Früher normal, heute verpönt: Was in den 90ern Standard war

Kind spielt am Gameboy
Wie die Zeiten sich geändert haben
© Pexels / Cottonbro Studio

Ich bin ein Kind aus den 80ern und hatte in den 90ern meine Kindheit und Jugend. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, fallen mir zu der Kindheit meines Kindes viele Unterschiede auf. Was früher zu meiner Zeit völlig normal war, ist heute teilweise sogar verboten, zumindest verpönt oder einfach nicht mehr gängig.

Fernsehen bis der Arzt kommt

So war es völlig normal, dass nach dem Kindergarten oder der Schule erst einmal der Fernseher angemacht wurde. Und dann teilweise auch den ganzen Nachmittag gelaufen ist. In der heutigen Zeit haben die Eltern die Medienzeit ihres Nachwuchses genau im Blick. Maximal eine halbe Stunde am Tag, das muss reichen. Und das, obwohl uns Fernseher, Tablets und Smartphones zur Verfügung stehen und so gut wie überall diverse Streamingdienste installiert sind.

Es wird immer aufgegessen

War dann das Abendessen fertig, wurde der Fernseher ausgestellt, aber es kamen neue fragliche Regeln auf. Grundsätzlich wurde nur eine Mahlzeit gekocht (ok, das ist in vielen Familien heute noch so). Es gab keine Sonderwünsche, und das was auf den Tisch kam, wurde auch aufgegessen. Da war nichts mit „Ich hab keinen Hunger mehr“. Es wurde erst aufgestanden, wenn der Teller leer war. Ich erinnere noch an einen Tag bei meiner Oma. Es gab Erbsensuppe. Sie stellte mir einen riesigen Teller voll hin. Ich fand die Suppe total eklig und ich musste sie mir reinzwingen, sonst hätte ich nicht mehr aufstehen dürfen. Ich löffelte und löffelte, der Teller schien gefühlt nicht leer zu werden. Als ich dann endlich fertig war und aufstehen durfte, kam mir die Suppe wieder hoch und der Teller war wieder voll… Ohne Witz…

Kein Trinken zum Essen

Und dann gab es zumindest bei meiner Oma noch eine ganz komische Regel: Kein Trinken zum Essen. Ich fand das fürchterlich nervig. Jetzt im Nachhinein kann ich es irgendwie noch nachvollziehen: So wollte man früher vermeiden, dass man den Bauch mit Wasser voll macht und dann nicht mehr genug isst.

Welche Essens-Regeln Papa Markus heute noch wichtig sind, verrät er hier.

Frühstück

Mein Frühstück bestand früher meist aus Milchschnitte. Ich erinnere mich sogar noch, als wäre es gestern an die Werbung von Milchschnitte. Dass es sich hierbei um eine ausgewogene Mahlzeit für Kinder handelt.

Zucker

Generell wurde auch nie auf den Zuckerkonsum geachtet. Überall war massig Zucker drin. Ich durfte auch alles essen. Die Süßigkeitenschublade bei mir zu Hause, war in einer für Kinder gut zugänglichen Höhe, sodass man sich immer bedienen konnte. Natürlich. Was auch sonst. Wie viel Kinder am Tag überhaupt naschen sollten, liest du hier.

Trinken

Den ganzen Tag über war es so, dass ich gefühlt ohne ein Getränk ausgekommen bin. Heute schaue ich darauf, dass meiner Tochter immer, egal wohin sie geht und wie lange sie dort ist, ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Ich kam quasi ohne Flüssigkeit durchs Leben bis ich 10 war *lach*.

Und dann gab es da noch Kinder in meinem Bekanntenkreis, da konnte ich mich noch gut daran erinnern, dass die im Kindergartenalter schon Cola bzw. Spezi konsumiert haben. Undenkbar heute.

Rauchen und Trinken

Am Wochenende oder auf Geburtstagsfeiern wurde grundsätzlich Alkohol vor den Kindern getrunken und auch in geschlossenen Räumen ohne groß nachzudenken geraucht. Ebenso war es total normal, dass mein Papa im Auto geraucht hat, wenn ich mit im Wagen saß. Mich hat es damals aber auch nicht gestört. War eben normal. Heute erntet jeder, der es auch nur wagt in der Nähe meines Kindes eine Zigarette anzustecken, böse Blicke oder sogar Kommentare von mir.

