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„Zu grafisch“: Dieser Wochenbett-Werbespot durfte nicht ins Fernsehen

vonLisa Klugmayer

Ein Werbespot, der die Realität im Wochenbett abbildet. Was könnte daran schlecht sein? Anscheinend so einiges.

vonLisa Klugmayer
Wieso ist der weibliche Körper noch immer so ein großes Tabu?
Wieso ist der weibliche Körper noch immer so ein großes Tabu?
©Unsplash/Arren Mills

Schluss mit Klischees: So ist es wirklich!

In der Werbung ist das Wochenbett meistens eine klischeebeladene Wunschvorstellung voller Einhörner und Regenbogen: Mit strahlendem Teint und straffem Bauch kuschelt sich die Neu-Mama an ihr friedlich schlafendes Baby. Dass die Tage nach der Geburt in Wirklichkeit ganz anders aussehen, scheint hier erstmal keine Rolle zu spielen. Die amerikanische Marke „Frida“, die Pflegeprodukte für Frauen nach der Geburt herstellt, will genau das ändern. Der Werbespot hat es allerdings nie ins Fernsehen geschafft, weil er als unangemessen eingestuft wurde.

 

Was ist zu sehen?

Ein postpartaler, nicht flacher Bauch. Krankenhausunterwäsche mit einer großen Binde. Schwierigkeiten und Schmerzen beim Toilettengang – und im Hintergrund ein weinendes Baby. Kurz gesagt: Die ersten Tage nach der Entbindung. Der Werbespot gibt einen ehrlichen Blick auf das Wochenbett. Während der Oscarverleihung durfte die Werbung aber nicht im Fernsehen gezeigt werden.

Wochenbett und Geburt genauso unerwünscht wie Waffen und Politik

Der knapp einminütige Spott zeigt die ungeschönte Realität auf ästhetische Art und Weise. Wo liegt also jetzt das Problem? Der Spot verstoße gegen die Werbe-Guidelines der Academy Awards und wurde deswegen vom Vorstand abgelehnt. Laut den Instagram-Posting von „Frida“ seien neben Waffen, Gewalt und Politik auch das Thema „weibliche Hygiene“ nicht angemessen, um als Werbeclip gespielt zu werden.

Das Unternehmen schreibt außerdem, dass ihre Werbung „zu grafisch“ sei, um in den Werbepausen der diesjährigen Oscars ausgestrahlt zu werden. Das Unternehmen endet ihren Post mit:

„Und wir fragen uns, warum sich junge Mütter unvorbereitet fühlen.“

Hier kannst du den umstrittenen Werbespot ansehen und dir dein eigenes Bild machen:

Frauenhygiene: Noch immer ein No-Go

Der Werbespot zeigt nicht nur die Realität nach der Geburt, er spricht auch das ewige Tabuthema der weiblichen Hygiene an. Alles was nur in entferntesten mit „Frauen-Angelegenheiten“ zu tun hat, wird in den Medien mit Samthandschuhen angefasst. Von Tampon-Werbungen mit blauer Flüssigkeit, die das Periodenblut darstellen soll, bis hin zu Frauen, die durch ihren Still-BH Milch pumpen, damit man auf keinen Fall ihre Brustwarzen sehen kann.

Fakt ist: Frauen, die gerade entbunden haben, haben Nachblutungen und brauchen Binden. Und ja, diese Binden sind riesig und erinnern an Windeln. Das ist vielleicht nicht super schön, aber die Realität für Millionen von Frauen. So oder so ähnlich sah das Wochenbett bei jedem von uns aus, wieso ist es also noch immer ein so großes No-Go?

Das Internet ist sich einig: Mehr davon!

Obwohl der Werbespot nie im Fernsehen lief, bekommt er nun doch seine (verdiente) Aufmerksamkeit. Das Unternehmen teilte den Werbespot auf Instagram und YouTube. Die Reaktionen sprechen Bände.

Eine Mutter schreibt:

„Danke, dass ihr so eine starke Werbung kreiert habt. Wenn niemand darüber spricht, ist es auch kein Thema… aber in der Realität ist es wirklich ein Kampf!“

Eine andere Userin kommentiert:

„Diese Werbung spiegelt genau das wider, was ich nach der Geburt meines Sohnes gefühlt habe. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, was mich erwarten würde. […]“

Und auch Schauspielerin Busy Phillips meldete sich zu Wort. Auf Instagram schreibt sie:

„Ich bin davon überzeugt, dass es unserer Kultur und Gesellschaft besser gehen würde, wenn wir die KÖRPERERFAHRUNGEN EINER FRAU IN DEN MEDIEN NORMALISIEREN. […] Ich finde, dass es sich hier um eine großartige Werbung handelt, die etwas zeigt, dass Millionen von Frauen genauso kennen. Ich habe es so satt, in einer Gesellschaft zu leben, in der der Akt, einfach eine Frau zu sein, von den Torhütern der Medien abgelehnt wird.“

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This is an ad for new post partum products for women-this ad was rejected from ABC(see the repost below from the brand) I legit teared up when I just watched it. Partially because this is clearly an ad made by women who have been there and get it and partially because I DO believe so strongly that the more we can NORMALIZE A WOMAN'S BODILY EXPERIENCE IN MEDIA, the better off our culture and society will be. AND YES THAT MEANS ADS TOO. You probably don't even flinch when an Erectile Disfunction ad comes on but THIS AD IS REJECTED?! I think this is an incredible piece of advertising that accurately represents something millions of women know intimately. And I'm so fucking sick of living in a society where the act of simply BEING A WOMAN is rejected by the gatekeepers of media. Well. Shame on them and NOT on us for simply being human women. Cc: #seeher @seeher2020 #Repost ・・・ This is important. “The ad you’re about to watch was rejected by ABC & the Oscars from airing during this year’s award show. It's not “violent, political” or sexual in nature. Our ad is not “religious or lewd” and does not portray “guns or ammunition”. “Feminine hygiene & hemorrhoid relief” are also banned subjects. It’s just a new mom, home with her baby and her new body for the first time. And we wonder why new moms feel so unprepared.” —ad and words via @fridamom @abcnetwork

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Wir hätten es nicht besser ausdrücken können! 👏👏👏

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