Wunde Brustwarzen durch Stillen vermeiden

Wunde Brustwarzen durch Stillen vermeiden

Wunde Brustwarzen sind ein typisches Stillproblem. Erfahre hier, warum das passiert, wie du vorbeugen kannst und was gegen die Schmerzen hilft.

Mutter stillt ihr Neugeborenes in Sessel
Wunden Brustwarzen kannst du gut vorbeugen © Bigstock/ Lopolo

Wunde Brustwarzen – die häufigsten Ursachen

Beim Stillen beziehungsweise genauer gesagt beim Saugvorgang wird die Brustwarze durch den entstehenden Unterdruck fast bis zum Rachen des Kindes reichen. Sie wird also bei jedem Anlegen ziemlich beansprucht. Gerade bei empfindlichen Hauttypen führt das anfangs oft zu wunden Brustwarzen.

Falsches Anlegen & Baby von der Brust lösen

Häufig kommen die schmerzenden Brustwarzen daher, dass du dein Kind falsch anlegst. Wenn dein Baby die Brustwarze und den Warzenvorhof nicht komplett umschließt, werden sie ungleichmäßig belastet. Das kann zu kleinen Verletzungen in der Haut führen und das wiederum zu wunden Brustwarzen. Weitere Ursachen können sein:

  • Baby falsch von der Brust lösen
    Wenn du dein Baby von der Brust lösen möchtest (z.B. um die Seite zu wechseln), solltest du es auf keinen Fall einfach von der Brust „abziehen“. Schiebe statt dessen einfach den kleinen Finger in den Mundwinkel des Säuglings, um den Unterdruck im Mund aufzuheben und nimm erst dann das Kind von der Brust.
  • Lange Brustwarzen, Flach- und Hohlwarzen
    Hast du lange Brustwarzen, besonders flache oder sogar Hohlwarzen erschwert das dem Baby, sie richtig aufzunehmen. Das kann wunde Brustwarzen verursachen.
  • Verkürztes Zungenbändchen, Gaumen- und oder Lippenspalten
    Solche Fehlanlangen hindern das Baby die Brust richtig aufzunehmen. Medizinische Saugprobleme des Kindes belasten die Mutter beim Stillen.
  • Baby saugt zu stark
    Wunde Brustwarzen können auch entstehen, wenn das Baby zwar richtig angelegt ist, aber zu stark saugt. Das kann direkt nach der Geburt der Fall sein, wenn nur wenig Kolostrum zur Verfügung steht. Meist gibt sich das später, wenn der Milchfluss richtig in Gang gekommen ist.

Wunde Brustwarzen – das kann helfen

Gerade am Anfang der Stillbeziehung zwischen dir und deinem Neugeborenen treten wunde Brustwarzen häufig auf. Doch ihr werdet sicher schnell ein gut eingespieltes Team: das Anlegen klappt, dein Baby trinkt richtig und auch das Baby ablösen ist kein Problem mehr. Dann werden die anfänglichen Beschwerden wie weggeblasen sein und die weitere Stillzeit von solchen Vorkommnissen unbelastet.

Trotzdem ist es wichtig zu wissen, was im Notfall hilft.

Was hilft gegen wunde Brustwarzen?

  • Muttermilch wirkt auch entzündungshemmend. Reibe also nach dem Stillen ein wenig Muttermilch auf die Brustwarzen und lasse sie an der Luft trocknen.
  • Gönne deinen Brüsten viel Luft. Sie tut den wunden Brustwarzen gut und beschleunigt den Heilungsprozess. Zu enge BHs oder Shirts bewirken das Gegenteil.
  • Wechsle beim Stillen die Anlegepositionen. Lege dein Kind nicht nur im Wiegegriff, sondern auch in der Fußballhaltung und im Liegen an.
  • Wenn du Stilleinlagen verwendest, solltest du diese regelmäßig wechseln. Das kann wunden Brustwarzen sogar vorbeugen.
  • Wenn die Brustwarzen wund geworden sind und beim Anlegen schmerzen, ist gute Pflege wichtig. Früher galt es als Geheimtipp, etwas Dentinox-Gel (Apotheke, Drogerie) vor dem Stillen aufzutragen. Denn Dentinox betäubt die Haut, so dass du den Schmerz nicht spürst – eigentlich ist das Gel für zahnende Säuglinge gedacht. Doch davon raten Ärzte und Hebammen eher ab. Besser du behandelst gereizte Brustwarzen mit Lanolin-Salbe.