Zigaretten holen

Genauso üblich war es, dass der Nachwuchs damals los geschickt wurde, um Zigaretten für die Eltern zu kaufen. Heutzutage undenkbar…

Ohne „Überwachung“ aus dem Haus

Sommerferien. Wir sind morgens aus dem Haus gegangen und Abends, wenn es dunkel wurde, wieder heim gekommen. Ach, wie schön war diese unbeschwerte Zeit! Auch meine Tochter genießt ein relativ „freies“ Leben, da wir in einer Neubausiedlung wohnen. Jeder hat Kinder, jeder kennt jeden und auch hier sind die Kinder den ganzen Nachmittag zusammen draußen unterwegs. Allerdings ist es schon so, dass sich immer mindestens ein Erwachsener verantwortlich fühlt und ein Auge bei den Kindern hat.

Sonnenschutz

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich mich im Sommer mit Sonnencreme eingecremt hätte. Lediglich wenn wir im Urlaub am Strand waren, war das normal sich einzucremen. Ansonsten total unüblich. Heute werden die Kinder schon früh vor dem Kindergarten einmal von oben bis unten eingefettet und dann ab auf den Spielplatz. Danach sehen sie aus wie kleine panierte Schnitzel. Bei besonders sonnigen Tagen wird natürlich mehrmals am Tag großzügig nachgecremt.

: Wer ist verantwortlich?

Eislaufen und Schlitten fahren ohne Aufsicht

Die Freiheiten, die wir im Sommer genossen haben, gab es auch im Winter. Wenn der See dick zugefroren war, oder beim nächsten Hügel genug Schnee lag: Eine Mama hat so viele Kinder ins Auto geladen, wie eben reingepasst haben (teilweise sind wir sogar im Kofferraum sitzend mitgefahren) und wurden dann an unserem Ziel abgeladen.

„Fahrt nicht zu weit mit dem Schlitten da rüber, da ist eine Schlucht!“ und „Geht nicht in diese Ecke, da sieht das Eis recht dünn aus, nicht das ihr einbrecht!“ wurde uns noch mit auf den Weg gegeben.

Dann stieg die Taxi-Mama wieder ins Auto und war weg. Wir Kinder waren komplett alleine. Von einem Erwachsenen fehlte jede Spur. 2 Stunden später kam eine andere Mama und lud alle durchgefrorenen Kinder wieder ein und brachte sie nach Hause. Aufsichtspflicht? Ach nicht so wichtig…

Autofahren

Kindersitz? Sitzerhöhung? Was soll das denn sein? Ich weiß zwar nicht mehr wie ich als Baby transportiert wurde, aber meine früheste Kindheitserinnerung war, dass ich halt auf der Rückbank saß oder lag. Gurt? Nein danke. Auch auf langen Autofahrten in den Urlaub wurde mir auf der Rückbank ein Bett gezaubert. Auch hier war der Gurt Fehlanzeige. Ich lag da halt rum.

Eingewöhnung in Krippe und Kindergarten

Krippe was? Als ich ein Kind war, gab es sowas wie eine Krippe noch gar nicht. Zumindest nicht in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Mamas waren grundsätzlich bis das Kind 3 Jahre alt war, mit dem Kind zu Hause. Erst als es dann in den Kindergarten ging, hat die Mama angefangen, für ein paar Stunden in der Woche wieder zu arbeiten – wenn nötig.

Denn schließlich brachte der Papa ja zu den damaligen Verhältnissen oft ausreichend Geld mit nach Hause, sodass die Mama gar nicht mehr gearbeitet hat. Und als der Kindergarten dann endlich losging, wurde das Kind von Tag 1 an einfach dort abgeladen. Eingewöhnung? Fehlanzeige. Frei nach dem Motto: „Die merken schon, wie es hier läuft!“

Hand geben und Küsschen

„So und gib der Tante jetzt mal schön die Hand!“ Oder „Oma Erna hätte gerne ein Küsschen von dir!“ Oh wie habe ich diese oder ähnliche Sätze gehasst als Kind. Vor allem für alle schüchternen Kinder kann das eine ganz schöne Bürde sein. Zum Glück ist das heute nicht mehr so.