Mama ist immer die Blöde – Warum laden wir uns so viel auf?!

Mama ist immer die Blöde – Warum laden wir uns so viel auf?!

Herzlichen Dank auch: Da kümmert man sich um alles, hört solche Sätze wie: „Wenn Mama nicht weiß, wo es ist, ist es wirklich weg!“ und zum Dank dafür zieht man dann die Arschkarte: Mutter ist die Spaßbremse, die immer nörgelt, schnell die Nerven verliert und der man es nie recht machen kann. Unsere Autorin Kristin Ehrhardt hat davon genug – und gibt Tipps für mehr Gelassenheit.

© Unsplash/Ben Blennerhassett
Wie Jongleure halten Mütter das Familienleben in der Hand und zahlen einen hohen Preis dafür © Unsplash/Ben Blennerhassett

Laden Mütter sich selbst zu viel auf?

Für die mentale Last der Mütter gibt es einen Begriff: „mental load“ – wenn Frau alle Bälle gleichzeitig in der Luft hält, Managerin und Ausführende zugleich ist, Anweisungen gibt und das Betriebsklima zu Hause ausgleicht. Müssen Frauen das tun? Reißen sie alles an sich aus Angst vor Kontrollverlust? Wenn das so ist, sollten sie sich aber auch nicht wundern. Bekanntlich wird man die Geister, die man ruft, so einfach nicht wieder los. Bloggerin Cameron Reeves Poynter beschreibt das Phänomen in einem emotionalen Aufsatz auf Facebook: „Ich bin die Hüterin der Stunden- und Terminpläne, der Projekte, Partys und Abendessen. Der Verabredungen und Hausaufgaben.“. Manchmal ziehe sie diese Last so herunter, dass ihr die Luft zum Atmen fehlt und sie Schlafstörungen bekommt.

Ist es die Schuld der Väter?

Selbst wenn der Partner bestmöglich im Haushalt hilft, fühlen sich diese Hüterinnen oft überfordert von dem Gefühl, alles Überblicken zu müssen. Führt dieses Gedanken-Karussell zur Übermüdung, machen sich schnell körperliche Beschwerden bemerkbar und es wird höchste Zeit etwas zu ändern. Wenn Mütter alle Bälle in der Hand haben, warum geben sie dann nicht einige davon ab? Ist es die Schuld der Väter, wenn sie sich darauf ausruhen? Und warum delegieren Frauen nicht einfach und schauen, was passiert?

Mütter wollen nur ein bisschen Verständnis

Dana Schweiger sprach dieses heikle Thema vor ein paar Jahren öffentlich an. Die Reaktion der Öffentlichkeit: Aha, dann muss Till Schweiger ja ein mieser Vater sein. Das wollte sie damit sicher nicht sagen. Aber auch, wenn das Thema innerhalb der Familie laut wird, ist es meistens der Partner, der sich beleidigt in sein Schneckenhaus zurückzieht – nach dem Motto: „Ja, jetzt heißt es wieder, ich übernehme nicht genug Aufgaben!“ Dabei wollen Mütter einfach nur ein bisschen Verständnis. Sie haben tausend Termine im Kopf, wollen das alles funktioniert und niemand vergessen wird! Aber haben betroffene Frauen oft nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst und ihr Familienleben? Einen Gang zurückschalten und beobachten hilft.

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5 Tipps für mehr Gelassenheit

Alles organisieren und dann noch Abneigung ernten – das hält die stärkste Frau nicht aus. Diese Tipps zeigen Frauen einen Weg zu mehr Gelassenheit und helfen die Dinge distanzierter zu betrachten:

#1 Ansprüche zurückschrauben
Perfekt sein zu wollen, schadet am meisten. Damit überforderte Mütter wieder zu sich selbst finden, sollten sie ihre eigenen Ansprüche überdenken: Müssen die Fenster jetzt geputzt werden? Will ich heute Abend überhaupt etwas Warmes kochen? In Stresssituationen reichen Brot und Käse vollkommen aus und niemand verhungert.

#2 Sich eine Auszeit nehmen
Eine kleine Auszeit übers Wochenende kann Wunder wirken – mit Freunden oder ganz allein. Auch wenn die Familie maulen wird, ist das eine geeignete Möglichkeit für gestresste Mütter, mal abzuschalten und den Verpflichtungen zu entkommen. Das Gefühl, sich nur um sich selbst kümmern zu müssen, ist großartig. Nebenbei lernen die Lieben daheim mehr Selbstkontrolle und Verantwortung.

#3 Check- und To-Do-Listen schreiben
Diese Listen zu schreiben ist meist kein Problem. Allerdings sollten sie am besten von allen Familienmitgliedern festgelegt werden, so kann jeder mitbestimmen und lernt Kompromisse einzugehen. Das Schwierige dabei ist, sie im Auge zu behalten und zu überwachen. Damit diese Aufgaben nicht wieder an der Mutter hängen bleiben: Regeln vereinbaren. Im besten Fall sind alle eingebunden, lernen viel und es bleibt mehr Raum für wirklich wertvolle Familienzeit.

#4 Gemeinsame Putzpartys
Das Wichtigste dabei: klare Anweisungen. Hier kann der Partner sein Talent unter Beweis stellen. Ähnlich wie bei den wöchentlichen To-Do-Listen erstellt die Familie gemeinsam einen Plan, was in der nächsten Stunde erledigt sein soll. Um die Kinder zu motivieren, könnte eine schöne Belohnung locken. Dann heißt es: ran an die Putzeimer und Musik an. Kinder lieben das Gefühl, etwas erledigt zu haben. Mit klaren Zeitgrenzen und wenn alle gemeinsam anpacken wird es viel konkreter und absehbarer als das ewige „Räum dein Zimmer auf“. Danach sind die Kinder viel ausgeglichener und vergessen darüber oft die Belohnung.

#5 Im Moment leben
Die Wäsche einfach mal Wäsche sein lassen und lieber Bücher anschauen? Geht nicht – gibt’s nicht! Wenn wir ständig unter Höchstleistungen stehen, ohne uns eine Pause zu gönnen, fallen wir hinten runter. Deshalb: nicht schon beim Geschirrspüler ausräumen an den Einkauf von morgen denken! So banal es auch klingt: Mütter neigen dazu, ihr Multitasking zu übertreiben. Weniger ist mehr – ungeliebte Tätigkeiten lieber delegieren.

Quellen:
Natalie Klüver: Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein. Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter, Hörbuch, Trias 2019
https://www.welt.de/icon/iconista/article187903992/Mental-Load-Wenn-Muetter-und-Frauen-sich-ueberlastet-fuehlen.html (letzter Zugriff: 03.04.2019)
https://heuteistmusik.de/mental-load-wenn-muetter-nicht-mehr-koennen/ (letzter Zugriff: 03.04.2019)
https://www.sueddeutsche.de/leben/vip-klick-dana-schweiger-mutter-ist-immer-die-bloede-1.1183953 (letzter Zugriff: 03.04.2019)