Alleinerziehend: "Wenn ich mal krank bin, bricht alles zusammen!"

Alleinerziehend: „Wenn ich mal krank bin, bricht alles zusammen!“

Unsere Autorin Nora Henze ist schon seit der Geburt ihres Sohnes alleinerziehend. Vor allem bei Familien mit nur einem Elternteil gilt eine Situation als der Super-GAU: Was passiert, wenn ich mal richtig krank bin? Hier erzählt sie, wie sie mit dieser Situation umgegangen ist.

Frau liegt krank im Bett
Als Elternteil krank zu werden ist immer sehr anstrengend. Doch gerade für Alleinerziehende ist die Belastung riesig. © Unsplash / Gregory Pappas

Zum Glück ist mein Sohn jetzt schon älter und ich weiß, dass er theoretisch alleine klarkommen würde, wenn ich mal richtig ans Bett gefesselt bin.

Aber das war ja nicht immer so. In den letzten 12 Jahren war ich selten der Verzweiflung so nahe wie mit Fieber, total kaputt und Kotzarien auf der Toilette. Nie war mir so sehr bewusst, dass ich zu 100 Prozent alleine die komplette Verantwortung für meinen Sohn trage wie in diesen Situationen.

Wer versorgt jetzt mein Kind?

Das ist die erste brennende Frage, die dazu führte, dass ich mich im Krankheitsfall eben nicht einfach mal ausruhen, Netflix schauen und chillen konnte, sondern buchstäblich fieberhaft nach Möglichkeiten suchte, den Kleinen nicht sich selbst überlassen zu müssen. Einkaufen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Essen machen? Geht nur ohne Kreislaufprobleme und Übelkeit mit Brechreiz. Kind beschäftigen, damit es nicht auf dumme Ideen kommt? Nach spätestens 30 langweiligen Minuten mit kranker Mutter im Bett, kommt leider JEDES Kind auf dumme Ideen.

Und wer zieht mein Kind an, bringt es ins Bett, putzt mit ihm Zähne, bringt es in die Kita und wechselt ihm die Windeln? Leider stand bei mir weit und breit weder Familie noch Kindsvater zur Verfügung, was ich im Nachhinein mit nur einem Wort beschreiben kann: Dilemma!

Woher bekomme ich Hilfe?

Nun gibt es zum Glück, wenigstens auf dem Papier, die verschreibungspflichtige Haushaltshilfe der gesetzlichen Krankenkassen. Heißt: Auf jeden Fall zum Arzt gehen, Leid schildern, Formulare ausfüllen und hoffen. Die Verschreibung zu bekommen heißt nicht automatisch, dass auch eine Haushaltshilfe zur Verfügung steht. Diese Erfahrung musste ich leider auch machen. Nach mehreren Telefonaten, Arztbesuchen (natürlich mit gesundem Kind und stundenlangem Warten: der Horror!) fühlte ich mich kränker als vorher und Haushaltshilfen waren leider „aus“.  Was also tun?

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Ich musste meine Ansprüche runterschrauben

Anders war es nicht möglich. Was nicht geht, geht nicht. Und deshalb hatte ich auch kein schlechtes Gewissen, als ich krank im Bett lag und mein Sohn:

  • sich langweilen musste und zwar fürchterlich
  • vor dem Fernseher geparkt wurde
  • Tiefkühlpizza essen „musste“
  • die Klamotten vom Vortag trug
  • in einer ungeputzten Wohnung hausen musste

Er hat es bestens überstanden.

Aktiv nach Hilfe fragen

Wir denken immer, wir müssen alles alleine schaffen. Das stimmt aber nicht! Um Unterstützung zu bitten ist eher ein Zeichen von Stärke als von Schwäche. Deshalb habe ich mir ein Herz gefasst, alle meine Freunde abtelefoniert und konkret geschildert, was ich brauche. Mal bei Nachbarn zu klingeln, die man als freundlich in Erinnerung hat und um ein bisschen Hilfe bei der Kinderbetreuung zu bitten, ist auch keine Schande. Die meisten freuen sich sogar, wenn sie helfen können.

Und wenn ich selbst bemerke, dass meine alleinerziehende Nachbarin auffallend blass um die Nase ist, biete ich auch gerne selbst meine Hilfe an, denn ich weiß: Ich könnte wieder die Nächste sein!