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Bloggerin erklärt, wie man NICHT mit frischgebackenen Müttern umgehen sollte

Nach der Geburt ausruhen, das Baby kennenlernen und mit den potenziellen Geburtsverletzungen klarkommen: Das ist für die allermeisten Frauen eine reine Wunschvorstellung. Stattdessen herrscht reges Besucheraufkommen im Krankenzimmer – schließlich will jeder das neue Baby kennenlernen. Wie anstrengend so ein Besuch vor allem für die Mutter sein kann, hat Bloggerin Katie Bowman in einem Facebook-Beitrag erzählt.

Wenn das Wochenbett zum Stresstest wird.
Wenn das Wochenbett zum Stresstest wird.
©Bigstock/Natalia Deriabina

„Ein Bild sagt wirklich mehr als 1.000 Worte.“

Hängende Schultern, trauriger Blick, die Erschöpfung steht dieser Mutter ins Gesicht geschrieben: Glück und Euphorie sehen irgendwie anders aus. Auf Facebook teilt Katie Bowman ein Foto, dass sie knapp einen Tag nach der Geburt ihres Kindes zeigt. Dazu schreibt sie:

„Ein Bild sagt wirklich mehr als 1.000 Worte. Das bin ich, etwa 24 Stunden nach der Geburt meines Ältesten. Ich habe keine Ahnung, wer das Foto gemacht hat, aber du kannst wahrscheinlich schon ahnen, wie ich mich fühle.“

A picture really is worth 1000 words. This is me, roughly 24 hours after giving birth to my eldest. I have no idea who…

Gepostet von Living My Family Life am Dienstag, 3. Dezember 2019

Die Wünsche der Neu-Mama werden oft vergessen

Viele Mütter befinden sich nach der Geburt in einer ähnlichen Situation. Statt zur Ruhe kommen zu können, wird ihr Zimmer zum Hauptquartier für frisch gebackene Geschwister, Großeltern, Tanten und Co. Schließlich will jeder den kleinen Knirps kennenlernen und den frischgebackenen Eltern gratulieren. Oft wird dabei allerdings vergessen, dass die Mutter darauf möglicherweise gar keine Lust hat. Genau davon erzählt Katie Bowman in ihrem ehrlichen Facebook-Post. Alles, was sie sich wünscht: Ein bis zwei Tage.

„Ist das zu viel verlangt? Ein bis zwei Tage für die neue Mutter, damit sie damit klarkommen kann, dass gerade ein kleiner Mensch aus ihrem Körper gekommen ist. Ein oder zwei Tage, damit sie endlich mal duschen und den Schweiß und das Blut von ihrem Körper waschen kann. Ein oder zwei Tage, damit sie die Schmerzen der Geburt überstehen kann, mit ihren wunden Brustwarzen klarkommt und ohne Zuschauer lernen kann, wie man stillt. Ein oder zwei Tage, damit sie ein klein wenig schlafen kann, denn sie ist so unfassbar erschöpft.“

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Wenn im Krankenzimmer „Überreiche das Paket“ gespielt wird

Die Besucher seien dann auch nur auf das Baby fokussiert. Und die Neu-Mama? Die muss nicht nur mit den Geburtsverletzungen und Brustwarzen-Schmerzen umgehen, sondern auch noch dabei zusehen, wie ihr Baby im Stil von „Übereiche das Paket“ einem nach dem anderen in die Arme gedrückt wird.

Außerdem ist die Kamera-Dichte während der ersten Tage im Krankenzimmer sehr hoch, denn jeder will ein Foto von dem Baby – nur von dem Baby. Bowman schreibt, dass jeder ein Foto mit ihrer Tochter wollte. Irgendwann musste sie fragen, ob auch mal jemand eines mit ihr und ihrer Tochter knipsen könnte. Dass sie als Mutter nur ein einziges Foto von sich und ihrem Baby nach der Geburt hat, findet Bowman besonders traurig.

Kein Besuch = egoistisch?!

Der Australierin geht es übrigens nicht darum, Besuch generell abzulehnen. Dass so viele Menschen das neue Baby sehen und in die Arme schließen wollen, ist ja eigentlich etwas sehr Schönes. Vielmehr appelliert sie an das Feingefühl der Besucher, zu respektieren, wenn eine Mutter unmittelbar nach der Geburt keine Lust und vor allem Nerven für einen Besuchsmarathon hat. Für viele Frauen ist es aber schon schwer diesen Wunsch überhaupt zu äußern. Denn möchte man keinen Besuch, gilt man als egoistisch. Sie schreibt:

„Es geht um Leute wie mich, die ihre Familie darum gebeten hatten, vielleicht einen oder zwei Tage mit dem Besuch zu warten. Und die dann so getan haben, als wolle ich sie nicht am Leben des Babys teilhaben lassen.“

„Dieses Bild bricht mir das Herz“

Bowmans Schilderungen sind ganz schön heftig, aber den Reaktionen nach zu urteilen, spricht ihr Beitrag vielen Frauen direkt aus der Seele. Über 94.000-mal wurde ihr Post inzwischen geteilt, hat knapp 14.000 Kommentare und mehr als 46.000 Reaktionen (Stand: Januar 2020). Die meisten danken ihr für die ehrlichen Worte und berichten über ähnliche Erfahrungen:

„Dieses Bild bricht mir das Herz. Alles, was du schreibst, ist so wahr. Die Tante und die Oma meines Ehemannes sprechen noch immer nicht mit uns, weil wir sie darum gebeten hatten, nach der Geburt unseres Sohnes einige Tage mit ihrem Besuch zu warten. Ich war so überfordert. Das ist jetzt sieben Jahre her.“ -Tiffany Koonter

Eine andere Userin kommentiert:

„Ich liebe diesen Beitrag. Ich habe meiner Schwiegermutter bereits mitgeteilt, dass ich keine Besucher im Krankenhaus haben möchte. Sie ist damit nicht besonders glücklich, aber ganz ehrlich mir ist das egal. Es ist den Stress einfach nicht wert.“ -Aubrey Wheeler

Was lernen wir daraus?

Du bist mit deinen Gefühlen nicht allein, wenn du also keinen Besuch willst, ist das dein gutes Recht. Für die andere Seite gilt: Auch wenn es dir schwerfällt den süßen Neuankömmling nicht sofort zu knuddeln, warte drei Tage und gib‘ der Neu-Mama Zeit. Denn „ein neues Baby zu besuchen, ist kein Recht, sondern ein Privileg“, wie Bowman am Schluss ihres Beitrags schreibt.