„Weinen, schlafen und arbeiten“ – Die Wochenenden ohne Kinder

Mama sitzt erschöpft auf dem Sofa
Die harte Realität als Single-Mama
© Pexels / Shvets Production

Als frisch-getrennte Mama ist Saskia jedes zweite Wochenende kinderlos. Wie sich diese Tage gestalten und wie aus dem schwierigen Start mittlerweile ein Genuss geworden ist.

Am Wochenende zieht Mama aus

Nach meiner Trennung stand ich nicht nur im Alltag rund um die Uhr allein mit vier Kindern und Hund da, sondern habe seitdem in größter Regelmäßigkeit auch jedes zweite Wochenende ein Wochenende für mich. Da wir uns aktuell im Nestmodell um unsere Kinder kümmern, musste ich mir hier eine Lösung für mich überlegen. Eine gemeinsame Wohnung mit meinem Ex konnte ich mir in keiner Weise vorstellen und eine alte Schulfreundin hat mir eine Art kleine WG angeboten. Sie ist durch ihre Fernbeziehung und komplizierte Jobsituation an vielen Wochenenden nicht da und ich bin mit wenigen Ausnahmen jedes zweite Wochenende in ihrem Arbeitszimmer. Das schenkt mir räumlichen Abstand und klärt ganz viel, denn ich bin dann wirklich richtig raus. Ich kann nicht mal schnell vorbeikommen und sehe auch niemanden, den ich kenne. Gerade für den Beginn hat mir dieser Abstand sehr geholfen.

Mein Walk of Shame

An meinem ersten kinderfreien Wochenende war unsere räumliche Trennung anderthalb Wochen her und der Abschied am Morgen im Kindergarten von meinen zwei jüngeren Kindern war für mich schwierig. Mit etwas Eile gehen und dann hinter verschlossener Tür eine Runde weinen – es war ein bisschen wie zu den Eingewöhnungszeiten. Es war ein seltsames Gefühl mit dem Koffer zum Bahnhof zu gehen. Da unsere Trennung noch nicht so lang her war und es auch nichts ist, worüber man direkt alle informiert, fühlte es sich ein wenig wie ein Walk of Shame der besonderen Art an.

Ein Gefühl, was auch heute, anderthalb Jahre später, noch in mir vertreten ist, wenn Bekannte oder Nachbarn meinen Koffer kommentieren, ohne von der Trennung zu wissen. Irgendwie hat es sich nicht in allen Kreisen verbreitet und durch das Nestmodell sind wir ja auch beide noch hier, was es von außen vielleicht auch schwerer ersichtlich macht, dass wir getrennt sind. Zudem fühle ich mich selten bemüßigt, Menschen, denen ich gar nicht nahestehe, meine Beziehungsverhältnisse zu erklären. Das sind Gespräche, die für alle Seiten minimal unangenehm sind.

Weinen, schlafen und arbeiten

In der anderen Stadt fühlte ich mich zwar auch noch etwas wie Falschgeld, aber das Schamgefühl sank. Und das Betreten der Wohnung meiner jahrzehntelangen Freundin – die an meinem ersten Wochenende nicht da war – fühlte sich an wie ein Nachhausekommen in ein anderes Leben. Hier zeigten sich überall andere Lebensentscheidungen und ich fühlte mich ein bisschen wie in einem wunderschönen Paralleluniversum. Und durch die große Vertrautheit zu meiner so engen Freundin ist es schnell für mich eine Art zweites Zuhause geworden.

: Ein Wochenende für mich

Bei all diesen positiven Gefühlen zeigte sich direkt nach dem Ankommen jedoch auch die Erschöpfung und all die Gefühle brachen aus mir heraus, die zuvor wegen der Kinder keinen Raum hatten. Den Freitagnachmittag verbrachte ich schlicht heulend oder schlafend auf dem Sofa. So unromantisch es klingt: Danach habe ich sehr vernünftig gearbeitet. Denn am Abend reichte meine Energie in der Situation oft nicht, um nochmal zu arbeiten. Und das blieb in den ersten Monaten so. Am Freitag ankommen, all die Gefühle oder Müdigkeit aus dem Alltag herauslassen und dann ab Samstag konzentriert arbeiten.

Neue Rituale und vergessenes Erwachsenenleben

Dann kamen wichtige Rituale für mich hinzu: Sich einen leckeren Kaffee holen. Bei einem längeren Spaziergang die Umgebung kennenlernen, was mit meinem eher bescheidenen Orientierungssinn immer ein Abenteuer ist. Über den Markt schlendern. Am Abend an die nah gelegene Strandbar gehen. Gerade gemeinsam mit meiner Freundin entdeckte ich das ein wenig in Vergessenheit geratene Erwachsenenleben wieder:

  • Einfach einen Spaziergang machen, irgendwo etwas trinken und weiterlaufen
  • Sich keine Gedanken über Wickeltaschen, Ersatzkleidung und müde kleine Beine zu machen, sondern unter Erwachsenen zu laufen
  • Ernste oder witzige Gespräche führen zu können, die nicht unterbrochen werden
  • Unvernünftig spät ins Bett gehen und einfach im Bett liegenzubleiben
  • Ungestört eine vollständige Sporteinheit zu machen.

Was man als Mama an einem Tag ohne Kinder so alles machen kann, erzählt Mama Daniela hier.

Das Erwachsenenleben ohne Verantwortung für Kinder ist komplett anders. Durch die festen Strukturen des Kinderalltags habe ich doch oft genug einen klassischen Alltag, der mir eigentlich nicht liegt. Das kann ich an diesen kinderfreien Zeiten ein bisschen ausleben und dann die Zeit mit den Kindern anders genießen und die knappen Zeitfenster anders aushalten.

Schlendern, lesen, schreiben und Kaffee trinken

Einfach in meinem eigenen Rhythmus zu arbeiten – diesen Luxus hatte ich mit einem Mal in den zwei Wochen Sommerferien. Diese Pause zum Durchschnaufen und Auftanken ist Luxus, aber dazwischen stehen eben auch all die Wochen Alltag, die ich allein im Ring stehe und Bedürfnisse koordiniere. Auch ich habe früher Sprüche gemacht, dass ich im Alltag sowieso alleinerziehend sei. Und ja, auch da war ich tatsächlich für die gesamte Koordination zuständig, aber am Abend kam eben doch noch ein zweiter Ansprechpartner nach Hause. Das ist etwas anderes und heute knirsche ich leicht mit den Zähnen, wenn andere derartige Sprüche machen.

Die freien Wochenenden sind ein Bonus, den ich habe und den andere nicht haben. Hier kann ich einen Moment auftanken und nur noch Mensch und Frau sein. Durch den Ortswechsel bin ich nicht die Mama von vier Kindern, sondern schlendere durch die Gegend. Die Leute kennen mich hier nur schlendert, lesend, schreibend und Kaffee-trinkend. Manchmal fühlt sich da bizarr an, aber ich kann hier einen Teil von mir leben, der lange kaum Platz hatte. Und das genieße ich, um dann liebend gerne die Mama von meinen wunderbaren Kindern zu sein.