Wenn die Kleinen flügge werden, ist das für Mama gar nicht so leicht

Wenn die Kleinen flügge werden, ist das für Mama gar nicht so leicht

Eigentlich will man seine Kinder ja zur Selbstständigkeit erziehen – wenn man dann aber das erste Mal merkt, dass man nicht mehr so sehr gebraucht wird, wie vorher, kann das auch echt hart sein. Wie unsere Autorin und Mama Daniela Kirschbaum das bei ihrem Sohn erlebt hat, erzählt sie hier.

Mädchen läuft einen Flur entlang
Die ersten Schritte zur Selbstständigkeit sind hart - auch für die Eltern. © Unsplash / Hugues de Buyer Mimeure

Eltern kennen ihn nur zu gut: Den Moment, wenn man zum ersten Mal mit Schrecken feststellt, dass man nicht mehr gebraucht wird. Sei es, weil der Nachwuchs, ohne sich auch nur umzudrehen, in seine Kindergartengruppe saust, Mama und Papa vom Kindergeburtstag des Kumpels weggeschickt werden oder das Feriencamp ohne Familie überhaupt kein Problem ist! So ging es mir auch.

Mit Kindern rast die Zeit

Gerade eben war er doch noch mein kleines Baby, das sich keine Sekunde lang von der mütterlichen Brust lösen ließ, und plötzlich kann es ihm gar nicht schnell genug gehen, mich loszuwerden. So zumindest mein Gefühl! In Wahrheit liegen zwischen diesen beiden Momenten durchaus ein paar Jährchen, wenngleich es mir vorkommt, als wäre das schutzbedürftige Baby doch gerade erst gestern in meinen Armen gelegen.

Ohne Mama und Papa? Für unseren Sohn kein Problem!

Unser Älterer zeichnet sich durch sein als furchtlos zu beschreibendes Temperament aus. So kam es also, dass die ersten „Das schaff‘ ich schon alleine“-Situationen nicht lange auf sich warten ließen. Seine Eingewöhnung im Kindergarten sah so aus, dass er bereits nach den ersten paar Minuten zu mir getrabt kam und mich fragte, ob ich denn nicht endlich gehen möchte. Besuche bei Freunden oder Kindergeburtstage lösten bei ihm nie die herzzerreißenden Abschiedsszenen aus, wie ich sie bei anderen Kindern und deren Eltern beobachten konnte. Mein Sprössling schien schon beim Betreten eines fremden Hausflurs vergessen zu haben, dass da noch eine Mama steht, von der man sich eventuell verabschieden könnte. Erster Schultag, erste Übernachtung außerhalb, erste Klassenfahrt – alles kein Problem!

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Braucht unser Sohn uns wirklich so wenig?

Ich gebe es gerne zu: Manchmal habe ich mir fast ein paar Tränchen zum Abschied gewünscht, nur um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie es ist, so richtig vermisst zu werden. Ich weiß, ich weiß, das ist dumm von mir! Immerhin hat ein Verhalten, wie das von meinem Sohn, doch gar nichts damit zu tun, dass das Kind einen nicht vermisst. Es findet sich in Situationen ohne seine Eltern einfach bloß problemlos zurecht.

Darüber sollte man sich freuen, denn immerhin ermöglicht das dem Sprössling viele gute Erfahrungen, ganz unabhängig von Mama und Papa. Und erst neulich hat mir eine befreundete Mama gestanden, wie sehr sie mich beneidet, weil mein Sohn so selbständig und entspannt ist. Sie selbst würde alles dafür geben, wenn bei ihrem Kind eine simple Klassenfahrt nicht schon Wochen vorher Panikattacken auslösen würden.

Wenn Kinder flügge werden: Vorteile genießen!

So hat eben alles im Leben Vor- und Nachteile. Zwar gibt es einem manchmal vielleicht einen kleinen Stich, wenn sich das eigene Kind gar so leicht löst, aber natürlich ist der positive Nebeneffekt nicht von der Hand zu weisen. Ich habe mir zum Beispiel noch nie ernsthaft Gedanken darüber machen müssen, ob unser Kind ohne uns auch wirklich zurechtkommt. Und die kinderfreie Zeit, sobald der Nachwuchs flügge wird, ist ja durchaus nicht schlecht. Übrigens: Unsere Tochter ist die Light-Version von ihrem Bruder. Auch sie hat ohne Mama und Papa keine gröberen Schwierigkeiten, wenngleich sie die Abschiede durchaus etwas in die Länge zieht und uns nicht sofort wegschickt. Manchmal habe ich direkt das Gefühl, das macht sie für mich und mein Seelenheil. Gutes Kind!