehlende Lust auf Sex geben den meisten Frauen zu denken. Auch wenn die Sicherheit vor einer ungewollten Schwangerschaft bei hormonellen Verhüttungsmittel am höchsten ist – die Pille hat einen Pearl Index von 0,2 bis 0,5 –, wird das Thema der hormonfreien Verhütung immer relevanter.

Viele Frauen würden sich deswegen in einem Dilemma befinden, so Elisabeth Parzer, Sexualpädagogin und Mitarbeiterin im Verhütungsmuseum in Wien gegenüber dem Kurier. So wollen Frauen zwar wirksam verhüten, aber nicht in die natürlichen Abläufe ihres Körpers eingreifen.

Video-Empfehlung

YouTuber und Blogger teilen ihr „Warum“

Diese Stimmung spiegelt sich auch im Netz wieder: In zahllosen Berichten, Videos und Blogeinträgen beschreiben Frauen die Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung und warum sie beschlossen haben die Pille abzusetzen. Allein auf YouTube findet man hunderte Videos, wenn man nach „Pille absetzen“ sucht. Darunter auch große Influencer wie Mrs.Bella oder Dagi Bee.

So schildert der 24-jährige YouTube-Star in einem knapp 15-minütigen Video ihre Erfahrungen mit der Anti-Baby-Pille und warum sie sich entschieden hat sie abzusetzen. So sei sie jeden Morgen mit Kopfschmerzen aufgewacht. „Es gab Tage, an denen es so krass war, dass ich dachte, ich sterbe – die Schmerzen gingen mit keiner Tablette weg“, erzählt Dagi Bee, ihren fast vier Millionen Abonnenten. Zudem sei sie immer extrem launisch und angreifbar gewesen. „Ich war die ganze Zeit auf 180.“

Nach sieben Jahren wollte sie ihrem Körper das nicht mehr zumuten, setzte die Pille ab und entschied sich alternativ schließlich für die Kupferspirale. „Jetzt bin ich richtig entspannt. Mir gehts sehr, sehr gut“, so ihr Fazit nach rund drei Monaten ohne Pille.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn du ebenfalls überlegst die Pille abzusetzen und hormonfrei zu verhüten, gibt es für dich zahlreiche Alternativen: Kupferspirale, Diaphragma, Kupferkette, etc.

Doch Verhütung ist letztendlich eine sehr individuelle Sache. Jede Frau muss selbst entscheiden, was sie mag und was nicht, auf was sie Wert legt und auf was eben nicht. Falls du dir trotzdem unsicher bist, welche Verhütungsmethode für dich die richtige ist, spreche am besten mit deinem Frauenarzt darüber.