Video-Empfehlung

Wunde Brustwarzen: Stillen als Herausforderung

Die Produktion von Muttermilch basiert auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je häufiger du dein Kind anlegst, desto mehr wird produziert. Dieses Prinzip ist besonders bei den Wachstumsschüben des Kindes von großer Bedeutung.

In gewissen Abständen kommt es bei Babys zum „Wachstumsschub“ (Buch-Tipp „Oje ich wachse“), in dieser Zeit verhält sich das Baby anders als sonst und will auch öfter trinken. Wenn du dein Kind nun häufiger anlegst, wird die Produktion der Muttermilch angekurbelt und dem nun erhöhte Bedarf des Kindes angepasst. Lass dich in dieser Zeit nicht entmutigen oder durch Aussagen wie „Du hast nicht genug Milch, das Kind wird nicht satt“ verunsichern. Schon nach wenigen Tagen bis zu einer Woche ist diese „Krise“ überstanden. Und es geht normal weiter – zumindest bis zum nächsten Wachstumsschub. Allerdings kannst du in diesen Phasen wieder wunde Brustwarzen bekommen, weil dein Baby jetzt häufiger und vielleicht mit mehr Appetit saugt.

„Muttermilch-Sorten“

Nach der Geburt wird nur wenig Milch zur Verfügung stehen, dennoch sind diese paar Schlückchen wertvoll! Sie enthalten wichtige Immunglobuline für die Abwehr des Säuglings. Diese dicklich sahnige Vormilch, Kolostrum genannt, ist sehr reich an Eiweiß und Vitaminen, dafür arm an Fett und Zucker. Das macht diese Milch kalorienarm und für das Baby leichter verdaulich und obendrein verdauungsfördernd, wodurch wiederum der erste Stuhl (das sogen. Kindspech) des Kindes und das abgebaute Bilirubin (das sonst die Gelbsucht auslöst) leichter ausgeschieden werden können. Das Kolostrum ist übrigens in den ersten Stunden nach der Geburt am reichsten an Immunglobulinen, so dass ein Anlegen circa eine halbe Stunde nach der Geburt ideal ist.

Einige Tage nach der Geburt kommt es zum „Milcheinschuss“, der bei vielen Frauen ein Spannungsgefühl in der Brust aufkommen lässt, während andere Frauen davon gar nichts spüren. Fühle dich also nicht verunsichert, wenn du keinen Milcheinschuss spüren solltest. Hattest du direkt nach der Geburt schon mit wunden Brustwarzen zu kämpfen, wird es jetzt für dich bald angenehmer. Manchmal ist Babys das Kolostrum zu wenig und durch zu starkes Saugen reizen sie die empfindlichen Brustwarzen. Stillen wird daher angenehmer, wenn das Baby mit dem Milcheinschuss mehr Milch trinken kann.

Die reife Muttermilch, welche ab dem zehnten Tag zur Verfügung steht, ist wässriger und dünner. Sie ist optimal auf das Kind abgestimmt. Beim Stillen erhält das Baby zunächst die Milch, die sich seit der letzten Mahlzeit in den vorderen Reservoirs hinter der Brustwarze gesammelt hat. Sie ist fettarm und wässrig und stillt zunächst den Durst. Ist sie geleert, muss sich der Säugling nicht stärker anstrengen, um die Milch aus den hinteren Bereiche zu erreichen, da der Milchfluss bereits in Gang gesetzt ist. Diese Hauptmilch ist sättigender. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, die Brust leer trinken zu lassen (also lang genug anlegen), damit das Baby nicht nur die dünne, wässrige Muttermilch erhält, sondern auch die Sättigende. Erst dann wird es an die zweite Brust angelegt.

Newsletter Dismiss

Müde, Hunger, Pipi, kalt?

Hol dir den Newsletter der dir wirklich hilft