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Ärzte streiken wegen schlechter Bezahlung bei Kinder OPs

HNO-Ärzte fordern Stopp von Mandel-OPs bei Kindern
Symbolbild: HNO-Ärzteverbände fordern einen Stopp von Mandel-OPs bei Kindern
© Pexels / Pavel Danilyuk

Aufgrund der schlechten Bezahlung von Mandel- und Mittelohroperationen bei Kindern möchten HNO-Ärzte durch Streiks einen Stopp bewirken. Für eine Wiederaufnahme der OPs soll laut den Ärzten die Bezahlung besser werden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach reagiert auf diese Erpressung entsetzt.

Ärzte möchten auf „katastrophale Lage aufmerksam machen“

Nach dem bekannt wurde, dass Mandel- und Mittelohroperationen künftig von Krankenkassen schlechter bezahlt werden, sah der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte, sowie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, am vergangenen Montag keine andere Möglichkeit, „um auf die katastrophale Lage aufmerksam zu machen und die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen“. Bis eine deutliche Verbesserung durch die Krankenkassen ermöglicht wird, werden bundesweit keine neuen Termine für Mandel OPs bei Kindern vergeben.

Ärzte müssen bei Eingriffen draufzahlen

Eine Begründung für eine solch drastische Maßnahme ist die Kürzung der Bestattungsbeträge zum Jahresbeginn. Dazu würden sich die Eingriffe für die HNO-Ärzte nicht mehr wirtschaftlich lohnen.

„In den letzten Tagen haben uns zahlreiche Brandbriefe von verzweifelten Operateuren und den Angehörigen der kleinen Patienten erreicht. Die Vergütung ist mittlerweile so schlecht, dass die verantwortlichen Ärzte bei jedem Eingriff draufzahlen müssen. Gleichzeitig werden die Operateure von Anfragen für die Eingriffe überrannt“, sagt der Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte, Priv.-Doz. Dr. Jan Löhler.

Mittlerweile liegt die durchschnittliche Wartezeit für solche Mandel- und Mittelohroperationen bei Kindern bei vier bis fünf Monaten – Tendenz steigend. Viele Kliniken und Praxen können diesen Ansturm an neuen Patienten nicht länger tragen. Deswegen fordert Löhler: „Wir brauchen umgehend Hilfe in einer akuten Notlage. Zumindest die Kinder-Eingriffe müssen schnellstens deutlich besser bezahlt werden.“

Das Problem lege bei den Krankenkassen

Laut dem Verband liegt das Problem bei den Krankenkassen, die die Preise so weit nach unten drücken, dass sich das ambulante Operieren für HNO-Ärzte nicht mehr rentabel ist. Viele Ärzte würden deswegen schon gar nicht mehr solche Operationen bei sich in den Kliniken und Praxen anbieten.

Das habe aber zur Folge, dass es immer weniger Ärzte gibt, die solche OPs durchführen und das wiederum zu sehr langen Wartezeiten führe. Schon 2019 wurden die Stimmen lauter und man hätte vor solchen Auswirkungen gewarnt. Da allerdings nun am 1. Januar eine erneute Kürzung stattfand, empfindet man die weitere Preissenkung neben den steigenden Kosten durch Inflation, Energiekrise und den Ärztemangel, als „Affront“.

Lauterbach ist empört über das Aussetzen der Mandel-OPs bei Kindern

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wirft den Medizinerverbänden „maßloses und unethisches Handeln“ vor und fügt hinzu:

„Es ist empörend, wie schamlos einige Ärzteverbände versuchen, immer mehr Geld aus den Taschen der Beitragszahlenden der gesetzlichen Krankenversicherung herauszuholen und nicht einmal vor Drohungen gegen die Gesundheit von Kindern halt machen“.

Nun fordert die GKV, die Politik zum Einschreiten auf.

Gegenüber der „Bild am Sonntag“ äußerte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): „Kinder leiden zu lassen, um höhere Honorare zu erpressen, ist unethisch und inakzeptabel“.

Streik wird vorerst nicht so schnell enden

Der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hat am Montag eine erste Zwischenbilanz veröffentlicht: 85 Prozent der Notärzte werden sich an der Aktion beteiligen, so eine Online-Umfrage des Verbands. Auch wies der Verband die Kritik zurück und stellte klar, dass der Streik so schnell nicht enden würde.

„Es ist beschämend, wie unsachlich und diffamierend hier gegenüber den Ärztinnen und Ärzten vorgegangen wird. Insbesondere die Krankenkassen stechen mit Falschaussagen und dumpfem Populismus hervor“, äußerte sich Löhler und fügte hinzu, dass kein Arzt aufgrund dieser Beschimpfungen seine OP-Tätigkeit wieder aufnehmen werde. Im Gegenteil sogar. Es spricht eher mehr dafür, dass Ärzte sich aus dem ambulanten Operieren zurückziehen werden.

Obwohl OP Termine in der Zukunft länger dauern können, können Eltern drauf vertrauen, dass wichtige OPs und Notfälle natürlich weiterhin zeitnah realisiert werden.

Quellen

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