„Frech, laut, kleinkriminell“: Warum meine Kids ihre Freunde trotzdem selbst wählen

Kinder sitzen zusammen
Ich funke ihnen nicht dazwischen...
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Sie sind respektlos, „frech wie Oskar“ und bisweilen sogar richtig kleinkriminell: Manche Freunde unserer lieben Kleinen sind für uns der blanke Horror. Mama Anja verrät, wie man mit Giftzwergen umgeht – und dabei die eigenen Kinder immer wieder animiert, sich möglichst nur die guten Seiten abzuschauen.

Manche Menschen mag man eben (nicht)

Es ist ja zum Glück nicht so, dass man jeden einzelnen Menschen aus seinem sozialen Umfeld mögen muss. Und so gibt es eben auch „kleine Menschen“ – Freunde meiner beiden Jungs in diesem Falle –, die sich so richtig bei mir „eingeschleimt“ haben, höflich sind, charmant und witzig, die mag ich. Aber andere fallen mir mehr oder weniger auf den Wecker. Ich will auch da bei der Wahrheit bleiben. Geht es euch da etwa anders?

Zocken, zocken und nochmals zocken …

P. (10) und K. (7) haben zum Beispiel Freunde, die gern – und viel – zocken. Bei uns zu Hause und auch unterwegs gibt es eine „Medienzeit“ von täglich etwa 90 Minuten, eine halbe Stunde davon „sollte“ einer bestimmten Lernplattform gewidmet sein: Hier lösen sie Aufgaben, sammeln dabei virtuelle Münzen“ und können sich davon zur Belohnung Spiele „kaufen“. Sie stehen da total drauf. Aber das ist jetzt ein anderes Thema und steht wieder auf einem neuen Blatt geschrieben.

: Sinnvoll vor dem Bildschirm

Die beiden entsprechenden Kumpels meiner Jungs jedenfalls dürfen länger fernsehen und sich durch Videogames schleusen. Und ich sorge eben dafür, dass die kleinen Gäste eher draußen oder gemeinsam in den Kinderzimmern spielen – ein nicht immer einfaches Unterfangen. Aber „wir“ sind ja kreativ …

„Nur“ eine Stunde täglich Medienzeit? Unrealistisch.

Beim umgekehrten Fall – wenn nun also meine Söhne bei den Freunden zu Gast sind – schreibe ich deren Mutter jetzt immer eine Nachricht à la: „P. und K. haben noch eine halbe Stunde Medienzeit.“ Sie weiß dann schon Bescheid, rollt wahrscheinlich mit den Augen und macht aber freundlicherweise den Screen aus – welchen auch immer. (Was ich sehr rücksichtsvoll finde.)

: Geht schneller als gedacht

Warum ich das mit der Bildschirmzeit überhaupt so genau nehme, wollt ihr vielleicht wissen? Das tue ich streng genommen ja gar nicht. Denn eigentlich – so steht es hier und da geschrieben –, sollten Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren täglich möglichst nicht länger als 45 Minuten fernsehen oder Online-Medien konsumieren. Jaja, ich weiß: Unsere 90 Minuten klingen da verhältnismäßig viel, aber mal ehrlich: (Grund-)Schulkinder lernen heute auf „Online-Whiteboards“, im Unterricht schauen sie dann und wann Videoclips und so weiter …

Was bleibt da am Ende noch an Glotz- und Zockzeit für zu Hause? Genau: ungefähr minus irgendwas. Niemand kann doch diese empfohlenen 45 Minuten wirklich einhalten! (Jaaa, schon gut, einige können das natürlich – herzlichen Glückwunsch!)

Nicht das Kind an sich kritisieren, sondern sein Handeln

Jetzt bin ich stark auf das Thema Medien eingegangen, doch da gibt es ja noch so viele andere. Da dies hier aber ohnehin „nur“ eine Kolumne und kein Dossier ist, werde ich es einfach mal dabei belassen. Eines aber noch: Ich finde es wichtig, meinen Kids zu erklären, was ich als Mutter bei ihren Freunden toleriere und was nicht. Ihr eigenes „Wertesystem“ werden sich die Jungs ohnehin im Laufe der Zeit selbst entwickeln und aneignen – und ich kann ihnen auch hier nur Vorbild sein. Deshalb ist mir auch so wichtig, meinen Buben zu zeigen, dass ich nicht ihre Freunde persönlich kritisiere, sondern lediglich deren Verhalten.

Übrigens bin ich damit nicht allein. Papa Markus geht es genauso: Warum er die Freunde seiner Tochter nicht ausstehen kann.

Schau Dir das Coole ab

Okay, ein kleines Beispiel geht vielleicht doch noch: Würde ich beispielsweise merken, dass mein Siebenjähriger einen älteren Schüler anhimmelt, der offensichtlich klaut oder haut, würde ich zunächst einmal nachfragen, was ihn an seinem Kumpel eigentlich so fasziniert, um es zu verstehen – und ihm aber auch gleich erklären, warum Stehlen oder Schlagen keine guten Ideen sind.

Gerne wende ich folgende Bemerkung an: „Hey Schatz, schau Dir gern die Dinge bei Deinem Kumpel ab, die Du cool findest, aber bitte nicht die doofen.“ (Über die wir dann ja bereits geredet haben.) Diesem Satz lasse ich ein Augenzwinkern folgen.

Denn: Verstehen kleine(re) Kinder überhaupt, was genau denn „schlechtes“ Verhalten ist? Ich gehe in einem solchen Fall noch einen Schritt weiter und unterhalte mich mit dem betreffenden Kind und seinen Eltern. Letzteren teile ich mit, dass ich im Verhalten ihres Kindes eine persönliche Grenze überschritten sehe.

Kinder sollten ihre Freunde selbst wählen dürfen

Nichts gegen meine Intuition oder so, aber die Wahl ihrer Freunde ist für mich vor allem eines: Sache meiner Kinder. Und wenn es gar keinen Grund für Antipathie gibt? Dann versuche ich meine Abneigung zu hinterfragen und ich bleibe am Ball: an meinem Kind dran, mit ihm im Gespräch.

Eines aber kann ich immer versuchen: entspannt zu bleiben, auch hier. („Ich bin cool. Ommm … Ich bin sooo cool, HILFE, das darf doch wohl nicht wahr sein?!“ Genau.)